auf ewig verlor –
Ich sah ein Mädchen in dieser Hütte – ich sah – doch wozu einen Engel schildern, den ich nur finden musste, um die Gewissheit zu bekommen, dass ich ihn nie besitzen könnte. – Jenes Mädchen, Miss Roberts, war v e r l o b t . Ich blieb nachdem nur noch wenige Tage in Missouri und ging nach Texas – ging nach Arkansas; daher mag denn wohl mein oft verstörtes Wesen kommen, was Sie, mein fräulein, freundlich entschuldigen müssen. Es tut weh, wenn man einmal sein Glück gefunden zu haben glaubt, und sieht es dann in Schaum und Nebelbilder zerrinnen; ach und doch war es ein so schöner Traum!"
Marion hatte den Köpfchen gesenkt, und heisse Tränen quollen unter den langen seidenen Wimpern vor, aber Brown sah sie nicht, denn neben ihnen, im dichten Gebüsch von Sumach und Sassafras, rauschte und rasselte es, ein leiser Tritt war im dürren Moose gehört, und in demselben Augenblick, als der junge Mann, eine mögliche Gefahr befürchtend, still stand und mit der Hand nach der Waffe fuhr, öffneten sich die dichten Zweige gerade vor ihnen, und ein gewaltiger Panter trat in den Weg und schaute, keineswegs ängstlich, sondern eher wild und frech zu den beiden Menschen empor, die es gewagt hatten, seine Einsamkeit zu stören. Mit einem leisen Schrei warf sich das zum Tod erschreckte Mädchen in die arme Brown's, der es mit seiner Linken umfasste, während die Rechte das Terzerol aus der tasche zog, das er schon einmal heute' auf den wilden Kentuckier gerichtet hatte.
Der Panter schwang indessen den langen Schweif halb zornig, halb spielend in der Luft und schlug sich die Flanken damit, als ob er noch unschlüssig sei, was er tun solle – angreifen oder den Platz verlassen. Brown zielte ruhig auf den Kopf des Tieres, das sich eben, fast wie zum Sprung, niederbog, und drückte ab. Durch das Zittern des schönen Mädchens aber, das er in seinem Arm hielt, vielleicht selbst durch die süsse Last zu aufgeregte, verfehlte er den Kopf, und die Kugel fuhr über der rechten Schulter der Bestie in die Weichen. Hochauf sprang diese in peinlichem Schmerz, dann aber, als ob die unverhoffte Kugel jede weitere Kampflust vernichtet hätte, stiess es einen scharfen, gellenden Schrei aus und floh mit mächtigen Sätzen in das Dickicht.
"Die Gefahr ist vorüber, Miss Marion – wenn uns überhaupt eine Gefahr gedroht – das Tier ist entflohen," sagte Brown leise, indem er die an seiner Brust ruhende bebende Gestalt sanft zu heben versuchte, "mein Schuss hat es verscheucht – Marion – was ist Ihnen – Marion, fassen Sie sich – um Gottes willen – Marion!" Die lang' verhaltenen Gefühle brachen sich aber jetzt mit Gewalt Bahn aus dem bis zu diesem Augenblicke fest verwahrten Herzen. Schluchzend lehnte sie an der Schulter des Geliebten und flüsterte leise, aber in tiefem, bitterem Schmerz:
"Oh, ich bin recht – recht unglücklich!"
"Marion – Sie tödten sich und mich!" rief, von wildestem Seelenschmerz erfüllt, der junge Mann; "oh, dass die glücklichste Stunde meines Lebens auch die sein muss, die mich mein ganzes Elend mit einem blick überschauen lässt! Ja, Marion, ich liebe Dich, liebe Dich mit all' der Glut eines Herzens, das auf Erden weiter kein Glück kennt, als Dich zu besitzen, das nur in Dir den Stern sieht, der seine künftige Lebensbahn erleuchten könnte, und nun verzweifelnd dem letzten hellen Schein nachblickt, als er auf ewig am Horizonte seines Glückshimmels verschwindet, um ihm nie wieder zu erstehen.
Es ist Zeit, dass wir scheiden," fuhr er mit leiser, unterdrückter stimme fort – "ich darf nicht hier bleiben; meine Gegenwart würde nur Unheil stiften, nur Dich und mich elend machen. Morgen schon verlasse ich Arkansas, und im wilden Schlachtenlärm will ich versuchen, das Andenken an Dich zu betäuben. – Vergessen, Marion – vergessen kann ich Dich nie!" –
Schluchzend lehnte das schöne Mädchen an seiner Brust, und lange hielten sich die Liebenden schweigend umfasst. Brown führte sie endlich wieder auf denselben Stamm, auf dem sie vorher gesessen hatten, und im tiefsten Schmerz barg Marion das Engelsantlitz in ihren Händen.
"Liebst Du den Mann, dem Du Dich zugesagt?" fragte Brown jetzt leise, indem er ihre Hand ergriff und fanst zu sich herüberzog – "hast Du ihn je geliebt?"
"Nie – nie!" beteuerte Marion, die freie Hand auf das Herz pressend – "ich hatte keinen Willen, kannte Niemand, dem ich freundlicher gesinnt gewesen wäre, als ihm, weil meine Mutter mit wahrer Verehrung an ihm hing, und alle anderen Leute sagten, dass er ein braver, guter Mann sei. Ich glaubte, es wäre Liebe, was ich für i h n empfand. Da kamen Sie, da sah ich Sie, sah Ihr freies, offenes Benehmen, lernte Ihr redliches, treues Herz kennen und – wurde elend. In Trauerbildern stieg meine Zukunft vor mir empor, ein Leben endlosen Jammers breitete sich an der Seite des Mannes vor mir aus, den ich nun nicht mehr lieben k o n n t e , hätte er sich auch nicht heute so feig und unmännlich benommen; ein dunkler Nebel umhüllte alle meine Träume von Glück und Zufriedenheit, und mit Ihnen