auf das Dach flatterte und, höchst verwundert den Kopf wendend, auf die Lärmenden niederblickte.
Das Frühstück stand bereit – heisser Kaffee mit guter Sahne und braunem Zucker, gebratener Speck und Bärenrippen – etwas Hirschfleisch, saure Gurken, Honig und Butter. Die Männer liessen sich auch nicht lange nötigen, und bald verrieten die geleerten Schüsseln, wie gut es ihnen geschmeckt hatte. Jeder hing dann seine Kugeltasche um, nahm die Büchse und bestieg sein vor der Tür harrende, oder vom Neger gehaltene Pferd; Harper nur trat noch, ehe er den Uebrigen folgte, zu Marion hin, die sinnend am Kamin sass, und drückte schweigend ihre Hand. Das Jungfrau blickte erschrocken zu ihm auf, als sie aber seinem blick begegnete, las sie in diesem den Abschiedsgruss des Geliebten, und tief aufseufzend barg sie das Antlitz in der linken Hand. In der nächsten Minute waren die Jäger beritten. Der Ton des an Roberts' Seite hängenden kleinen Hornes brachte die Hunde alle zur Stelle, die heulend und winselnd an den Pferden emporsprangen, und fort ging's mit dem fröhlichen Jagdgeschrei, hinein in den grünen blühenden, den wunderherrlichen Wald.
Harper's Trauer schwand jedoch in dem Augenblick, wo sein Pferd den dunklen Schatten der Bäume betrat; er war nur noch Jäger, und ein Jäger in Arkansas hat nicht Zeit für sorge, Not und Kummer. Wenn ihn die grüne Waldesheimat umfängt; wenn das Ross selbst, das ihn trägt, wiehernd wie in toller, freudiger Lust freiwillig über Bäche und umliegende Stämme hinwegsetzt; wenn die Hunde in wilder Hast nach der warmen Fährte des Bären oder Panter zu suchen anfangen, spielend manchmal hinter einem aufgescheuchten flatternden Volk Trutühner hersetzen, oder heulend mit sträubendem Haar neben den Spuren des Wolfes stehen bleiben; wenn der Tau von den duftenden büsche die heisse Wange netzt; wenn endlich die Meute mit wildem Gebell dem aufgescheuchten Wilde folgt und, ihr nach, die Jagd in wildem Toben rast: wer denkt da noch an Schmerz oder Gram, wen drücken da noch quälende Sorgen? "Vorwärts!" heisst sein einziges Gefühl – "vorwärts!" ist der alleinzige Gedanke, dessen er sich bewusst ist. – Ach, es ist ein wonniges Leben im freien, grünen wald!
Die Jäger schlugen sich rechts über den Bergrükken, der die wasser des Fourche la fave von denen der Cypres trennt, ritten in diesem kleinen Flüsschen bis zu seiner Quelle stromaufwärts und folgten dann dem Bergrücken, den Petite-Jeanne hinauf, bis sie auch zu diesem niederstiegen und jetzt die Niederung, das breite, fruchtbare Tal dieses Flusses betranen.
"Wo nur der Indianer stecken mag, Harper?" fragte Roberts endlich – "wie Ihr sagtet, wollte er uns doch am Petite-Jeanne treffen?"
"Weiss der liebe Gott, wo sich der Bursche herumtreibt. Na, unsere Fährten sind breit genug, denen kann er folgen – aber, Curtis – was hat Eddy dort? Seht einmal, wie sie mit dem Schwanze wedelt. – Wenn nur Poppy hier wäre – die verwünschten Köter treiben sich auf der falschen Fährte umher."
Roberts sprang bei diesen Worten vom Pferd und eilte zu dem Platz, wo Eddy, ein junge Hündin, augenscheinlich mit der sehr interessanten Besichtigung einer noch frischen Fährte beschäftigt war. Ein Bär hatte an diesem Morgen seinen Weg hier vorbei nach dem etwa zwei Meilen entfernten Flusse zu genommen und mochte an dieser Stelle wahrscheinlich eine kurze Zeit gesessen haben, denn der Hund liess sich gar nicht wieder von der Stelle fortbringen.
"Pest und Donner!" rief Curtis, der jetzt ebenfalls vom Pferde gestiegen war, "das muss ein derber Bursche sein, und scheint auch gar nicht so leicht – seht nur, wie er die Ballen eingepresst hat. Und hier – das hier ist gar keine Bärenfährte – da ist ein Mann gegangen – vielleicht der Indianer – und da noch einer; Assowaum konnte das nicht sein. Wo zum Henker stecken nur die Hunde? Der Bär ist schwerlich schon über den Fluss gegangen – blast einmal das Horn, Roberts."
Dieser blies ein paar laute, schrille Töne auf dem einfachen Instrumente, und nicht lange währte es, bis er ein Keuchen in den büsche, zu gleicher Zeit ein Rascheln hörte, und gleich darauf sprang das "Poppy", wie es der alte Jäger nannte, auf den kleinen freien Platz, an dessen rand die Männer hielten. Ihm folgten bald die übrigen Hunde, denn Poppy war der Leiter der Meute, und winselnd fuhren sie auf dem platz umher, wo sie die Spuren ihres Feindes witterten. Da kam ein junger Brake auf die warme Spur, stiess ein scharfes Geheul aus und schoss wie ein Pfeil auf der "Rückfährte" in den Wald hinein, den Hügeln zu; Poppy, zum ersten Male seit langen Jahren irre geleitet, liess sich anführen, spürte ebenfalls die warmen Zeichen und flog dem jüngeren Hunde nach. Die anderen waren natürlich jetzt nicht zu halten, und mit wildem Toben verschwanden sie bald in dem Dikkicht, das sich mehrere hundert Schritt breit am fuss der Hügel hinzog.
Vergebens schrie Roberts und stiess abwechselnd in sein Horn, dass es ihm die Halsadern zu zersprengen drohte; vergebens vereinigten die anderen Jäger ihr Geschrei mit dem seinigen, die Meute hörte es nicht.
"Giftpilze und Klapperschlangen," rief der alte Roberts jetzt wütend, indem er seine Jagdmütze mit wildem Ingrimm auf die Erde schleuderte, "hol'