drei Mädchen die Ehe versprochen. kommt auch in Philadelphia zu einem Quäker, und das ist sonderbarer Weise gerade der Bruder des einen Mädchens. Der erkennt ihn, ist aber ganz freundlich und lädt ihn ein, bei ihm zu Tische zu bleiben; doch nach dem Essen steht er auf, schützt einige Geschäfte vor und verlässt das Haus, um die Constabler zu holen und meinen Bruder einstecken zu lassen. Was meint Ihr aber, was er fand, als er wieder nach haus kam?"
"Nun, er hatte sich wahrscheinlich aus dem Staube gemacht –"
"Ja – aber nicht allein, er war mit des Quäkers Frau durchgegangen."
"Ne, kann der Mensch lügen!" flüsterte Bahrens heimlich Curtis zu, der neben ihm stand.
"Also zu Bette jetzt – wo werden wir denn schlafen, Bahrens?"
"Ja, das müssen wir einteilen. drei Betten sind nur da, eins müssen die Mädchen behalten, eins ich und meine Alte, und das dritte sollte dann wohl den Aeltesten bleiben, also Roberts und Mr. Harper – Mr. Harper wird nach all' den Geschichten recht gut schlafen – und die anderen drei Gentlemen, Curtis, Mr. Hartford und Assowaum, nun für die finden sich Felle genug. So, das ist brav, Betsy – mach' ihnen das Lager zurecht, und morgen brechen wir mit dem Frühesten auf."
Assowaum, der den ganzen Abend keine Silbe gesprochen, sich bei den Erzählungen der beiden Männer aber sehr amüsiert zu haben schien und dem Whisky später keineswegs unbedeutend zusprach, rollte sich jetzt ebenfalls in seine Decke. Als er aber nach dem platz, wo er sich niederlegen wollte, hinschritt und dicht an der Kaminecke, nahe beim Feuer vorbeikam, stolperte er und wäre beinahe gefallen.
"Hallo, Indianer!" lachte Harper – "hast Du zu viel Whisky im kopf? das ist nicht gut."
"Ist nicht gut, von irgend etwas zu viel," sagte der "befiederte Pfeil", indem er sich lang ausstreckte und einen dort liegenden Klotz unter seinen Kopf schob – "zu viel Whisky aber ist gerade genug;" und mit dieser ächt philosophischen Bemerkung legte er sich auf die Seite und war auch schon in wenigen Minuten eingeschlafen.
"Gebt Ihr irgend einer besonderen Stelle des Bettes den Vorzug, Roberts?" fragte Harper, als sie sich entkleidet hatten.
"Nein," sagte dieser in aller Unschuld.
"Nun, dann mögt Ihr Euch d r u n t e r legen," meinte Harper lachend, indem er unter die darauf gebreiteten gegerbten Hirschhäute kroch.
Roberts schien aber doch mit d e r Stelle nicht ganz einverstanden, denn er lag bald an Harper's Seite, und in kurzer Zeit ward weiter nichts als das leise Knistern des Feuers und das tiefe, regelmässige Atmen der Schlafenden gehört.
Die Nacht ging ruhig und ungestört vorüber; einmal ausgenommen, als Curtis aufsprang und mit wildem Fluchen sämtliche Hunde hinaustrieb. Diese hatten sich nämlich, einer nach dem andern, hereingeschlichen und sich auf und neben die am Boden ausgestreckten Jäger gelagert.
Fussnoten
1 Auswüchse von der Wurzel der Cypressenbäume, die oben wie ein Knie abgerundet erscheinen und oft zehn bis zwölf Fuss hoch werden, wenn sie aber niedrig sind, das Reiten in den Sümpfen besonders erschweren. Sie werden Cypressen-Knie genannt. 2 "Boys", Knaben, die gewöhnliche freundliche Anrede, etwa wie "meine Burschen". 3 Ein in den westlichen Wäldern sehr beliebtes Getränk, aus Whisky, heissem wasser, Gewürz, Zucker und Butter bestehend.
8.
Der Morgen in der Blockhütte. – Das Aufsuchen der am vorigen Abend gefundenen Blutspuren. –
Assowaum taucht nach der Leiche.
Auf den dichtbelaubten Pfirsichbäumen, die das Blockhaus umstanden, krähten die Hähne und verkündeten den nahenden Morgen, draussen im wald antworteten die wilden Welschhühner, und im Osten begannen die freundlichen Sterne ein klein wenig zu erbleichen. Da erhoben sich in der Hütte die drei Frauen, Mrs. Bahrens mit ihren beiden Töchtern, vom Lager, um sich in dem raum, den sie mit so vielen Fremden teilen mussten, anzukleiden, ehe es heller wurde. Vorsichtig schritten sie dann über die am Feuer Lagernden hinweg und bliesen die verglimmenden Kohlen wieder zu lebendigerer Glut an. Bald loderte auch, von hellflackernden Kienspänen genährt, eine wärmende Flamme empor, die grosse blecherne Kaffeekanne wurde auf hervorgezogene Kohlen gestellt, und schnell angerührter Brodteig flach geschlagen und auf eiserne Deckel vor die Glut gelehnt.
"Ich hab' es dem Vater nun wohl fünfzigmal gesagt," brummte die Frau, als sie die gebrannten Kaffeebohnen in einen Blechbecher tat und vor sich, auf stiess – "er sollte mir von Morrisons Bluff oder Little Rock eine Kaffeemühle mitbringen, aber nein – Gott bewahre. An seine Jagdgerätschaften denkt er, doch wenn's einmal etwas für mich ist, da kann ich's wer weiss wie viele Male sagen. – Gestern war er wieder drüben im Laden; den Whiskykrug – den vergass er nicht, oh nein – aber die Kaffeemühle –"
"Brumme nicht, Alte!" – rief Bahrens aus dem Bette herüber – "nicht raisoniren!" –
"Ach, es ist wahr –"
"Nein, es ist n i c h t wahr – greif einmal dort in die Ecke, wo der Salzgum steht – mehr rechts – so – wie heisst das Ding?