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"Ei, meiner Seele eine Kaffeemühle, und da lässt Du mich hier in einem fort stossen!"

"Wenn ich die Augen zuhabe, soll ich doch wohl nicht sehen, was Du machst?"

"Hört einmal, Roberts," sagte Harper jetzt, indem er sich im Bett aufsetzte, "mit Euch zu schlafen ist wahrhaftig eine KunstIhr seid g a r nicht unverschämt."

"Nun, Ihr werdet mir doch wohl die Hälfte vom Bett zugestehen!" murmelte Roberts, noch halb schlaftrunken.

"Allerdings," erwiderte Harper, "aber nicht aus der Mitte heraus, dass ich an beiden Seiten liegen muss, um mein teil zu habendas ist gegen alles Völkerrecht."

"Allons, Boysget up! get up!"1 rief nun der alte Bahrens, der an den Kamin getreten war und die Whiskyflasche hoch empor hielt. "Hier ist ein Magenstärkerwer will sein Bitteres?"

Das tat seine wirkung, Alles sprang auf die Füsse, nur der Yankeekrämer lag noch und schnarchte, als ob im ganzen haus Todtenstille herrsche. Curtis bearbeitete seine Rippen lange vergebens und behauptete zuletzt fluchend, der Bursche sei so lang, dass man ihn nur stückweise wecken könne. Als die Sonne ihre ersten Strahlen durch die feurig erglühenden Baumwipfel sandte, sassen die Männer um den Frühstückstisch herum, während die Mädchen draussen die Pferde fütterten und Schweine und Hühner von den Trögen scheuchten.

"Aber sagt einmal, Bahrens," fragte Roberts während der Mahlzeit, "was wird denn jetzt aus unserer Schweinejagd? Wenn wir dem Mord nachspüren wollen, müssen wir die Schweine laufen lassen, und da wird meine Alte schön brummen."

"Nun, Ihr könnt ja auf ein ander Mal wieder herüberkommen; überdies glaube' ich, dass wir sie ziemlich alle, die natürlich ausgenommen, die von den Bären gefressen sind, etwa zwei Meilen weiter den Fluss hinunter antreffen werden. Ich habe vorgestern eine Menge mit Eurem Zeichen bemerkt, und aproposauch die Sau, die Eurem Vater gehört, Curtis, der der Bär das Stück Fett aus dem Nacken gebissen hat."

"Was, die lebt noch?"

"Ja, und hatte elf allerliebste Ferkel bei sich."

"Den Teufel auch!" – rief Curtis – "hört, Bahrenshaltet reinen Mund darüber. Ich sprach noch vorgestern mit dem Alten über die Sau, und er hält sie für totdie kauf' ich ihm ab, 'wie sie im wald läuft', das heisst, auf Finden und Nichtfinden. Für einen Silberdollar bekomme ich sie und dann treib' ich sie heim."

"Auch nicht übel!" lachte Harper, "jetzt will der seinen eigenen Vater betrügen."

"Das ist doch kein Betrug!" verteidigte ihn der Krämer – "wer auf eine ehrliche Weise einen Dollar verdienen kann, betrügt Niemanden. Sein Vater ist ja nicht verpflichtet, ihm die Sau zu verkaufen."

"Das wäre auch das Letzte, was ein Yankee verdammen würde," sagte Bahrens, der ruhig zugehört hatte. "Aber jetzt fort, Boysdie Sonne ist auf, und wir dürfen keine Zeit weiter verlieren. Ist es wirklich ein Mord, der da verübt ist, so wär's jetzt vielleicht noch möglich, die Täter einzuholen; ich glaube aber noch immer, Ihr habt Euch geirrt. Erstlich bin ich gestern Morgen dort vorbeigeritten, und dann muss Mr. Brown dieselbe Richtung gekommen sein."

"Brown?" fragte Harper schnell – "Brown? wie geriet denn der in diese Gegend? er wollte ja nach Morrisons Bluff hinüber."

"Das sagte er auch, und wenn er gerades Weges vom Fourche la fave kam, so war das freilich hier ein Umweg. – Doch fortfort. Mittags können wir wahrscheinlich wieder zu haus sein."

Die Jäger nahmen jetzt von den Frauen Abschied, ritten durch die untere Furt, wobei sich Assowaum hinter Harper aufsetzte, um zuerst durch das wasser und dann auch schneller vom Flecke zu kommen, und fort ging's in scharfem Trabe der Stelle zu, wo sie gestern die verdächtigen Zeichen gefunden hatten.

"Halt! Dort ist der Platz!" rief der Indianer, indem er vom Pferde sprang, "wir dürfen nicht weiter reiten, damit wir den Boden nicht mehr zerstampfen, als nötig ist."

Die Reiter stiegen schnell ab und befestigten die Pferde an niederhängenden schwankenden Weinreben, dass sie die Zügel nicht zerreissen konnten, Assowaum aber schritt voran und hielt an der Spur, die dem weichen Boden eingedrückt war. Er bog sich aufmerksam dazu nieder und untersuchte genau jedes verkehrt liegende Blatt, jeden Grashalm, stand dann wieder auf und schritt leichten Ganges neben den Spuren bis dortin, wo das erste Blut sichtbar wurde. Kaum hatte er aber seine Augen hier umhergeworfen, als er ein lautes, tiefes "Wah!" ausstiess, das schnell die Jäger um ihn sammelte. Er wies auf die Umgebung, und die Greueltat liess sich nicht mehr verkennen.

Der Platz lag gerade am fuss einer umgestürzten Fichte, aus deren Wurzelhöhlung ein dichtes Gewirr von Brombeersträuchen und dornigen Schlingpflanzen aufgewachsen war. Ein Pferd hatte dieses kleine Dickicht umgehen wollen, die Hufspuren führten halb darum herum, als irgend etwas, wahrscheinlich das mörderische Blei, den Reiter aufgehalten haben musste. Dort lag das erste Blut; aber der Unglückliche war