1846_Gerstcker_144_38.txt

gestern."

"Bahrens, hier muss wahrhaftig ein Aas in der Nähe liegen!" rief Roberts, nachdem die ersten Begrüssungen vorüber waren – "es riecht meiner Seel' nach faulem Fleische."

"Faulem Fleische?" lachte Bahrens, "Ihr habt gute Nasenhier in der Nähe liegt nichtsdie Canaillen, die Aasgeier, kommen immer, wenn man schlachtet –"

"Schlachtet?" fragte Curtis entsetzt – "das, was Ihr geschlachtet habt, riecht so? Was hast D u denn, Assowaum? der Bursche zieht ja ein Gesicht, als ob er lachen wollte."

"Mister Bahrens hat ein kleines Schwein geschlachtet," – sagte der Indianer, und es war augenscheinlich, wie sehr es ihn ergötzte – "die Bussards sind aber dumme Tiere; das Schwein ist erst vor acht Tagen umgebracht, und heute kommen sie schon!"

"Und das sollen wir essen?" rief Roberts lachend – "wo sind denn die Hirsche?"

"Welche Hirsche?"

"Nun, die, die Ihr alle Tage schiesst, wie Ihr es neulich erzähltet."

"Oh, ich habe mir den Fuss verstaucht und seit drei Tagen nicht auf die Jagd gehen können."

"Bahrenshier ist ein Freund von mir, Mr. Harpereiner meiner Nachbarn, der gern Eure Bekanntschaft machen wollteHarperMr. Bahrens, der Mann, von dem ich Euch so viel erzählt habeich denke, Ihr werdet wohl Freunde werden." – Die Männer schüttelten einander die Hand, und Bahrens schwur, er wolle verdammt sein, wenn Harper nicht ein merkwürdig gutmütiges Gesicht hätte.

"Aber, Bahrens," unterbrach ihn Curtis jetzt, "morgen früh müssen wir mit Tagesanbruch zu der kleinen Slew hinauf. Dort, wo die drei dürren Cypressen stehen, ist ein Mord verübt; es sieht wenigstens ganz danach aus."

"Ein Mord? das wäre schrecklich!"

"Es kann fast nicht anders sein; – wir fanden die Spuren zu deutlich, doch hatten wir keine Zeit, die Sache näher zu untersuchen. Es ist übrigens gar nicht weit von hier, und morgen früh lässt sich's leicht ermitteln. Die Täter zu verfolgen, wäre heute doch unmöglich."

"Alle Wetter, das ist wunderbar!" rief Bahrens, "ich bin erst heute Morgen da vorbeigekommen und habe gar nichts gemerkt!"

"Ich dachte, Ihr hättet Euch ein Bein verstaucht?" lachte Curtis.

"Nun javor drei TagenHolzkopf! – Glaubt Ihr, dass ich deshalb mein Lebenlang hinken müsste? – Aber kommt herein, Boys, der Nebel fällt merkwürdig feucht heute Abend, und am Kamin sitzt sich's behaglicher."

"Nein, altes Haus!" sagte Roberts, ihm auf die Schulter klopfend, "wenn Du so schlecht mit Provisionen beschlagen bist, so wollen wir u n s e r n Vorrat anschaffen; Assowaum, lass uns den Bären haben. Jetzt dürfen wir nicht länger mehr damit hinter dem Zaun halten, sonst müssen wir dafür hungern. Ueberdies wird es dunkel."

Zu Bahrens' freundigem Erstaunen kam der Indianer auch bald mit dem fetten Braten angeschwemmt. Durch die vereinten Bemühungen der Männer schleppten sie ihn aus dem wasser vor das Haus hinauf, und in kurzer Zeit wurden den Frauen einige der besten Stücke zur Bereitung übergeben.

"Guten Abend, Mrs. Bahrens," sagte Roberts, in das Haus tretend und diese begrüssend, "wie geht's? lange nicht gesehen; immer noch munter?"

"Muss ja wohlMr. Roberts," erwiderte ihm die Frau freundlich, das grosse Kattunbonnet, das sie beim Kochen trug, um die Hitze von den Augen abzuhalten, aus dem Gesicht zurückschiebend. "Das ist recht, dass Sie uns besuchen, nächstens komm' ich auch einmal zu Ihnen hinüber. Mein Alter ist aber gar nicht von zu haus fortzubringen."

"Meine Alte hat Sie und die Töchter schon lange erwartet, Mrs. Bahrens," erwiderte Roberts, ihr die dargebotene Hand schüttelnd, "wie geht's den Mädchen hier im Buscheh? Sind aber das einsame Leben schon gewohnt, denn in den Cashsümpfen war's wohl auch nicht lebhafter. Schreckliches Land, die Cashsümpfe, als ich das letzte Mal dort war und bei Strongs vorbeiritt. – Sie kennen doch Strong, der die grosse Farm besitzt? Hat sich dort wahrhaftig an der besten Stelle niedergelassen und wird –"

"Halt ihn auf! – um Gottes willen halt ihn auf!" schrie Bahrens jubelnd, – "da geht er wieder hin mit verhängten Zügeln; wenn man ihn gehen lässt, ist er in fünf Minuten beim Revolutionskrieg. Gott sei uns gnädig, Roberts, mit Euch ist gar kein vernünftiges Wort mehr zu sprechen. – Aber, Kinder, dass Ihr so trefflich für Provisionen gesorgt habt, verdient eine Belohnung; hier, Lucyreich' einmal die Kruke unter dem Bett vornimm Dich in Acht, Blitzmädel, wenn Du sie zerbrichst, sei Dir Gott gnädig! Jetzt, Boys, wollen wir einen fidelen Abend feiern, Bärenfleisch und Whiskyhuh p i h !" und der alte Mann stiess seinen Jagdschrei aus, dass die Hunde draussen unruhig wurden und zu heulen anfingen.

"Bahrens, die Bestien beissen sich draussen," sagte Curtis endlich