sein Pferd musste mit ihm an's andere Ufer schwimmen.
"Verdamm' Eure schwarze Seele," rief er hier, wirklich ärgerlich aus, als er erst festen Boden erreicht hatte, "was zum Teufel jagt Ihr Einen denn mit Euren verdammten Lügen in's wasser – he – ist das k n i e t i e f ?"
"Nun, versteht sich," lachte Bahrens – "seht Ihr dort nicht das Cypressenknie1 in der Mitte vom Flusse? Dem geht's noch nicht einmal an den obern Rand – 's ist freilich sieben Fuss hoch –"
Roberts hatte augenblicklich gehalten, als er Curtis so Hals über Kopf in die Flut eintauchen sah, und dieser rief ihm jetzt vom andern Ufer zu:
"Reitet noch ein Stückchen den Fluss hinunter, Roberts – dort, wo Ihr den Kies seht, da werdet Ihr trokken durchkönnen."
"Wenn Ihr den Weg so merkwürdig gut wisst," lachte Bahrens, "warum seid Ihr denn nicht selbst weiter hinunter geritten?"
"Weil ich Narr genug war, Euch auch nur ein Wort zu glauben," erwiderte ihm dieser, galoppirte die steile Uferbank hinauf, sprang vom Pferd und schüttelte dem Alten die Hand, der ihn herzlich willkommen hiess.
Bahrens war einer von den ächten Pionieren oder Squattern des Westens. Vor fünf Jahren etwa hatte er sich in Poinsett County, in den fürchterlichsten Sümpfen und zwanzig Meilen von jeder menschlichen wohnung entfernt, niedergelassen. Dort hatte er auch eine Zeit lang höchst zufrieden von der Jagd gelebt. Dann aber war etwas vorgefallen, von dem er nicht gern sprach und das er "Familienverhältnisse" nannte, was ihn zwang, jene Gegend zu verlassen. Die Bewohner des Fourche la fave munkelten zwar etwas von Pferdefleischliebhaberei, das war aber grundlos. Erstlich kannten sie die Gegend nicht, denn was sich nach seiner Hütte zu verlief, war ohnedies wild geworden und der Büchse des Jägers verfallen, und zweitens hatte sich Bahrens stets als ein ehrlicher Mann bewiesen, und keiner seiner "Nachbarn" konnte ihm etwas Böses nachsagen. Dass er manchmal die "Wahrheit ein wenig zerhackte," wie sich Roberts ausdrückte, wurde freilich von den meisten seiner Bekannten bestätigt, er selbst aber leugnete auch dies hartnäckig und war stets bereit, jede seiner Geschichten zu beschwören, nur – wetten wollte er nicht darauf, obgleich er sich sonst nie lange zu einer Wette bitten liess. Hauptsächlich trieb er Viehzucht und bebaute nur ein sehr kleines Stück Land, etwa fünf Akker, um Mais für sich und die Seinen zu ziehen; auch hatte er mehrere Pferde, doch nicht viele. Er meinte, die Luft in Arkansas sage den Pferden nicht zu. Seine Familie bestand aus seiner Frau, zwei Töchtern und einem Sohn, der aber nicht bei den Eltern lebte, sondern vor zwei Jahren fortgewandert war und natürlich, da er weder schreiben noch lesen konnte, nichts weiter von sich hatte hören lassen.
Das Haus selbst war eine der im Westen Amerika gebräuchlichen Blockhütten, aus rohen, unbehauenen Stämmen aufgeführt, deren Dach – grobgespaltene, kurze Bretter – durch schwere Stangen, sogenannte weight-poles, festgehalten wurde. Dem aus rohem Lehm und Balken aufgeführten Schornstein entstieg ein dünner blauer Rauch, und Bahrens war eben damit beschäftigt, Feuerholz für den Abend zu hakken, um eine freundliche Flamme im Kamin zu unterhalten. Nur eine kleine niedere Fenz hielt eine Masse von jungen Ferkeln ab, die friedliche Einsamkeit der wohnung zu stören, und quietschend und grunzend umrannten sie die hindernde Einfriedigung, als ob sie das gewöhnliche Abendbrot, ein paar Maiskolben, erwarteten. In einer kleinen Einzäunung dicht daneben melkte die älteste Tochter, ein hübsches, schwarzäugiges Mädchen, eine grosse weisse Kuh, während die jüngere ein kleines Kalb an einem Stricke zurückhielt, dass es die Schwester nicht in ihrer Arbeit stören und warten sollte, bis die Reihe an es selbst käme. Neben dem haus aber, auf den gewaltigen, durch die Axt des Farmers getödteten Stämmen, die noch in dem nur urbargemachten feld standen, sassen eine Unmasse Aasgeier, als ob sie entweder von ihrem Raube verscheucht wären, oder diesen nur verlassen hätten, um mit dem nächsten Morgen ihr ekles Mahl wieder zu beginnen.
Die drei Jäger ritten jetzt ebenfalls zum haus hin und Roberts rief dem Alten schon von Weitem zu:
"Ich hab' Euch doch wohl Unrecht getan, Bahrens. Wir glaubten, wir würden Euch ohne Fleisch antreffen, die Aasgeier da oben zeigen aber, dass irgend 'was vorhanden sein muss, wenn nicht etwa eine Kuh gefallen wäre."
"Guten Abend, Boys2, guten Abend – recht so, dass Ihr den alten Bahrens auch einmal aufsucht. – Kuh gefallen? Roberts, kein Fleisch in meinem haus? Da kennt Ihr den alten Bahrens schlecht. Wie ich noch am Cashriver wohnte, konnte ich täglich, heisst das im Durchschnitt, zwischen acht- und neunhundert Pfund Fleisch erlegen – Curtis weiss es, nicht wahr, Curtis?"
"Ja gewiss," lachte dieser – "zahmes!"
"Zahmes? – wilde Tiere, Büffel und wildgewordenes Rindvieh natürlich eingerechnet; aber steigt ab, steigt ab, macht's Euch bequem. – Betsy, wirf den Tieren einmal jedem einen Arm voll Mais in den Trog – hörst Du – bleib aber bei ihnen stehen, bis sie fertig sind, und wehre die Schweine ab, dass die Bestien den Trog nicht wieder umwerfen, wie