– nimmt das lichte Leben von mir Abschied. – Aber es m u ss Abschied nehmen," fuhr sie, sich sich eehebend, fort – "selbst unser Zusammensein hier ist Sünde. – Ich bin dem fremden mann verlobt – bin seine Braut – lassen Sie also dies das letzte Mal sein, dass wir uns sehen – es ist besser für uns Beide. – Schonen Sie meiner, ich bin ja nur ein schwaches Weib und müsste dem Schmerz unterliegen."
"Sie haben Recht, Marion – wir müssen scheiden, ich bin das Ihrem Herzen, Ihrer Ehre schuldig. Ich will Sie nur noch zurückgeleiten zu den Ihrigen, dann kreuze ich Ihren Pfad nie mehr. – Aber e i n Angedenken an diese Stunde lassen Sie mich mit mir nehmen in meine trübe, freudlose Zukunft, gönnen Sie mir eine Locke Ihres Haares, dass das Auge einen Halt hat, an dem es hängen kann, wenn das Herz für Sie und Ihr Wohl Gebete zum Lenker unserer Schicksale hinaufsendet."
Marion bog das liebe Haupt zu ihm hinüber, und leicht trennte er mit dem scharfen Jagdmesser eine kleine Locke von ihrer Stirn.
"Dank, mein Mädchen," flüsterte er dann, "Dank, heissen Dank, und möge Dich Rowson so glücklich machen, als Du es verdienst, und wenn Du zu Deinem Gott flehst, so denke auch manchmal des armen Streifschützen, der dann vielleicht schon das Land der Freiheit, das jugendliche Texas, mit seinem warmen Herzblut getränkt hat. Lebe wohl und Gott schütze Dich!"
Er umschlang im heftigen Schmerz die Geliebte, und ihre Lippen begegneten sich zum ersten Mal im langen, Abschiedskuss; dann riss sich Marion aus seinem Arm. Harper und Roberts begegneten ihnen gleich darauf; sie hatten den Schuss gehört und gefürchtet, es könne ihnen etwas begegnet sein. Roberts nahm jetzt seiner Tochter Arm, und Harper und Brown folgten ihnen in geringer Entfernung.
"Onkel," sagte Brown, nachdem sie eine Weile schweigend neben einander hingeschritten waren, "Onkel – ich reise morgen früh!"
"Unsinn!" rief Harper und blieb, seinem Neffen in's Auge sehend, erschreckt stehen. "Unsinn!" sagte er dann noch einmal, aber mit ungewisser, nur noch halb zweifelnder stimme – "und wohin willst Du?"
"Nach Texas."
"Willst Deinen alten Onkel hier allein auf dem Trocknen sitzen lassen? ist das recht?"
"Ich m u ss fort, Onkel!"
"Du musst? und wer zwingt Dich?" Brown schwieg und wandte sein Gesicht ab, drückte aber krampfhaft des alten Mannes Hand.
"Und da soll ich wirklich hier zurückbleiben, trübselig und einsam in meiner Hütte? Bill, das ist hart – das ist nicht halb recht von Dir. Ich werde Dich enterben, Bill!" fuhr er nach einigen Secunden wehmütig lächelnd fort – "ich enterbe Dich wahrhaftig!"
Brown ergriff seine Hand und schaute ihm mit von Tränen verdunkelten Blicken in's Auge. – Der alte Mann war arm, und Alles, was Beide jetzt an Land, Vieh und Geld vereint besassen, gehörte eigentlich dem Neffen an.
"Haben Sie keine Angst, Onkel – Ihr Alter ist gesichert; Sie wissen ja, dass ich vor acht Tagen einen Brief von meinem Advocaten aus Cincinnati erhielt. – Mein Process ist gewonnen, und die Auszahlung der Gelder kann nicht mehr lange dauern; heute Abend noch schreibe ich an Wolfei und gebe ihm den Auftrag, Alles an Ihre Adresse zu befördern. – Sie werden es dann verwalten, bis ich zurückkehre, und – kehr' ich nicht zurück – nun – doch darüber sprechen wir noch. Ich will morgen früh an den Petite-Jeanne und von da nach Morrisons Bluff am Arkansas hinüber, wo ich Geschäfte zu besorgen habe. In acht Tagen komm' ich dann auf meinem Wege nach Texas noch einmal an Ihrem haus vorbei. Unter der Zeit erhandeln Sie den Fuchs für mich von Mr. Roberts." –
"Hallo da!" rief Roberts jetzt vom haus aus, das er mit seiner Tochter indessen erreicht hatte – "hallo da! – Ihr geht ja, als ob Ihr Blei an den Sohlen hättet – kommt, Brown – das Abendessen ist fertig."
"Und Du willst wirklich fort?"
"In diesem Augenblicke brech' ich auf – ich muss noch den Brief schreiben und Kugeln giessen, auch etwas Brot backen, um einige Provisionen mitnehmen zu können."
"Und kommst Du aber auch gewiss in acht Tagen wieder hier vorbei?"
"Hier meine Hand darauf – ich muss ja auch das Pferd abholen; bis dahin – leben Sie wohl, Onkel, in acht Tagen bin ich sicher wieder da. – Sagen Sie aber Roberts nichts davon, dass Sie mich zurück erwarten – ich – ich könnte dann keine Zeit haben, ihn zu besuchen, und er möchte das übel nehmen."
"Heda, Brown! – Was will denn Brown im Stalle, Harper?" fragte Roberts, als dieser allein zum haus kam, "das Essen wird kalt – meine Alte hat schon gebrummt."
"Er will fort," meinte Harper traurig, "weiss der liebe Gott, was ihm in den Schädel gefahren ist."
"Fort? heute abend?" riefen Mr. und Mrs. Roberts – "aber weshalb denn?"
"Er hat Geschäfte