noch nicht gestürzt, das Pferd hatte einen Sprung gemacht.
"Die Kugel muss das Pferd getroffen haben," meinte Roberts, "sonst wäre der Reiter doch wohl heruntergefallen?"
Assowaum wies schweigend auf einen nahebei stehenden Hickory, an dessen hellgrauer Rinde, wohl acht bis neun Fuss vom Boden, deutliche Blutspuren sichtbar waren.
"Wahrhaftig!" rief Harper entsetzt – "an den Hikkory ist er mit dem Kopf geschlagen – und hier ist auch die Stelle, wo er stürzte."
Der Boden war dort von vielen Fusstritten zerstampft – der Ermordete musste sich augenscheinlich gewehrt haben, und einzelne Zweige zeigten, wo er sich mit letzter, verzweifelter Kraft an sie geklammert und die Blätter abgestreift hatte. Dort war er auf ein Knie niedergesunken, dickes, dunkles Blut bedeckte an dieser Stelle den Boden – und nie wieder aufgestanden. Doch ja, da noch einmal – wo die rote Lebensflut an allen büsche hing und wie aus quellender Ader gegen den Stamm jener Fichte gespritzt war. Das mochte das Aufglimmen des letzten Lebensfunkens gewesen sein. Unter dieser Cypresse hatte er geendet, und hier war auch die Leiche eine Zeit lang liegen geblieben; die Lage, mit dem rücken über die scharfe Wurzel getrümmt, hätte kein Lebender ausgehalten.
Die Männer starrten schweigend und schaudernd auf diese schrecklichen Zeichen des Mordes; denn M o r d war es, ein Kampf hatte nicht stattgefunden, höchstens eine verzweifelte Verteidigung. Der tote war von seinem Pferde herabgeschossen oder gezerrt, und erschlagen.
"kommt!" sagte Assowaum und folgte jetzt der Spur bis zum Ufer des Flusses, vorsichtig dabei im Gehen jede Fussspur untersuchend. "Zwei haben ihn getragen."
"Das fanden wir gestern schon – die Zeichen gehen bis an die Uferbank."
"Hier hat er gelegen, und zwei haben hier gestanden – was ist das? Da ist ein Messer – blutig."
"Ein Federmesser, beim ewigen Gott – mit dem können sie den Menschen doch nicht umgebracht haben?"
"Zeigt mir einmal das Messer," sagte Roberts, die Hand danach ausstreckend – "vielleicht erkenn' ich es –"
Harper bog sich vor, und Beide beschauten es genau, endlich sprach der Erstere kopfschüttelnd:
"Habe das Ding nie gesehen – ist auch noch neu."
Harper erkannte es ebenfalls nicht, auch den übrigen Männern war es fremd.
"Ich will es zu mir nehmen," sagte Roberts endlich – "vielleicht kommen wir dadurch auf eine Spur; doch das Blut wasch' ich ab. Es sieht gar zu schrecklich aus –"
"A-tia," rief Assowaum jetzt und zeigte auf eine frisch aufgegrabene Stelle im Busch, nicht weit von dort entfernt, wo die Leiche gelegen – "was ist das da?"
"Dort haben sie den Körper begraben," rief der Krämer.
"Nein, bewahre," sagte Curtis, der hinzugetreten war, "das Loch ist ja kaum gross genug, ein Opossum darin zu verscharren, viel weniger einen Menschen. – Aber gegraben ist hier und zwar mit einem breiten Messer – doch ist die Erde, die hier herausgenommen wurde, nicht mehr da; wozu können sie nur die Erde gebraucht haben?"
Assowaum betrachtete genau die Stelle zwischen dem Ort, wo die Leiche gelegen hatte, und der kleinen Grube, dann sagte er, sich aufrichtend:
"Wenn sich die Luft in den Kleidern fängt, schwimmt ein Körper manchmal und bleibt an irgend einem vorragenden Busch oder Baum hängen – ist der Körper mit Erde gefüllt, so sinkt er unter."
"Schrecklich! schrecklich!" rief Roberts – "dazu also das kleine Messer – die Leiche aufzuschlitzen. Gentlemen, das ist eine fürchterliche Tat. – Wer mag nur der Unglückliche sein?"
"Die Flut verbirgt das," erwiderte Harper dumpf – "wer weiss, ob es je an den Tage kommt, aber – was macht der Indianer? was willst Du tun, Assowaum?"
"Ein Seil machen und tauchen," sagte dieser, indem er von einem nicht sehr entfernt stehenden kleinen Papaobaum die Rinde abschälte und zusammenknüpfte.
"Tauchen? Nach der Leiche?" fragte Roberts entsetzt.
"Jau e-mau," flüsterte der Indianer, mit der Hand auf das wasser zeigend – "er ist da!" und dabei warf er Jagdhemd, Leggins und Moccasins ab und wollte eben hinunter in das wasser springen.
"Halt!" sagte der Krämer, der indessen diese Vorrichtungen mit grosser Aufmerksamkeit beobachtet hatte und jetzt einsah, was er beabsichtigte – "wenn Ihr das Seil um die Leiche binden wollt, so dauert es zu lange – hier ist ein Fischhaken." Dabei nahm er ein kleines Packet aus der tasche, das alle möglichen Arten von Angelhaken entielt, woraus er einen der grössten dem Indianer reichte.
"Das ist gut," rief dieser freudig, befestigte den Haken schnell an der zähen Papaorinde, schaute noch einmal auf den Ort zurück, wo der Leichnam den Fluten übergeben war, und verschwand im nächsten Augenblick an der Schreckensstelle. – Todtenstille herrschte mehrere Secunden lang – Keiner wagte zu atmen. Die Flut hatte sich schon wieder gänzlich über der darin versunkenen Gestalt des roten Jägers beruhigt, denn der Fluss war hier ziemlich tief, und nur schnell nach einander aufsteigende Luftblasen verrieten die Stelle, wo er sich befand. Da tauchte das schwarze glänzende Haar empor, und gleich darauf hob sich das