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ich auch die leisen, sich entfernenden Schritte. Mein Besuch hatte mich verlassen und ich atmete so frei auf, als ob ich vom tod erstanden wäre."

"Ja, aberbrannte denn das Feuer nicht mehr?"

"Es glimmte nur noch, denn ich hatte am Abend vorher lauter trockenes Hickoryholz zusammengeschleppt."

"Nun, was machtet Ihr denn nachher?"

"Ich kann mich nicht einmal mehr ordentlich darauf besinnen. – Erst wollt' ich vor allen Dingen aufstehen und das Feuer schüren, dann wollt' ich mein Messer aus der Scheide ziehen und neben mich legen, oder es gar in der Hand behalten, dann wollt' ich mich mit dem rücken an einen Baum lehnen, um aufrecht sitzen zu bleiben; weiss aber nicht, wie es kamich muss wieder eingeschlafen sein, denn als ich recht ordentlich munter wurde, war es heller Tag."

"Das ist doch eigentümlich," sagte der Richter – "was kann es nur gewesen sein? saht Ihr denn nicht nach den Fährten?"

"'Eigentümlich'," brummte Bahrens – "i c h hätte die geschichte erzählen sollen, da wäre wieder von weiter nichts als 'Unsinn und Lügen' geschwatztund jetzt ist sie 'eigentümlich'."

"natürlich sah ich nach den Fährten," antwortete Curtis, "auf der Stelle selbst konnte' ich jedoch nichts erkennen, der Boden war trocken und das Laub lag sehr hoch, etwas davon entfernt aber kam ich an die Spuren eines merkwürdig grossen Bären, und das musste auf jeden Fall mein Nachtwächter gewesen sein."

"Das tun die Bestien," lachte Smit – "ich weiss es aus Erfahrung, denn ich hatte vor zwei Jahren einen zahmen Bären, der stand mehrere Male des Nachts auf, kam an mein Lager und guckte mir gerade in's Gesicht – 's ist komisches Viehzeug!"

"Apropos, Curtis," fragte der Richter jetzt – "Ihr habt ja versprochen, mir in diesem Frühjahr einen jungen Bären zu fangen; meine Frau möchte gar zu gern einen haben. Ist's denn nicht mehr möglich?"

"Jetzt ist's nun freilich zu spät, im Mai laufen die kleinen Canaillen schon wie die Pferde. – Ich bin übrigens im Februar und März sechs Wochen deswegen im wald nach allen Richtungen umhergekrochen, bin sogar zweimal nach den Magazinbergen hinübergegangen, um dort in ein paar Höhlen, die ich wusste, nachzusuchen, 's war aber nichts zu machen. – Hätte selbst gern einen kleinen, zahmen Petzsie sind gar zu lieb."

"Torheit," sagte Bahrens – "unbeholfene Dinger werden's. Schon im ersten Jahre werfen sie das Glaszeug und Geschirr aus den Gefachen, ziehen das Tischtuch vom Tische mit Allem, was drauf steht, zerren die Bienenstöcke um, beissen sich mit den Ferkeln und schütteln die Pfirsichbäume. – Nein, da gibt's noch manche andere Tiere, die harmlos sind und eben so vielen Spass machen. In Nord-Carolina hatte ich einen zahmen Häring, der lief mir durch's ganze Haus nach."

"Halt, Bahrensverschnappt Euch nicht," lachte der Richter, "ein Häring auf dem Trocknen, wie lange sollte der leben?"

"Leben!" rief der alte Jäger voller Eifer – "leben! Ein Tier kann sich an Alles gewöhnen. Der war in seiner Jugend auf eine Sandbank geworfen und hatte nie wieder wasser gesehenich musste ihm nur jeden Tag frischen Sand geben. – Jetzt hab' ich ein kleines Ferkel," fuhr Bahrens, ohne einen weiteren Einwurf zu beachten, fort – "ein wunderbares Dingund doch keineswegs 'e i g e n t h ü m l i c h '. – Es sieht aber gefleckt aus wie ein Hirschkalb, und der kleine Schwanz ist ihm so merkwürdig fest zusammengedreht, dass es schon seit drei Wochen die Hinterbeine nicht mehr auf die Erde gebracht hat."

"Hurrah für Bahrens!" schrie Curtis, verstummte aber plötzlich und rief: "Heda, war das nicht eben ein Schuss?"

"Jaich glaube, ich hörte es auch," entgegnete Bahrens. – "Hecker wird's gewesen sein; die Salzlekke ist lange nicht bewacht, an der er heute Abend sitzt, und es sollte mich gar nicht wundern, wenn er ein paar Mal zum Schusse käme."

"Hallo im haus!" rief plötzlich eine stimme vor der Tür, und die Hunde schlugen scharf und gellend an.

"Da rief Jemand," sagte der Richter.

"Hallo im haus!" wiederholte die stimme draussen und diesmal so laut, dass sie selbst das Gebell und Geheul der Hunde übertönte.

"Hallo da draussenwas gibt's?"

"Bringt ein Licht herwollt Ihr?"

"Wer ist da?"

"Husfield vom Springcreek und Freunde. Kann man hier Kienholz oder ein paar Pfund Wachs bekommen, um grosse Lichter draus zu machen?"

"Ja," rief Eastlei – "Wachs hab' ich zwar nicht, doch Kien genug. Der muss übrigens erst gespalten werden, und Ihr steigt indessen lieber ab und kommt herein. Ruhig, ihr Hunde!"

"Husfield? was zum Henker bringt Euch hier in der Nacht her," rief der Richter, der, von Cook gefolgt