Haupt des Kriegers über der Fläche. – Einmal holte er tief Atem und dann strich er aus, dem Ufer zu, wo die Männer standen. Er kletterte die steile Bank hinauf, hielt den Haken aber noch immer in der Hand.
"Und die Leiche?" fragte Roberts.
"Ich habe sie gefühlt," war die Antwort Assowaum's – "meine Hand hat sie berührt, als ich danach umhertappte. Das wasser hob mich aber zu schnell wieder – sie ist unten!"
"Will Einer der Weissen mir einen Stein holen?" fragte er dann nach einer Weile, indem er sich erschöpft unter einen Baum warf – – "ich bin matt und möchte ruhen!"
"Willst Du denn noch einmal hinunter?" rief Harper erstaunt. Der Indianer nickte nur mit dem kopf, Hartford lief aber schnell nach der nicht sehr weit entfernten Kiesbank und brachte von hier aus einen ziemlich gewichtigen Stein angeschleppt, um den Curtis sogleich ein kurzes Seil schlang und eine Schlinge daran befestigte.
"So, Indian," sagte er dann, "wenn Du das auf diese Art an Dein linkes Handgelenk hängst, so nimmt's Dich hinunter, und willst Du wieder nach oben, so brauchst Du es nur abzustreifen – siehst Du, so!"
Der Indianer bedurfte keiner grossen Belehrung, er befolgte schnell den Rat des Weissen, liess aber diesmal das Ende der aus Rinde gedrehten Schnur in Curtis' Hand zurück und nahm nur den Fischhaken in die Rechte, dabei wohl darauf achtend, dass er sich nicht verwickeln könnte, glitt jetzt an der steilen Lehmwand hinunter und tauchte zum zweiten Male in den Fluss.
Diesmal dauerte sein Aufentalt unter dem wasser länger als das vorige Mal, denn er war des schweren Steines wegen genötigt gewesen, langsam auf dem grund fortzuschreiten und mit dem Fuss nach dem gegenstand seines Suchens zu fühlen. Endlich zuckte es an der Schnur, die den Haken hielt, viele Schaumblasen quollen empor, und wiederum erschien der dunkle Haupt des Indianers, der schnell an das Ufer ruderte, dort dem wasser entstieg und schaudernd zurückblickte. Sein Antlitz hatte eine Aschenfarbe angenommen, und als er sich das lange rabenschwarze Haar aus der Stirn strich, starrte sein Auge so stier und geisterhaft drein, als gehöre er selber nicht mehr dieser Erde an, als sei er der Geist des Erstammes, der der dunkeln Tiefe entsteige, weil er das feuchte Grab nicht mit einem Feinde seines Volkes teilen wolle.
"Die Schnur ist befestigt," rief Curtis, der das Ende in der Hand hielt, "Assowaum hat den Leichnam gefunden!"
Während der Indianer jetzt schweigend auf die Wasserfläche hinaussah, zogen die Männer oben auf der Uferbank langsam und vorsichtig die Schnur an, dass sie nicht zerreisse. Der Körper, in dessen Kleidern der Haken befestigt war, hob sich dadurch, und bald war ein dunkler Gegenstand im wasser sichtbar. – Die Flut teilte sich und wich, wie schaudernd vor der unheimlichen Last, zurück, und im nächsten Augenblick ergriff Assowaum die Schulter der Leiche und zog sie auf's Trockene. Die Männer waren hinabgesprungen, und als der Indianer den Körper umwandte, dass das bleiche Antlitz nach oben kam, ertönte ein Schreckensschrei von der Lippe. Einstimmig riefen die Jäger:
"Heatcott!"
"Heatcott," wiederholte Harper nach.
"Mehrere Minuten lang standen die Männer schweigend da und betrachteten mit entsetzten Blikken das fürchterliche Schauspiel. Der Leib des Unglücklichen war aufgeschnitten und mit Erde und Steinen gefüllt; an der Stirn klaffte eine breite Wunde, die Kugel schien aber durch die Brust gegangen. Roberts bog sich zur Leiche nieder und untersuchte den Einschuss.
Wie viel Kugeln schiesst Brown's Büchse?" fragte er leise, als ob er sich scheue, den Namen des jungen Mannes vor dem Leichnam auszusprechen.
"Dreissig," flüsterte Harper zurück. Roberts wies schweigend auf das Loch, das die Kugel in die Brust des toten gerissen.
"Haltet Ihr ihn für schuldig?" fragte Harper jetzt, scheu den blick im Kreis umherwendend.
"Schuldig? nein, bei Gott nicht," rief Curtis; "kein Geschworenengericht in ganz Arkansas würde ihn schuldig sprechen, nachdem der da, wie ich von Smit gehört, solche Drohungen gegen ihn ausgestossen. – Ich hätt' ihn auch erschossen. Leid tut mir's, wenn ich den kräftigen Burschen da so liegen sehe, dass er sein Leben auf solche Art vergeudete, wo er ein nützlicher Bürger im staat werden konnte; aber Pest und Tod! wenn solche Gesellen, die dafür bekannt sind, dass sie bei Raufereien und Totschlägen ihr Wort halten, mit klaren Worten sagen, sie wollten irgend Einen, wo sie ihn zuerst wieder träfen, über den Haufen schiessen, so verdienen sie weiter nichts als eine Kugel – das ist meine Meinung. – Nur – das – das Bauchaufschlitzen hätte er können sein lassen – die Aasgeier würden das eben so gut und noch schneller beendet haben; seht nur, wie sie schon in Schaaren herbeikommen. – Diesmal habt ihr euch aber geirrt, d e r Braten mächte euch entzogen werden. Wir müssen doch wohl darüber Meldung machen, oder sollen wir ihn liegen lassen?"
"Nein, auf keinen Fall," sagte Roberts – "das dürfen wir nicht; am besten wird's sein, wir decken ihn hier mit Zweigen zu und melden es dem Friedensrichter; der mag seinen Constabler danach