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beschwören?"

"Ja wohl!"

"Nehmt ihm den Eid abClerk."

Dieser sagte dem Mann die Eidesformel mit etwas sehr schneller stimme vor, hielt ihm die Bibel zum Küssen hin, und endete den Schwur mit dem üblichen feierlichen: "So help you Good."5

"Hat's sehr nötig!" sagte Cook gähnend, indem er sich auf dem Bett herumdrehte.

Die Wahl dauerte jetzt wohl in verschiedenen Zwischenräumen an zwei Stunden, bis alle Anwesenden ihre Stimmen abgegeben hatten, und eben wollten die beiden Schreiber zum Schluss ihre Namen unterzeichnen, denn das Protokoll musste, um jeden Irrtum zu vermeiden, doppelt geführt werden, als die Draussenstehenden den alten Bahrens ankündigten, der auf seinem kleinen Pony angetrabt kam.

"Noch vor dem Abfang, Gentlemen?" rief er aus, als er in's Zimmer trat, "noch vor dem Abfangnun aber doch wohl noch zeitig genug. – Hurrah für Vatteldas ist der Mann, Boystrinkt manchmal sein Gläschen, ist richtig, hat aber nichts zu sagen, ist nachher immer wieder auf dem Zeug. – Schreibt Vattel, sag' ich –"

"'s war Zeit, dass Ihr kamt, Bahrens," meinte Hekker, "ich wollte eben fort. Es ist schon fünf Uhr vorbei, und ich habe noch eine halbe Stunde zu gehen."

"Wohin denn?"

"Zur nächsten Salzlecke; wollt Ihr mit?"

"Oh der Henker hole Eure Salzlecke; wir bleiben hier zusammen, nicht wahr, Boys? – heute Abend soll's eine Spree6 geben. – Ich gehe nicht eher nach haus, bis ichnicht mehr gehen kann, und dann bleib' ich erst recht hier."

"Das ist brav, Bahrens!" rief Cook, der zum Tisch getreten war, "das lass ich gelten. Ich habe zwei Hirschfelle mitgebracht, die vertrinken wir auch, – – es ist ja nicht alle Tage Wahl."

"Ich kann also gehen?" fragte Hecker.

"Geht meinetwegen zum Teufel! Boys, wer holt Whisky? In dem Laden drüben mag ich mich nicht hinsetzen, es ist mir dort so unheimlich. – Nun kommt, Heckertrinkt erst einmal, denn die ganze Nacht dort trocken zu sitzen, ist auch kein Spass. – Gott segne uns, wenn ich meine Hirsche nicht mehr am Tag schiessen kann, dann geb' ich's auf; die Nacht mich draussen in's Freie zu legen, und neben mir ein Feuer zu haben, an dem ich mich nicht einmal wärmen darfstets in Angst zu sein, dass ich einnicke und unter der Zeit mein Feuer ausgeht, ein Hirsch zur Salzlecke kommt und mich schnarchen hörtneindas ist mein Geschmack nicht. – Gutich hindere Euch nichthabt Eurern Willenich brauch' Euch nicht zu pflegen, wenn Ihr krank werdet, aber haltdas müsst Ihr noch hören, wie's mir einmal in Texas an einer Salzlecke ging."

"Aber schnell," sagte Hecker, der seine Büchse schulterte, "ich möchte nicht gern die Zeit versäumen."

"Wär' auch schade, wenn Ihr das Gewitter nicht ganz auf den Pelz bekämt, was da heraufzieht, wär' wirklich schadealso. – Ich lag auch eines Nachts – (damals war ich eben solch ein Narr, wie Hecker jetzt ist, und sass Tag und Nacht draussen) mit der Büchse an einer Salzlecke. wild war in Unmasse in der Gegend, und ich hatte mich ein wenig früh an Ort und Stelle gemacht, um eine gehörige Quantität Felle die Nacht zusammenzuschiessen. – Es war also kaum dämmerig, als ich, neben einem tüchtigen Haufen Kienholz und unter einem leicht aufgebauten Gestell, niedergekauert war. Da hört' ich auf einmal, gar nicht weit entfernt, ein fürchterliches Getöse und Geschrei, als ob ein paar tausend Panter am Heulen wären. Der ganze Wald bebteich h ö r t e den Lärm nicht mehr, ich f ü h l t e ihn ordentlichund (doch hier muss ich erst noch bemerken, dass ich etwa eine Viertelstunde von einem grossen Baumwollenfeld und in einer sehr niedern sumpfigen Gegend lagerte) ehe ich mich daher recht ordentlich besinnen konnte, brauste es herbei, und nieder kam's auf mich wie ein Unwetter. Was meint Ihr aber, dass es gewesen wäre?"

"Das mag der Teufel raten."

"Wilde Gänseein paar tausend wenigstens. – Mein Gestell warfen sie mir ein, mein kleines Feuer, das ich eben angefacht hatte, schlagen sie mit den Flügeln aus, und mich selbst behandelten sie, als ob ich gar nicht existiert hätte. Ich aber nicht faul, zog mein Jagdmesser heraus und fing an auszuholen. Die mir am nächsten waren, merkten nun wohl, dass sie unter dem falschen Baum gebellt hätten, zu spät aber, denn ehe sie sich wieder von ihrem Schreck erholen und das Alarmzeichen geben konnten, hatte ich nicht schlecht unter ihnen aufgeräumtwie sie fort waren, zählte ich einundfünfzig Gänse und achtundfünfzig Köpfe, die geblieben waren."

"Was? sieben Köpfe mehr? wo wären denn die Gänse geblieben?"

"Die, denen die Köpfe gehörten? die fand ich am nächsten Tage. So dicht waren sie geflogen, dass die toten von