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"Ja – zwei oder drei," erwiderte der Angeredete, indem er in die Tür trat – "ich will nur mit Dunkelwerden an der Salzlecke drüben über dem Berge sein. Wenn ich um fünf Uhr fortgehe, komm' ich zeitig genug."
"Gut – dann stellt Eure Büchse dort in die Ecke – ist sie geladen?"
"Denkt Ihr, ich schleppe ein leeres Rohr im wald herum?"
"Nun, lehnt sie nur gut an – ich habe immer Angst, die verdammten kurzen Dinger könnten Schaden tun."
Hecker, ein junger Deutscher, der sich dort in der Gegend von der Jagd ernährte, auch ganz wie die dortigen Hinterwäldler gekleidet war, rückte sich einen Stuhl zum Tisch, zog das grosse, breite Jagdmesser, das ihm beim Sitzen unbequem war, aus der Scheide, legte es vor sich hin und fragte Smit, der neben ihm sass:
"Wär's denn nicht möglich, entweder Robin und Cook zu bewegen, mit ihrer schauderhaften Musik aufzuhören? Die Hunde werden noch krank davon."
"Möchte schwer halten," lachte dieser, "sie glauben Beide wunder wie schön sie's machen. – Aber da kommt wahrhaftig Wells! – was mag d e n zu uns führen, der hält sich doch sonst nicht bei Wahlen auf?"
"Er hat Wölfe gefangen – bei Gott!" rief der Richter – "bravo, Wells, das macht Ihr gescheidt, die Bestien tun Schaden genug!"
"Guten Abend zu Allen!" sagte der Jäger, indem er in die Hütte trat und drei blutige Wolfsscalpe auf den Tisch warf – "guten Abend, Richter – da – gebt mir einmal die Bescheinigung2 oder kauft sie mir ab, das wäre mir noch lieber, denn mit Taxen bin ich so nicht übermässig geplagt."
Wells war ein schlanker, wohlgewachsener Mann mit grauen, lebhaften Augen, sonst glich aber sein ganzes Wesen mehr einem Indianer als einem Weissen, und Viele behaupteten, dass seine Adern eben so viel rotes als weisses Blut entielten. In seiner Kleidung unterschied er sich ebenfalls in Nichts von den halbcivilisirten roten Söhnen der Wildniss. Wie diese trug er sein Haupt bloss, dass das lange, schwarze, glänzende Haar ihm die Schultern umflatterte, oder band höchstens bei sehr windigem Wetter einen Streifen Baumrinde um die Schläfe, es festzuhalten. Abenteuerliche Sachen erzählte man sich auch aus seinem Leben, besonders aus den letzten Jahren desselben, die er grösstenteils in Texas zugebracht hatte. Jetzt wohnte er ganz ruhig und still auf einer wohlbebauten Farm, die er mit seinen zwei Söhnen, jungen Burschen von neun und elf Jahren, versah. Doch nur im Sommer arbeitete er, und auch dann nur die wenigen Wochen der Pflanzzeit – die anderen Monate jagte er und stellte den Raubtieren, besonders den Wölfen, Fallen. Sonst war er harmlos und in der ganzen Gegend seines freundlichen, wenn auch rauhen Benehmens sowie seiner unbeschränkten Gastfreundschaft wegen beliebt.
"Hört, Wells," lachte Hecker, indem er mit dem Aermel seines Jagdhemdes das Wolfsblut von dem liniirten Bogen wischte – "wenn's Euch einerlei ist, so legt die nassen Dinger u n t e r den Tisch – es schreibt sich besser –"
"Oh, ich habe das Papier schmutzig gemacht – tut mir wirklich leid. – Nun, man kann ja doch noch drauf schreiben; es ist ja bloss die eine Ecke oben. – Hier, Richter – dreimal drei macht neune –"
"Ja – neun Dollar für drei Wolfsscalpe, das ist richtig genug, aber – Ihr müsst zuerst beschwören, dass Ihr sie wirklich selbst und in diesem County erlegt habt."
"Das kann ich nicht – ich habe sie bloss gefangen, meine Hunde haben sie nachher todtgebissen."
"Das bleibt sich gleich – ob sie durch Eure Hand, Eure Hunde oder Eure Fallen vernichtet sind – beschwört mir das –"
"Nun, ich will verdammt sein, wenn's nicht wahr ist –"
"Gut – bei Gott!" rief Cook auf dem Bett, indem er Robin wieder einen leichten Tritt versetzte – "das verdient den Yankee Doodle –"
"Lieber Wells," lächelte der Richter, "das ist nicht der richtige Schwur. Doch der Clerk wird Euch den abnehmen; jetzt aber zu unserer Wahl – also, Hecker, Ihr wollt schreiben, und wer sind meine beiden Mitrichter?3 Aha – Smit und Hawkes – setzt Euch nur, wir können anfangen."
"Welches Datum haben wir heute?" fragte Hecker.
"Den siebenundzwanzigsten –"
"Und welchen Wochentag?"
"Nun, Gott sei Dank, wisst Ihr nicht einmal den Tag? Freitag."
"Wenn man ein paar Wochen draussen im wald liegt, wird man ganz confus," lachte Hecker – "ich glaubte, es wäre Sonntag."
Einer der Farmer trat jetzt vor – Hecker schrieb den Namen. "Guten Abend, Heslaw – braucht weiter keine Legitimation, nicht wahr?"
"Nein – der nicht –"
"Für wen als Sheriff?"
"Vattel."
"Und Clerk?"
"Hopper."
"Euer Name?" fragte Smit einen Zweiten, der zum Stimmen kam.
"Kattlin."
"Wie lange im Staat?"4
"Sieben Monate."
"Wie lange im County?"
"Acht Wochen."
"Könnt's