, das Messer in die Scheide zurückstossend – "lasst ihn prahlen; es ist der einzige Genuss, den er vom Leben hat."
"Komm, Bill," sagte Harper, den Widerstrebenden in's Haus ziehend, "komm, Bill, – lass die Burschen erst fort – Du hast jetzt Deiner Ehre genügt, und es freut mich, dass sich meiner Schwester Sohn so brav benommen hat. Das tut's aber nun auch – denke' an die Frauen – Marion ist vorhin erst ohnmächtig geworden."
"Marion ohnmächtig?" fragte Brown schnell, indem er dem haus zusprang. "Ja so," sagte er aber dann langsammer, indem er wieder stahen blieb – "ihr Bräutigam ist ja bei ihr, daran dachte' ich nicht. Sie wird sich wohl wieder erholen."
Die Regulatoren hatten indessen den Platz verlassen, und auch Rowson schickte sich an, heim zu reiten. Harper folgte dagegen der Einladung Roberts' und blieb in dessen haus, um am nächsten Morgen die versprochene Jagd mitzumachen und den alten Bahrens zu besuchen, von dem er so viel gehört hatte.
Rowson sprach noch ein langes Gebet, ehe er sein Pferd bestieg, teils um die Vergebung des Höchsten für die entsetzliche Entweihung des Sabbats zu erflehen, teils um ihm zu danken, dass dieser Kelch ohne Blutvergiessen vorübergegangen war. Ehe er sich jedoch auf's Pferd schwang, ging er zuerst noch auf den jungen Brown zu und sagte:
"Ihr habt Euch heute meiner angenommen, und ich danke Euch. Wenn aber jener Bube auch auf Rache sinnt, fürchtet nichts, der Himmel wird Euch beschirmen, baut auf dessen Schutz." "Ich dank' Euch, Mr. Rowson," erwiderte Brown ruhig; "ich baue aber mehr auf des Burschen Feigheit und meine eigene Kraft, als auf irgend etwas Anderes. Der geht mir schon aus dem Wege, das hat keine Not, und streitsüchtig bin ich auch nicht. So werden wir denn schwerlich wieder zusammenkommen."
5.
Brown und Marion.
Rowson war fortgeritten, um, wie er sagte, "das Wort des Herrn in einer andern Ansiedlung zu predigen," und Marion lehnte bleich und erschöpft in einem Sessel. Nur noch dann und wann stahlen sich einzelne grosse Tränentropfen über ihre Wangen hinab und rollten leise auf die zarten Finger nieder, die sie im Schoosse gefaltet hielt; aber tiefer Schmerz sprach aus den sanften Zügen des schönen Mädchens. Harper, Roberts und Brown sassen am Kamin, in dem die Negerin wohl mehr der Gewohnheit, als der wirklich kühlen Luft wegen ein Feuer entzündete, und Mrs. Roberts stand neben ihrer Tochter und streichelte ihr das nussbraune Haar.
"Komm, Kind – lass das Sorgen und Träumen," sagte sie beruhigend zu dem Mädchen, "sieh, es ist ja Alles vorbei. Mr. Rowson kann den Männern auch heute unmöglich mehr begegnen, er hat ja eine ganz entgegengesetzte Richtung eingeschlagen – geh hinaus an die frische Luft, dann wird Dir besser – Mr. Brown begleitet Dich vielleicht und führt Dich ein wenig spazieren. Sieh, Du hast wirklich Fieber – wie erhitzt Du nun auf einmal wieder aussiehst – komm, komm – schäm' Dich doch, so ein grosses Mädchen und weint."
Marion hatte bei den letzten Worten ihr Gesicht an der Mutter Brust verborgen und schluchzte laut. "Nicht wahr, Mr. Brown, Sie führen das närrische Kind ein wenig in's Freie? Ich wollte wirklich, Mr. Rowson hätte heute bei uns bleiben können, aber freilich – der Dienst Gottes geht dem der Menschen vor."
Brown war schon bei der ersten Andeutung, dass seine Begleitung erwünscht werde, aufgesprungen und näherte sich jetzt, etwas verlegen, der Tochter des Hauses, ihr seinen Arm anzubieten.
"So, das ist recht, mein Kind," ermunterte sie die Mutter – "das ist brav – Köpfchen hoch – draussen wird Dir's besser werden, und laufen Sie tüchtig, Mr. Brown, dass sie ordentlich in Bewegung kommt. Gott verzeih' es den bösen Leuten, solchen Streit und Unfrieden in die ruhigen Häuser seiner Diener zu tragen."
Harper war indessen sehr nachdenklich geworden und starrte schweigend auf das knisternde, nasse Holz hin, während Roberts, der ein Gespräch über den letzten Streit begonnen, durch seine gewöhnliche Reihenfolge von Ideen in den Revolutionskrieg gekommen war und eben eine Anekdote aus Washington's Leben anfangen wollte, als die beiden jungen Leute das Haus verliessen und langsam und schweigend den breiten, ausgehauenen Fahrweg hinwandelten, der den Fluss hinauf nach den oberen Ansiedelungen führte.
Die Sonne neigte sich dem Untergange zu, und der Schatten der riesengrossen Bäume fiel über den Weg hinüber; Scharen von munteren Peroquets1 flatterten kreischend von Baum zu Baum, graue Eichhörnchen sprangen in kühnen Sätzen über die Zweige hin oder kauerten knuppernd an irgend einer aufbewahrten Nuss, deren Schale dann raschelnd in das Laub herunterfiel. Vorsichtig den schönen Kopf erhebend, schritt leise eine Hirschkuh mit dem jungen Kalbe über den Weg, blieb einen Augenblick, die breite Strasse hinauf- und hinabschauend, stehen und verschwand dann langsam im Dickicht, als ob sie wisse, es drohe ihr von den Nahenden keine Gefahr. Stiller Friede lag auf der Landschaft, und majestätisch rauschten die gewaltigen Wipfel der Kiefern und Eichen im darüber hinstreichenden Südostwind.
"Wir sind Ihnen eigentlich recht grossen Dank schuldig, Mr. Brown,"