, sturmwie geisterhafte Riesenarme nach den dunklen, hinter ihnen sich auftürmenden Wolkenmassen hinauf zu langen schienen.
"Assowaum kann ein Stück von der Rinde sehen, an das es früher befestigt war," sagte Alapaha, während sie sich über den steilen Flussrand hinunterbog und auf eine vorstehende Wurzel des Stammes, an der noch einige Rindenstreifen hingen, niederdeutete.
"Das Canoe ist fort," sagte Assowaum, "und wir müssen hindurchschwimmen, wenn wir an der andern Seite lagern wollen."
Alapaha entledigte sich ohne weiter ein Wort zu erwidern, ihres Gepäcks, rollte mit des Häuptlings hülfe zwei niedergebrochene Aeste in den Fluss, um auf diesen die wenigen Habseligkeiten, welche sie bei sich hatten, trocken ans andere Ufer zu schaffen, und Beide klommen bald darauf die gegenüberliegende steile Uferbank empor.
"Und welchen Weg schlägt Alapaha ein?" fragte der Indianer jetzt stehen bleibend, indem er mit ruhigem blick das schöne junge Weib betrachtete.
"Eine halbe Meile den Fluss hinauf kreuzen wir einen Weg – der führt gerade nach dem haus des Mr. Bowitt, und dort hat Mister Rowson versprochen, morgen Betstunde zu halten. – Will Assowaum nicht einmal den Worten des weissen Mannes lauschen? – Er spricht gut – seine Worte sind Honig und sein Herz ist rein wie ein herbstlicher Himmel."
"Alapaha, es wäre besser, wenn auch Du – ha – was ist das?"
Ein leichtes Rauschen war im dürren Laube gehört, und gleich darauf trat ein stattlicher Hirsch aus dem Dickicht, hob den schönen Kopf in die Höhe und schaute ruhig und sicher, keine Gefahr ahnend, umher. Assowaum hatte bei dem ersten laut des knisternden Laubes seine Büchse schussfertig gehalten, hob sie jetzt langsam an die Backe, und in demselben Moment sprang auch schon der Hirsch, von dem tödlichen Blei getroffen, hoch empor und verendete zukkend.
"Gut!" sagte der Indianer, indem er ruhig stehen blieb und seine Büchse wieder lud – "sehr gut – Mr. Harper hat kein Fleisch mehr und ist zu krank, selbst den Fährten zu folgen – Alapaha wird ihm Fleisch in sein Haus bringen –"
"Und weiss Assowaum nicht, dass ich auf dem Wege bin, um das Wort Gottes zu hören?" flüsterte die Frau, indem sie ihre schlanke Gestalt neigte und leise ein Gebet murmelte.
"Es gab eine Zeit," sprach Assowaum, düster vor sich hinblickend – "es gab eine Zeit, wo Alapaha der stimme des 'befiederten Pfeiles' lauschte und das Rascheln der Baumwipfel wie das Singen des Geistervogels darüber vergass. Es gab eine Zeit, wo sie dem Gott des weissen Mannes den rücken wandte und ihre hände zum Manitu der roten Männer erhob. Es gab eine Zeit, wo sie für den Gatten den geheiligten Wampum flocht und mit geheimnissvollen Zeichen ihm Glück auf der Jagd sicherte. Die Zeit ist vorbei – Alapaha ist tot und eine Christin ist dafür erstanden – Maria. – Sie trägt dieselben Moccasins noch, in denen sie die Ihrigen verliess und dem Gatten in die Verbannung folgte. Sie trägt dasselbe Tuch noch um ihre Schläfe, das Assowaum einst von den Schultern jenes wilden Häuptlings der Sioux riss, um daheim die Stirn seiner Squaw damit zu schmücken. Sie trägt dieselbe Schnur noch von den Klappern heiliger Schlangen, und deren Töne sollten sie an die Heimat, an das Land ihrer Väter erinnern. Aber nein – ihr Ohr ist verschlossen – es hört nicht – aber mehr noch verschlossen ist ihr Herz – es fühlt nicht."
"Assowaum!" sagte mit leisem, bittendem Ton das schöne Weib – "Assowaum – zürne mir nicht. – Sieh, unser Leben ist kurz und vor mir ausgebreitet sehe ich die schönste, glänzendste Zukunft. – Oh, Du weisst nicht, wie herrlich, wie entzückend der Himmel der Weissen ist – willst Du mir das rauben, was mir noch in diesem Leben, ausser den Pflichten gegen Dich, heilig und teuer ist?"
"Nein!" sagte Assowaum – "Alapaha mag gehen und dem Gott der Weissen dienen – es ist gut so."
"Und willst denn Du nie den Tönen des heiligen Mannes lauschen, von dessen Lippen Manitu selbst spricht?"
Assowaum streckte den rechten Arm aus und war im Begriff etwas darauf zu erwidern. Ein anderer Gedanke schien sich aber gleich darauf seiner zu bemächtigen, und er hob die Büchse auf die Schulter und sagte:
"Alapaha kann nicht allein b e t e n , sie will auch e s s e n . – Nicht weit von hier, am Ufer des Flusses, steht eine kleine unbewohnte Hütte – dortin wollen wir das Fleisch tragen, und Alapaha mag es heute abend dörren. – Das Haus wird ihr Schutz gegen Sturm und Unwetter dieser Nacht gewähren, und morgen früh ist's nicht mehr weit zur Ansiedlung des Weissen, wo der blasse Mann von seinem Gott erzählt."
"Und Assowaum?"
"Hat dem kleinen Mann das Versprechen gegeben, seinen Sohn aufzusuchen – er wird es halten. Die weissen Männer reden bös von ihrem Bruder, weil sie den Tritt seines Fusses nicht unter sich hören. – Er ist fern – er wird zurückkommen und die Schuldigen werden schweigen und zu ihm aufsehen."
"Aber er ist bös –"
"Welche Schlange hat ihr Gift in Alapaha's Ohr geblasen? Sie hat den Tönen des Machinito gelauscht und wirft Staub auf die Hand, die ihr Gutes