Mr. Rowson war der Erste, der sich durch sein gesittetes, freundliches Betragen meine A c h t u n g erwarb. Er kam öfter in diese Gegend, predigte häufig hier, und – Mutter lernte ihn schätzen. – Sie selbst beredete ihn, sich unter uns niederzulassen und ein Weib zu nehmen – er bat um meine Hand, und Mutter – sagte sie ihm zu.
Ich hatte bis dahin nie an eine Verbindung mit ihm gedacht," fuhr Marion nach einer Weile zögernd fort, "immer mehr den väterlichen Freund, als den möglichen Geliebten in ihm gesehen, und der Antrag überraschte mich. Dabei hatte – Ihnen kann ich es vielleicht gestehen – sein Auge Etwas, das mir Grauen einflösste, wenn ich schnell und unerwartet zu ihm aufblicke; sah ich ihn aber recht ernst und fest an, so lag wieder etwas so Mildes, Sanftes in den Zügen, das mich endlich selbst für ihn einnahm. Durch Mutters nicht endende Vorstellungen getrieben, gab ich zuletzt mein Jawort. Aber Vater wollte nicht einwilligen; er mochte den stillen, ruhigen Mann nicht leiden und hatte darüber mit Mutter ein paar recht ernste Auftritte. Aufrichtig gestanden, war es mir ziemlich gleich, wer von ihnen Recht behielt, denn ich glaube wohl m i t Mr. Rowson glücklich, o h n e ihn aber auch nicht unglücklich zu werden. Wie daher Vater sich entschloss, der Mutter das Feld zu räumen, und nur noch darauf bestand, dass Mr. Rowson ein Eigentum haben müsse, welches ihm die Hoffnung gebe, eine Frau zu ernähren, ohne bloss auf das Predigen angewiesen zu sein, versprach ich Mr. Rowson, – sein Weib zu werden. – Wie er uns nun heute sagte, hat er die Hoffnung, in wenigen Wochen eine hinreichende Geldsumme zu erhalten, um nicht allein das Land, auf dem er wohnt, zu kaufen, sondern sich auch noch einen Anfang zur Viehzucht, wie alles übrige nötige Ackergerät, anzuschaffen. Dann steht der Erfüllung seines Wunsches weiter nichts im Wege und ich – werde die Seine."
Marion sprach diese letzten Worte mit so leiser, zitternder stimme, dass Brown unwillkürlich stehen blieb und zu ihr hinabsah – sie hatte den Kopf abgewendet, und das Bonnet, das sie trug, verbarg ihm ihr Antlitz.
"Sie werden glücklich werden," flüsterte er, und ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust.
"Wir müssen umkehren, Mr. Brown," sagte Marion nach einer kleinen Weile – "sehen Sie nur, die Wipfel der Bäume röten sich schon, die Sonne ist bald unter, und in diesen dichten Wäldern wird es gleich Nacht – Mutter möchte sich ängstigen."
Die beiden jungen Leute wandten sich stumm zum Heimweg, und Marion sprach nach einigen Minuten lächelnd:
"Ich habe Ihnen jetzt meine ganze Lebensgeschichte in den wenigen Worten erzählt und dadurch erstaunlich viel Vertrauen bewiesen; Vertrauen aber, wie Mr. Rowson sagt, erweckt Vertrauen, und es wäre jetzt nicht mehr als recht und billig, dass ich ein Gleiches von Ihnen forderte. Das heisst – wenn Sie keine Geheimnisse zu bewahren haben, die ein geschwätziges Kind, wie ich bin, natürlich nicht erfahren dürfte."
"Mein Leben ist ziemlich einfach verflossen," erwiderte Brown – "fast zu einfach. Ich bin in Virginien geboren, doch zog mein Vater, als ich noch ein Kind war, mit uns nach Kentucky, wo er mit Daniel Boon die ersten Ansiedlungen gründete. Ich war kaum stark genug, die Büchse zu tragen, als ich schon mit gegen die Indianer kämpfen musste, die uns damals Tag und Nacht beunruhigten. Lange trotzten wir all' ihrer Hinterlist und Uebermacht, einmal aber doch, in einer unglückseligen Nacht, hatten sie meinen Vater von unserer wohnung abgeschnitten, überfallen und erschlagen. Mit Tagesanbruch weckte uns ihr Schlachtgeschrei und das Prasseln der Flammen, die unsere Blockhütte zerstörten. Alle die Meinigen fielen unter dem Tomahawk der roten Teufel, und nur wie durch ein Wunder entging ich ihren Blickenund dadurch dem Scalpirmesser. Ich floh und erreichte die nächste Ansiedlung. Von da an aber trieben wir kämpfend die Wilden aus ihren Schlupfwinkeln und zwangen sie, uns in Frieden zu lassen. Es ist in jenen zeiten viel Blut – viel unschuldiges Blut vergossen, und ich weiss noch nicht, ob die weissen Männer damals ein Recht hatten, so hart und grausam von Anfang an gegen die Eingeborenen aufzutreten. Freilich rächten sich die Wilden dann auch wieder auf eine entsetzliche Art.
Später zog ich zu meinem Onkel nach Missouri, wo wir mehrere Jahre lebten und dann von dem herrlichen land und dem gesunden Klima am Fourche la fave hörten – wir beschlossen hierher auszuwandern. Onkel hatte mich nun immer angetrieben zu heiraten, denn die Junggesellenwirtschaft, die wir führten, war wohl Beiden schon zur Last geworden, nie aber fand ich ein Wesen, das dem Begriff entsprach, die ich von meinem künftigen weib gebildet hatte. – Ich konnte mich nicht entschliessen, eine Frau zu nehmen, ohne dass ich mich von meinem Herzen zu ihr hingezogen fühlte – ach, ich ahnte wohl die Liebe, aber ich kannte sie noch nicht. Da ritt ich eines Abends spät – es war noch in Missouri – durch eine Gegend, die mein Fuss früher nicht betreten hatte, Wolken verhüllten den Himmel, ich verlor meine Richtung und kam an eine Hütte, von der aus ich zwar meinen Weg wiederfand, meine Ruhe aber und meinen Frieden