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wohl ein Gefallen geschehen mag? – Tom, hol' uns ein paar Stühle aus dem haus," rief er dann wieder in lauterem Tone dem Neger zu, der eben die Sättel von den Pferden nahm. Rowson hatte aber die Ankunft der beiden Männer gehört, und brach sein Gebet ab, als der Neger eben in die stube kam. Die Männer traten dann ohne weitere Umstände ein. "Guten Morgen, Ladies!" sagte Harperaber es sah bleich und elend aus, seine Augen lagen in ihren Höhlen, seine Kniee konnten kaum das Gewicht des Körpers tragener sank matt in einen Stuhl. "Mr. Harperum Gottes willen, was ist Ihnen?" "Nichtsich dankees wird vorüber gehenein Glas wasser, wenn ich bitten darf." Marion nahm den langstieligen Flaschenkürbis, der im Wassereimer lag, und reichte ihn dem alten Mann. "Es ist ein Mord verübt," sagte Roberts jetzt, indem er seinen Stuhl an den Kamin rückte und starr vor sich niedersah – "ein Mordein schrecklicher MordHeatcott ist erschlagen."

"Heatcott?" rief Rowson, ihn anstarrend – "Heatcott? wer sagt das?"

"Ich habe die Leiche gesehenBrown hat ihn erschlagen! Was ist dem Mädchen? MarionUnsinnwas braucht sie ohnmächtig zu werden, wenn man von einem Morde spricht; es ist doch wahrlich nicht der erste, von dem sie hört." Harper war leise an ihn herangetreten.

"Erwähnt hier nichts von dem Geld," flüsterte er Roberts zu – "lasst uns erst sehen, ob wir nicht dem Andern auf die Spur kommen."

"Habt keine Angst," erwiderte Roberts – "hierin glaube' ich selbst an Brown's Unschuld."

Rowson hatte einen Augenblick, wie in tiefes Gebet versunken, dagestanden, jetzt aber hob er die Augen seufzend empor und sagte schaudernd:

"Es ist schrecklichfürchterlichso jung noch, und schon Mörder und Räuber."

"Räuber?" fuhr Harper wild auf.

"Aeusserte Heatcott hier nicht, dass er eine bedeutende Summe mit sich trage? Glaubt Ihr, sein Mörder wird das Geld mit ihm begraben haben?" Marion sah in ängstlicher Erwartung nach ihrem Vater hinüber, als ob sie dessen Antwort erwarte. Roberts schwieg und starrte schweigend in die im Kamin lodernde Flamme.

"Heatcott war ein sündiger Mensch," fuhr Rowson mit strenger stimme fort, "aber s o zu sterben, s o in seinen Sünden hinzufahren, das ist schrecklich. Wo ist die schauderhafte Tat verübt, Mr. Roberts?"

"Am Petite-Jeannewir fanden die Spuren, und Assowaum holte die Leiche aus dem Flusse."

Der Prediger schwieg mehrere Minuten und starrte, in Gedanken versunken, vor sich nieder, dann erhob er sich plötzlich und fragte, die Augen fest auf Roberts geheftet:

"Aber woher wissen Sie, dass Brown der Mörder ist?"

"Er ist an demselben Morgen in jener Gegend gesehen worden," sagte Roberts seufzend, "und es waren Zwei, die den Mord verübten. – Brown hatte ja auch am vorhergehenden Tage den Zank mit dem Ermordeten, der damals solch' wilde Drohungen gegen ihn ausstiess."

"Schändlichschändlich," rief Rowson in frommer Entrüstung – "ich will selbst an den Petite-Jeanne gehen, vielleicht kann man den Mörder noch einholen."

"Mr. Rowsones war I h r e t h a l b e n , dass der unglückliche junge Mann den Streit mit dem jetzt toten begann," sagte Marion ernst, zu ihrem Bräutigam aufsehend – "Ihnen geziemte es am wenigsten, den Stab über ihn zu brechen."

"Marion!" rief die Mutter, entrüstet über die Kühnheit des sonst so sanften Mädchens – "Marionwas unterstehst Du Dich?"

"Lassen Sie das Kind, Schwester Roberts," erwiderte Rowson mild – "sie urteilt nach äusseren Eindrücken, wer kann es ihr verdenken? – Gott nur sieht das Herz und versteht es zu prüfen."

"Würde Ihnen wenig helfen, meinen Neffen zu fangen," sagte Harper jetzt ärgerlich aufstehend – "wir Alle sind bereit, die Drohungen zu beschwören, die Heatcott hier gegen ihn ausgestossen hat. – Ein Geschworenengericht m ü ss t e und w ü r d e ihn freisprechenüberdies kommt er in acht Tagen zurück und wird sich selber verteidigen."

"Er kommt zurück?" fragte Rowson schnell.

"Gott sei gedanktdann ist er auch nicht schuldig!" rief Marion in der Freude ihres Herzens.

"Miss Marion scheint vielen Anteil an dem jungen Mann zu nehmen," bemerkte Rowson.

"An j e d e m Unschuldigen!" sagte das schöne Mädchen, zu gleicher Zeit aber selbst über den Eifer errötend, mit dem sie des fremden Mannes Sache vertreten hatte.

"Das ist schön und lobenswert," erwiderte freundlich der Prediger – "möge der Herr Dich dafür segnen, mein gutes Kind, und Dir Deinen frommen Glauben erhalten. Du hast noch nicht solch' bittere Erfahrungen gemacht, wie wirmöge es auch nie geschehen!" Er trat darauf noch zu Mrs. Roberts und teilte ihr leise etwas mit, küsste dann seine Braut achtungsvoll auf die Stirn und folgte den beiden Männern, die sich nach kurzem