morgen am Petite-Jeanne und muss erst noch vorher nach haus. Da würde' es zu spät werden, wenn er heute Nacht hier bliebe."
"sonderbar, dass ihm das so auf einmal eingefallen ist," sagte Mrs. Roberts – "heute Nachmittag war er doch ganz damit einverstanden, den Abend hier zuzubringen."
"Er hat mit mir schon unterwegs davon geredet," sagte Marion, während sie sich abwandte, ihr Bonnet abzulegen, "und dass es ihm leid sei, nicht bei uns bleiben zu können. Er muss wohl dringende Geschäfte haben."
"Ja, und ich will ihn lieber begleiten," warf Harper ein, "wir haben keine Köchin weiter zu haus, als mich, und da muss ich doch für Proviant sorgen. – Es könnte sein, dass er einige Tage wegbleibt."
"Aber, Mr. Harper!" rief Mrs. Roberts halb beleidigt – "ich begreife Sie Beide gar nicht – das Abendbrot ist angerichtet. – So essen Sie nur wenigstens erst einen Bissen!"
"Danke schön, Mrs. Roberts – danke schön – morgen früh, wenn Sie nichts dagegen haben, lad' ich mich zum Frühstück ein, denn die Jagd mach' ich mit, Roberts. – Jim, bring mir mein Pferd auch – aber schnell," unterbrach er sich dabei, während er einem kleinen Neger den Befehl gab. "Also um sechs Uhr bin ich hier – soll ich den Indianer mitbringen?"
"Der kann uns beim Aufsuchen der Schweine von wesentlichem Nutzen sein," meinte Roberts.
"Aber, Mr. Harper – nur e i n e Tasse Kaffee, ehe Sie gehen. – Sie haben doch nichts Warmes, wenn Sie nach haus kommen."
"Das ist eine unbestrittene Wahrheit, Mrs. Roberts," erwiderte der alte Mann, während er zum Tische trat und die dargebotene Schale heissen Kaffees leerte, "leider wahr – 's ist ein elendes Leben, so eine Junggesellenwirtschaft – ich denke, ich heirate!"
"Hahaha!" lachte Roberts, "das ist ein gescheidter Einfall. Reitet hier in der Nachbarschaft herum und macht den Mädchen den Hof. Dazu müsst Ihr aber den neuen hellblauen Frack anziehen, den Euch der Schneider in Little Rock gemacht hat, wie? Ihr habt mir noch nicht einmal gesagt, was er kostet. Ja, die Schneider sind merkwürdig teuer in Little Rock. Neulich, wie ich unten war –"
"Gute Nacht, Mr. Roberts – gute Nacht, Ladies!" rief Brown's vor dem haus, wo er mit dem Pferd hielt.
"Aber, Mr. Brown – so kommen Sie wenigstens einen Augenblick herein und trinken Sie eine Tasse Kaffee – Ihr Onkel –"
"Danke herzlich, Madame – habe gar keinen Durst – gute Nacht nochmals zu Allen!"
"Halt da, Bursche – ich komme mit," rief Harper.
"Sie, Onkel?"
"Ja wohl – da ist schon das Pferd. – Nun also morgen früh, und, Roberts, nehmt nicht etwa wieder die kleingebohrte Büchse mit, giesst lieber heute Abend Kugeln zu der andern – 's ist elendes Schiessen mit einem so erbärmlichen kleinen Blei – gute Nacht zu Allen denn," fuhr er fort, als er aufstieg und sich im Sattel zurechtsetzte – "gute Nacht!"
Mr. und Mrs. Roberts standen in der Tür – hinter
ihnen Marion.
"Gute Nacht!" rief Brown noch einmal und
schwenkte den Hut – noch einmal sah er die Gestalt der Geliebten – er wusste, ihr Auge ruhte auf ihm; zum letzten Mal rief er den Gruss hinüber und stiess dann dem treuen Tier den Hacken so wild in die Seite, dass dieses mit jähem Seitensprung in die Höhe fuhr und in wenigen tollen Sätzen aus dem Lichtkreise verschwand, der aus der offenen Tür des Hauses strömte.
"Halt da!" rief Harper dem Neffen zu – "bist Du
toll – willst Du Hals und Beine brechen? – Hübsch langsam, wenn ich Schritt halten soll – toller Bursche, das – wahnsinniger Bursche, das –" und noch lange hörten sie den alten Mann schimpfen und raisonieren, wie er sein Pferd antrieb, um das uurch den Sporn erschreckte, unruhig tanzende Tier seines Neffen wieder einzuholen.
"wunderbar!" sagte Mrs. Roberts, als sie sich zum
Abendessen mit ihrem Mann und ihrer Tochter niedersetzte – "wunderbar! – das war doch ein ganz absonderliches Betragen von den Beiden – hätten den heiligen Sabbat auf eine würdigere Weise beschliessen können, als heim zu reiten und –"
"Torheit, Alte!" unterbrach sie Roberts – "dem Jungen, dem Brown, geht die geschichte mit dem Lump, dem Heatcott, noch im Kopf herum; kann's ihm nicht verdenken. Der Bube drohte sehr unzweideutig, ihn über den Haufen zu schiessen, wo er ihn finden würde, und er ist schlecht genug dazu, in dieser Hinsicht sein Wort zu halten."
"Glauben Sie wirklich, Vater?" – fragte Marion leichenblass werdend.
"Nun, der Junge wird schon seinen Mann stehen," fuhr der Alte fort – "ein tüchtiger, braver Bursche ist's – hat das Herz auf dem rechten Flecke. Seit der Zeit, wo er mit seinem Onkel herkam – das sind nun jetzt etwa sechs Wochen; nicht wahr?