anhören müssen, das ist sicher; also vorwärts!"
"Aber so seht nur, wie sonderbar sich der Hund beträgt," sagte Harper – "Poppy – schämst du dich denn nicht? das ist ja ein Geheul zum Rasendwerden."
Poppy schien aber diesmal wirklich gar nicht auf seinen Herrn zu achten, sondern beschnupperte nur von Zeit zu Zeit die Schweissflecken und fing dann wieder so jämmerlich an zu heulen, dass sich die von der nutzlosen Hirschjagd zurückkehrenden Hounds um ihn sammelten und, ebenfalls die Schnauzen emporhebend, in das schauerliche Klagelied mit einstimmten.
"Gentlemen!" rief Roberts, plötzlich stehen bleibend, indem er seinen Hund scharf ansah – "hier ist etwas nicht in Ordnung – Poppy ist ein zu gescheidtes Tier, um unnütz solche Gefühle zu verraten; – mit dem Schweiss dort ist's nicht richtig – das ist kein Schweiss, das ist M e n s c h e n b l u t !"
"Den Teufel auch!" sagte Curtis und sah ängstlich den gefährten an.
"Lasst uns der Fährte bis zum Flusse folgen," fuhr Roberts fort, "dort werden wir Aufklärung erhalten, oder wenigstens den Platz verbrechen können, auf dem wir morgen früh im stand sind, die Untersuchung zu erneuern. Hier geht die Spur – deutlich genug – alle kleineren Büsche sind niedergetreten, der Körper muss schwer gewesen sein. – Bei einem Stück wild wären die Träger auch vorn und hinten gegangen, also in einer Reihe, und hier sind die Spuren auf beiden Seiten der Last."
"Mir graust's, wenn ich das Blut ansehe," sagte der Krämer und wandte sich schaudernd ab.
"Das kommt davon, weil Ihr noch nicht lange in Arkansas seid," meinte Curtis; "lebt Ihr erst einmal, wie ich, Eure zehn Jahre im staat, denn werdet Ihr gleichgültig gegen derartige Sachen. Ich habe manche Leiche gesehen, seit ich hier bin, manchen Ermordeten mit begraben helfen – man gewöhnt sich wirklich dran. Nur einmal – einmal war mir's doch bald zu viel –"
"Jetzt hört auf mit Eurer geschichte," rief Roberts unwillig, "wir haben hier Schreckliches genug vor Augen, als dass Ihr noch mit Eurer grossen 'Leichenschau' herauszurücken hättet – lasst die toten ruhen."
"Die geschichte müsst Ihr mir erzählen," rief der Krämer, "ich höre so etwas für mein Leben gern –"
"Ein ander Mal," erwiderte Curtis – "aber dort ist der Fluss, nun werden wir wohl finden, was wir suchen."
"Hier haben sie ihre Last abgelegt," sagte Roberts, auf einen etwas niedergedrückten Platz deutend – "Hirsch oder Mensch, von da aus muss er in den Fluss geschafft sein."
Curtis kniete neben die Stelle hin und bog sein Gesicht tief hinunter, aufmerksam den geringsten Eindruck im weichen Boden untersuchend, plötzlich sprang er auf und rief:
"Es war ein Mensch – da – da ist der Eindruck eines Knopfes in der weissen Ufererde. – Ihr könnt es deutlich erkennen – dort – gleich neben dem schwarzen Blutstreifen – vor dem gelben Blatte da –"
"Ja wahrhaftig," sagte Roberts, der die Stelle ebenfalls betrachtet hatte – "es war ein Mensch – hier ist auch die Stelle, wo seine Hand gelegen hat, da ist das Zeichen des Fingernagels noch ganz deutlich. Gentlemen, hier ist ein Mord verübt – das unterliegt keinem Zweifel mehr, und morgen müssen wir hierher zurückkommen, die Sache genauer zu untersuchen – heute ist's zu spät. Bleiben wir noch zehn Minuten länger im Rohrbruch, so sind wir gezwungen, die Nacht hier zu campiren, denn im Dunkeln wär's unmöglich, durch das Dickicht zu dringen. Morgen aber mit Tagesanbruch wollen wir sehen, ob wir nicht das Opfer oder den Täter ermitteln können. Jetzt fort von hier; mir graust's an der Stelle."
Die Männer bedurften weiter keiner Aufforderung, den Platz zu verlassen. Schweigend hieben sie sich mit ihren breiten Jagdmessern Bahn durch das Rohr, erreichten bei schon einbrechender Dämmerung ihre Pferde wieder, schwangen sich in die Sättel, trabten, den ziemlich offenen Wald zwischen dem Rohr und der dicht mit büsche bewachsenen Bergreihe benutzend, scharf weiter und erreichten noch vor völliger Dunkelheit die Fuhrt des Petite-Jeanne, an dessen anderem Ufer die kleine Hütte des alten Bahrens stand, der den nicht gerade ehrenhaften Beinamen "LügenBahrens" in der Nachbarschaft trug.
Fussnoten
1 Greenbriars, eine dornige Schlingpflanze: das schlimmste Hinderniss in den nordamerikanischen Waldungen für den Jäger. 2 Brake. 3 Fliessendes Sumpfwasser; in den Riederungen eine Art kleiner trüber Bäche.
7.
Zwei ächte Backwoodsmen. – Bahren's und
Harper's Erzählungen.
Der Alte stand vor der Tür und blickte, augenscheinlich die Jäger erwartend, nach der Stelle hinüber, auf der sie aus dem wald treten mussten. Neben ihm kauerte Assowaum und zog seine Moccasins wieder an, die er bei der Wasserpartie abgelegt und neben der Büchse festgebunden hatte.
"Hallo da drüben," schrie Roberts, "ist die Furt seicht genug?"
"Ay, ay!" war die Antwort – "knietief."
Die Männer hielten die Versicherung für genügend und trieben die Pferde gerade die Bank hinunter und in den Fluss. Curtis aber, der voranritt, wäre der Spass beinahe übel bekommen, denn er sank augenblicklich unter und