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Donnerstag Abend, denn eher können wir den Platz zu Fuss nicht erreichen, keine gute gelegenheit, so dauert es freilich bis Sonnabend, ich hoffe aber, es soll Alles gut gehen, und dann sind wir Freitag Abend mit Sonnenuntergang am bestimmten platz; auf baldigesfrohes Wiedersehen also!"

"Auf Wiedersehen!" riefen Cotton und Weston und verloren sich in den büsche. – Rowson blickte ihnen noch eine Weile nach und sprach dann kopfschüttelnd zu dem gefährten:

"Johnson, dies muss das letzte Mal sein, dass wir mit dem Burschen, dem Cotton, etwas anfangen. Auf der Insel wollen sie auch nichts mehr von ihm wissen, sie haben erfahren, dass er sich immer betrinkt und nachher allerlei tolles Zeug schwatzt und Händel sucht."

"Der Junge, der Weston, ist eben so wenig nach meinem Sinn," erwiderte Johnson – "ich glaube wahrhaftig, wenn dem das Feuer recht auf den Nägeln brennte, er schwatzte aus der Schule. – Ich trau' ihm nicht."

"Wir wollen hoffen, dass seine Schweigsamkeit nie auf die probe gestellt wird," sagte Rowson sehr ernst – "wer weiss, was wir Alle in solchem Falle täten. Es hat etwas merkwürdig Verführerisches, sein eigenes Fell durch die Aufopferung von ein paar Anderen, F r e m d e n , in Sicherheit bringen zu können. Mit uns Beiden ist es freilich etwas Anderes, ich glaube nicht, dass u n s State's evidence1 viel hälfe, und wo –"

"Je weniger wir darüber sprechen, desto besser," rief Johnson ruhig, indem er nach dem Pulver auf seiner Pfanne sah – "wo lassen wir die Pferde?"

"Wieder bei FulwealsWeston weiss es schon und holt sie dort ab."

"Gutdann geh Du jetzt zur gerade nach der Strasse zu und folge der, und ich halte mich im waldes ist besser, wenn wir nicht zusammen gesehen werden."

"Glück zu indessen!"

"Glück zu!"

Rowson, der jetzt den Platz erreichte, wo sein Pferd angebunden stand, schwang sich hinauf und trabte gegen die Strasse an, auf der er dem Pferd die Zügel liess und scharf dahin galoppirte, bis er von fern das helle Dach der friedlichen wohnung schimmern sah, in der sein Liebchen haufte. Hier griff er zuerst wieder dem Tier in die Zügel, näherte sich dem haus in einem gemässigten Schritt und stieg an der Tür ab. Wenn aber auch von Mrs. Roberts mit Freude, von Marion mit Freundlichkeit empfangen, hielt er sich doch nicht lange bei den Frauen auf, sondern verkündete ihnen, dass er nur gekommen sei, auf einige Tage Abschied zu nehmen. Teils zwinge ihn sein Beruf dazu, den nördlichen teil des County ebenfalls zu bereisen und das Wort des Herrn zu lehren, teils auch nötigten ihn seine Geschäfte, an den Arkansas River zu gehen, um dort eine Summe des erwarteten Geldes in Empfang zu nehmen.

"Bald, meine teure Marion," fuhr er fort, indem er die Hand des leicht erbleichenden Mädchens zärtlich in die seine nahm, "bald wird nun auch mein heissester Seelenwunsch erfüllt, und wir Beide werden mit der hülfe unseres Herrn Jesus Christus in Frieden unsere wohnung mitsammen aufschlagen. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; das unstäte Leben sagt auch meinem Körper nicht zu, das ewige Herumreiten zwingt mich oft, einer Nachterberge wegen Orte aufzusuchen, die ich sonst gern gemieden hätte."

"Die Männer von Arkansas," flüsterte Marion leise, "schlafen gern im FreienMr. Rowson hat das wohl noch nicht versucht?"

"Doch, liebe Marion, doch, aber es sagt meiner Gesundheit nicht recht zuich bin über die Jünglingsjahre hinaus; warum Beschwerden aufsuchen, die man vermeiden kann? Aber lebe wohl, liebes Kindder Himmel nehme Dich indessen in seinen Schutz. Vorher nur wollen wir noch einmal brünstig zum Herrn beten, dass er unser schwaches Bemühen segne und uns gnädig sei."

Damit nahm er sein kleines, schwarz eingebundenes Gebetbüchlein, das er stets in der tasche trug, hervor und begann mit lauter stimme seine Andacht. Die Frauen knieten, der Metodistensitte gemäss, an ihren Stühlen nieder, und Marion schaute über die gefalteten hände hinweg mit feuchten Augen zu dem klaren, reinen Himmel empor. Ihre Gedanken schweiften weit, weit fortsie vernahm nicht die rauhe stimme des Frömmlers, der an ihrer Seite seine monotonen, auswendig gelernten Phrasen mit demselben Gefühl vielleicht hersagte, als der Spielmann sein tausendmal gespieltes Lied anhörtihre Blicke hingen an dem heitern Dome des Herrn, und wenn auch ihre Lippen sich schweigend an die zarten Finger pressten, ihr Herz sprach mit ihrem Gott.

"Reib' die Pferde ein wenig ab, – in einer Stunde muss ich wieder fort!" sprach Roberts' stimme draussen zum Neger – "kommt einen Augenblick herein, Harper, und ruht Euch auswas wollt Ihr jetzt zu haus? kommt, ich bin selbst müde, und sehne mich danach, einen Augenblick auszuruhen. Hallo – d a ist wahrhaftig wieder Betstunde," fuhr er dann leise, zu dem Fremden gewendet, fort. – "Hol' der Teufel den pfaffen! – Wenn ein Mensch auch gar nichts Anderes zu tun hat, als in einem fort auf den Knieen herumzurutschenob denn damit dem lieben Gott