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"unsere sind auch hungrig; wo habt Ihr denn das Schweinefleisch? wir wollen's den Tieren geben, für Menschen ist es doch nicht geniessbar."

"Mein gutes Fleisch?"

"Ih, geht zum Teufel mit Eurem Fleischeich dachte, Ihr könntet so viele Hirsche schiessen?" –

"Ja, aber mein Bein!"

"Jetzt kommt er wieder mit seinem Bein, göttlicher Kerl! Aber, Harper, Ihr sitzt ja so stumm da und sagt gar keine Silbe; Ihr denkt wohl an den Mord?"

"Ja! aufrichtig gesagt, kann ich die Blutflecke nicht aus dem Gedächtniss bringen. Es sah zu schauerlich aus!"

"Schauerlich, Mr. Harper? da hätten Sie einmal sollen im vorigen Jahre am Cashriver wohnen," erwiderte Bahrens; – "verdammt will ich sein, wenn nicht dort alle Tage zwei oder drei Leichen vorbeigeschwommen kamenund was für Leichen! manche ohne Kopf."

"Wo kamen aber die Menschen alle her?" fragte Harper halb erschreckt und halb ungläubig, "ich dachte, es wäre eine so menschenleere Gegend gewesen?"

"Die Menschen? nun, da sollt' ich mich doch wohl nicht drum kümmern? und was ging das mich an?"

"Haltspart Eure gespräche bis nach Tische auf," sagte Roberts lachend, "lasst uns vor allen Dingen nach den Pferden sehen, nachher schmeckt auch das Essen besser."

Dem Rate wurde augenblicklich Folge geleistet, als sie aber von den Futtertrögen zurückkehrten, rief die Frau schon zum Abendbrot, und bald sassen die Männer auf umgestülpten Fässern, hingerückten Kästen, Klötzen und rohgearbeiteten Sesseln um den schmalen Tisch herum, auf dem eine mächtige Schüssel voll gebratener Bärenrippen und in dünne Stücke geschnittenen Fleisches den Mittelpunkt bildete, während Maisbrod, eingekochter Kürbis, etwas Honig und Milch die übrigen Bestandteile des Mahles ausmachten. Die Whiskyflasche ging indessen im Kreise herum, und wenn auch kein Wort weiter gesprochen wurde, bewiesen doch die klappernden Messer und die überall sichtbar werdenden, blank abgenagten Rippen, wie den Hungrigen die delicate Mahlzeit schmeckte.

Als sie geendet, standen sie einzeln, wie sie zuerst fertig wurden, vom Tische auf, und die Frauen, die sich wohlweislich einige Stücke aufbewahrt hatten, nahmen, ohne es der Mühe wert zu halten, die fetten Teller mit reinen zu vertauschen, die leergewordenen Sitze ein.

Die alte Madame Bahrens, etwa in den Vierzigen, zeigte noch Spuren früherer nicht unbedeutender Schönheit, ihre schlanke Gestalt war aber von einem keineswegs saubern baumwollenen, einst weiss gewesenen Kleide umhüllt, ihre schönen, braunen Haare hatte sie ziemlich nachlässig um den Kopf herumgesteckt, und ihre grossen, dunkeln Augen verloren viel von ihrem Glanze durch die keineswegs brillante Fassung des etwas rauh und schmutzig aussehenden Gesichts. Die Töchter trugen sich schon besser und reinlicher, aber auch i h r Teint würde durch etwas warmes Seifenwasser nur gewonnen haben.

Als das Essen oder vielmehr das Geschirr abgeräumt war, denn das Essen verschwand spurlos, schob Bahrens den Tisch ein wenig zurück, dass die verschiedenartigen Sitze wieder in einen Halbkreis um den Kamin gerückt werden konnten, und rief dann fröhlich aus:

"Nun, Gentlemen, kommt das Besteder Stew3."

"Du hast ja keine Butter!" sagte seine Frau.

"Alle Wetter, das ist wahraber hallowas brauchen wir Butter, wir haben ja BärenfettWhisky und Bärenfett wird sich noch viel besser miteinander vertragenGentlemen, dies ist das Land, um drinne zu lebenes geht nichts über Arkansas!"

"Ih nun, Mr. Bahrens," meinte Harper, der, als er die Vorbereitungen zu seinem Lieblingsgetränk bemerkte, aufzutauen begann, "ih nun, ich weiss doch nicht; – Missouri ist auch nicht zu verachten, ich habe lange dort gelebt, und –"

"Missouri?" rief Bahrens verwundert – "Missouri? da sei uns Gott gnädig; und das vergleichen Sie mit Arkansas?"

"Nun, es grenzt doch dicht genug daran?"

"Grenzen? Es ist gerade so, als ob der liebe Gott den Finger genommen und einen Strich zwischen den beiden Staaten durchgezogen hätte, dass der eine fruchtbar und der andere unfruchtbar werden sollteMissouri! – na, nu hört Alles auf; wie lange sind Sie denn eigentlich schon in Arkansas?"

"etwa sechs Wochen."

"Ach, dann ist es etwas Anderes, dann wissen Sie's noch nicht besser; Herr, hier ist das Land so fett, dass wir, wenn wir Lichter giessen wollen, den Docht nur in die Pfützen tauchenes brennt eben so gut. – Wenn ein Mann in Arkansas sein Feld mit Fleiss und Aufmerksamkeit bestellt, so kann er darauf rechnen, hundert Bushel vom Acker zu ernten."

"Das wäre viel!"

"Viel? das ist gar nichtswenn er sich k e i n e Mühe mit dem Land gibt und den Mais nur so roh aufwachsen lässt, so bleiben ihm immer noch fünfundsiebzig Bushel gewiss; und wenn er g a r nicht pflanzt, soso wachsen doch noch fünfzigdas Land ist nicht tot zu machen!"

Harper rückte ein wenig auf dem Kasten herum, auf dem er sass, und Roberts und Curtis warfen sich verstohlene Blicke zu.

"Und was noch ein Vorteil ist," sagte Bahrens, "wir brauchen immer erst