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Harper, "fällt mir ein, wie ich's neulich mit einer Eule machte. Die Canaille hatte mir drei Nächte hintereinander jede Nacht ein Huhn fortgeholt, und ich war immer vergebens hinausgeschlichen. Endlich, am vierten Tage, kommt sie Morgens früh, es regnete ein wenig, an's Haus geflogen. Ich merkt' es gleich an den Hühnern, die flatterten so sonderbar hin und her. Schnell griff ich nach der Büchse und lief hinaus, fand auch bald, dass die Eule in einem kleinen, dichtbelaubten Hickory sitze, ich konnte aber nur den Kopf von ihr sehen, und da ich sie nicht gleich todtschiessen, sondern den Hunden auch noch einen Spass lassen wollte, so ging ich im Kreise herum, um eine passende Stelle zum Schiessen auszusuchen. – Ueberall fassen aber die Blätter gleich dicht, und die Eule guckte mich indessen mit ihren grossen, rollenden Glotzaugen fest an. Dreimal war ich auf die Art, mit der Büchse im Anschlag, um den Baum herumgegangen, als auf einmal etwas in den Zweigen raschelte und die Eule herunterkam. Hol' mich der Böse, wenn sie sich nicht dadurch, dass sie mich immer im Auge behielt, ganz in Gedanken den Kopf abgedreht hatte."

"Das ist keine Kunst!" rief Bahrens, der nicht daran dachte, die Wahrheit der Erzählung zu bezweifeln; "wie ich noch ein junger Bursche war, konnte' ich's mit jedem Trutahn im Rennen aufnehmen, und wenn er zu fliegen anfing und stieg nicht zu hoch, so hatte' ich ihn gewiss."

"Was das Laufen anbetrifft," meinte Harper, "so hätt' ich gewünscht, dass Sie meinen Bruder gesehen hätten, wenn er hinter Rebhühnern her war!"

"Sie wollen uns doch wohl nicht etwa hier erzählen, dass er Rebhühner im Fliegen gefangen hätte!" rief Bahrens erschrocken aufspringend.

"Nein," sagte Harper, "das nicht, aber verdammt will ich sein, wenn er ihnen nicht bei jedem Sprunge eine Hand voll Federn aus dem Schwanze riss."

"Gentlemen, hier kommt der Stew! Gott segne es, BetsySie haben ihn stark gemacht!" rief Roberts – "nein, ich danke, kein wasser mehr drunter, das nimmt ihm den würzigen Geruch, es muss mit gekocht werden. Aber, Bahrens, Ihr hattet wahrhaftig Rechtdas Bärenfett schmeckt ausgezeichnet; so etwas Mildes und doch so feurig!"

Das Gespräch wurde jetzt für einen Augenblick unterbrochen und die Männer gaben sich ganz dem Genuss des Getränkes hin. Endlich brach Curtis das feierliche Schweigen und sagte schmunzelnd:

"Mrs. Roberts und Mr. Rowson sollten nur den gestrengen Herrn Roberts hier sitzen sehen und WhiskyStew trinken, die würden schöne Gesichter schneiden."

Roberts, der schon beim dritten Glase war und anfing warm zu werden, setzte ab und rief aus:

"Mr. Rowson mag zuGrase gehen. – Das weiss i c h , dass er m i r in Nichts hineinschwatzen soll, was mich angeht! – Mit meiner Frau und Tochter mag er's machen, wie er will, oderwie d i e wollen vielmehr."

"Ich glaube, d i e wollen ziemlich, wie e r will," sagte Curtis.

"Leider Gottesder glatte, geschmeidige Schleicher ist mir von je ein Dorn im Auge gewesenschimpft immer auf die Römischkatolischenhol's der Henker, wenn ich glaube, dass er um eine Prise Schnupftabak besser ist!"

"Der Rowson ist wohl höllisch in das Mädchen, in Eure Tochter, verschossen?" fragte Curtis.

"Nun natürlichin vier Wochen wollen sie zum Friedensrichter und halbpart machenmir recht!"

"Hört, Roberts, ich war auch einmal unmenschlich verliebt," sagte Bahrens schmunzelnd – "es war ein Mädchen aus der Stadtaus St.-Louis. Ich handelte damals mit den Osagen oben, nach dem Missouriund Yellowstonefluss hinauf, und lagerte etwa drei Meilen westlich von der Stadt. Wollt Ihr's wohl glauben? Alle drei Tage bekam ich einen grossen Brief, in dem gewiss von lauter Liebe und Treue geschrieben stand. Nur schade, dass ich es selbst nicht lesen konnte, und die Indianer, mit denen ich zusammen lebte, wussten an einem Briefe ebenfalls nicht das Inwendige vom Auswendigen zu unterscheiden. Eine Liebesglut muss aber in den Dingern gesteckt haben, das war fürchterlichich band sie zusammen und schob sie, als ich fortging, in einen ledernen Beutel, und wie ich nach haus kam und machte ihn wieder auf, hatte' ich weiter nichts als Asche drin."

"Aber, Leute, ich dächte, wir gingen zu Bett!" rief der Krämer gähnend, "morgen früh müssen wir doch mit der ersten Dämmerung aufbrechen, und mir ist's fast, als ob ich müde würde."

"Ja – 's wird spät," sagte Roberts, der in die Tür getreten war und nach den Sternen sah – "es muss schon zehn Uhr vorbei sein."

"Nur noch einen Augenblick!" wandte Harper mit schon etwas schwerer Zunge ein; "da wir gerade von Liebe sprechen, so fällt mir da eine geschichte von meinem Bruder ein, wie er noch ein junger Bursche war. – Den hättet Ihr kennen sollenein verfluchter Kerl; achtzehn Jahre alt, und schon