den lebendigen Vögeln mit in die Luft und wohl fünfhundert Schritt weit fortgenommen waren – gute Nacht, Hecker, gute Nacht – rennt der Kerl! – und wie er die Beine wirft!"
"Bahrens, Ihr seid noch immer der Alte!" – lachte der Richter. – "Nichts als Unsinn, und lügen könnt Ihr, dass die Fenster anlaufen."
"Das wäre eine Kunst hier!" rief Bahrens höhnisch, "Fenster anlaufen? – Ich glaube, es sind keine zwei Glasscheiben im ganzen County, die ausgenommen, die Smit da auf der Nase trägt. – Was hilft mir denn aber mein Erzählen, wenn Ihr kein Wort davon glaubt? – Warum tut I h r die Mäuler nicht auf? Na, da kommt wenigstens der Whisky."
"Wenn's nicht gleich so dicht hinter Bahrens' geschichte herkäme," sagte Curtis jetzt – "so möchte' ich Euch erzählen, was mir gestern Nacht passiert ist – 's ist aber auf mein Wort wahr, und Ihr braucht nicht drüber zu grinsen, Bahrens."
"Hört Ihr jemals, dass i c h solche Entschuldigungen einer von mir erlebten Begebenheit vorausschikke? Nie – das macht sie immer verdächtig" – erwiderte Bahrens kopfschüttelnd.
"Das habt I h r auch gar nicht nötig!" sagte der Richter lachend – "bei Euch bleibt sich's immer gleich. Aber weiter, Curtis, weiter – und seid so gut und lasst noch einen Tropfen von dem Stoff da im Becher."
"Ich war gestern Abend wieder am Petite-Jeanne," begann Curtis – "um nach den Schweinen zu sehen, von denen mir Bahrens neulich gesagt hatte, als wir später durch die Leichensucherei abgehalten wurden. Gut – ich kroch den ganzen Tag im Busch herum und sah überall, wo sie gelaufen waren, konnte aber keinen Schwanz von ihnen finden. Endlich gegen Abend, es fing schon an dunkel zu werden, sah ich 'was Helles in einem kleinen Papaodickicht stehen, und richtig war's die alte Sau mit den Ferkeln (ich habe aber nur zehn gesehen – Bahrens redete von elfen – vielleicht hat der Bär eins gefangen). Wie ich ich mich also überzeugt hatte, dass es wirklich Vaters Zeichen war, was sie in den Ohren trug – ein Loch im linken und einen Schlitz im rechten, so liess ich sie zufrieden, um sie nicht unnötiger Weise scheu zu machen. Da aber an dem Abend doch weiter nichts mit ihnen anzufangen war, streute ich ihnen nur ein paar Kolben Mais hin, die ich in der Kugeltasche mitgenommen hatte, und sah mich nach einem vernünftigen Fleck zum Schlafen um.
Den Petite-Jeanne-Sumpf hab' ich auf dem Striche. Alles nass und feucht, und Mosquitos so dick, das man nicht durchsehen kann. Nach langem Suchen fand ich einen trocknen Platz, zündete ein Feuer an, wickelte mich in meine Decke und legte mich nieder. Hunde hatte' ich nicht mitgenommen, weil ich die Schweine nicht scheu machen, auch überhaupt nicht jagen wollte, und müde vom vielen Umherrennen schlief ich bald genug ein. Wie lange ich gelegen haben mag, weiss ich nicht, denn die Bäume standen so dicht, dass ich kaum gerade über mir ein paar Sterne erkennen konnte, einmal aber wachte ich auf, und da war mir's, als ob ich irgend 'was leise um mich herumschleichen hörte. Ich horchte lange und aufmerksam, und hatte meine Büchse gespannt neben mir. Da ich aber nichts weiter hören konnte, überredete ich mich zuletzt, ich hätt' es bloss geträumt, und legte mich wieder nieder; doch ging mir das Ding im Kopf herum. Ohne Hund befand ich mich nämlich in einer keineswegs angenehmen Lage, wenn mir so ein alter Panter in aller Freundschaft auf den Hals gesprungen wäre, wie's dem Dipolt da vor nicht gar langer Zeit am Washita begegnete. Halb im Schlafe, halb im Wachen lag ich also und horchte immer noch auf das geringste Geräusch, als ich dieselben Laute wieder zu vernehmen glaubte. Leise zog ich die Decke vom Gesicht – da war's mir, als ob ich etwas atmen hörte – deutlich und nahe, und fast in demselben Augenblick fühlte ich auch den heissen Atem irgend eines lebenden Wesens in meinem Antlitz. Trotz der Dunkelheit konnte ich einen dicht über mich hinggebeugten schwarzen Gegenstand erkennen, und ganz erstaunt vor Schreck und Ueberraschung blieb ich wirklich regungslos liegen und erwartete, was das rätselhafte geschöpf über mir beginnen würde. Ein Panter konnte' es nicht sein, das wusst' ich, denn der hätte mich lange an der Kehle gehabt. Das war aber auch der einzige Gedanke, den ich zu fassen vermochte. Ich besann mich nicht einmal auf mein Messer im Gürtel, um wenigstens etwas zu meiner Verteidigung zu haben, sondern lag nur wie tot da und starrte auf den dunkeln Gegenstand dicht über mir hin, dessen glänzendes Auge ich selbst in dieser Dunkelheit matt leuchten sehen konnte.
Ich weiss nicht, ich bin sonst nicht gerade furchtsam, hier aber war ich wirklich wie behext, und so machtlos, dass ich die sichere Beute irgend eines Raubtieres geworden wäre, das sich die Mühe genommen hätte, mich anzufressen."
"Und das T h i e r ?" frugen Alle.
"Auf einmal konnte ich wieder die Sterne über mir erkennen und fühlte den heissen Atem nicht mehr – gleich darauf hörte