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aussehen –" grinste der Kentuckier.

"Nein, nein," lachte gutmütig der alte Mann, "das gerade nicht. Aber wollt Ihr denn nicht zum Haus gehen, Gentlemen, und einen Bissen essen? Guten Morgen, Heinze, guten Morgen, Mullins, hallo, Peter, das ist wohl ein neues Pferd, das Ihr da reitet? Das hab' ich noch nicht gesehenhübsches Tier."

"Wir nehmen Euer Anerbieten an," sagte Heatcott, vom Pferd steigend, während die Uebrigen seinem Beispiel folgten, "Wilkins hat überdies nie etwas zu essen, und da ist's doch besser, wir sehen uns hier vor. Aber nur keine Umständedie Pferde mögen inzwischen ein bisschen ruhen."

Brown hatte indessen einige der Männer, mit denen er in der kurzen Zeit seines Aufentalts bekannt geworden war, begrüsst und schritt mit ihnen dem haus zu, wo das kleine Negermädchen emsig bemüht war, für die unerwarteten Gäste Maisbrod zu backen und Schweinefleisch zu braten.

"Und Ihr, Mr. Brown?" fragte Heatcott jetzt, sich an den jungen Mann wendend, "habt Ihr keine Lust, der guten Sache Euren Arm und Euer Auge zu leihen? Es können unserer gar nicht zu viel sein, da wir, mit dem gesetz gegen uns, dem staat beweisen müssen, wie sehr es uns Ernst um die Sache ist."

"Ich muss bitten, mich zu entschuldigen," erwiderte Brown; "erstlich bin ich nur ein sehr flüchtiger Besuch in dieser Gegend, mit dem Wald und der ganzen Lage des Landes noch nicht einmal recht bekannt, und dann will ich Euch auch aufrichtig gestehen, habe ich keine Freude an dem Richtwesen der Regulatoren, das nur zu oft zum Unwesen wird."

"Sir!" sagte der Kentuckier etwas gereizt – "Sie werden uns doch wohl zugestehen, dass wir hier am besten wissen, wo uns der Schuh drückt?"

"natürlichnatürlich," erwiderte Brown freundlich. "Ich masse mir auch weiter kein Urteil darüber an, behalte mir aber dafür auch meine eigene Handlungsweise vor."

"Mit Euch Herren, wie Ihr nur immer von einem staat zum andern huscht, weiss man nie, woran man ist," sagte Heatcott, einen keineswegs freundlichen Seitenblick nach dem jungen Mann hinüberwerfend. "Einmal seid Ihr in Missouri, einmal in Texas, und habt überall Bekannte und Freunde. – Ihr tretet vielleicht aus Rücksicht gegen Eure F r e u n d e den Regulatoren nicht bei?"

"Mr. Heatcott," erwiderte Brown sehr ernst, aber auch sehr artig, "ich will diese Anspielung von Ihrer Seite nicht verstehen, denn ich kann mich dadurch nicht getroffen fühlen. Was mein Betragen, mein Reisen aus einem staat in den andern betrifft, so bin ich darüber keinem Menschen Rechenschaft schuldig, als mir selbst."

Die anderen Farmer mischten sich aber jetzt in das Gespräch und duldeten nicht, dass Heatcott noch etwas sagte, das die Gefühle des jungen Mannes verletzen konnte. Sie hatten ihn Alle lieb gewonnen, fürchteten dagegen ihren Führer mehr, als sie ihn achteten.

"Herein, Gentlemen, herein hier!" rief ihnen Roberts aus der offenen Haustür zu – "Sie müssen fürlieb nehmen, ich habe Ihnen schnell etwas herrichten lassen, damit Sie nicht bis zum Mittagessen zu warten brauchen. Also setzen Sie sich undhelfen Sie sich selbst."

Die Leute liessen sich das nicht zweimal sagen, und nachdem sie die Frauen im haus begrüsst, setzten sie sich ohne weitere Umstände, ja ohne nur all' die vielen Mordgewehre, mit denen sie umsteckt waren, abzulegen, an den reichlich gedeckten Tisch. Eben wollten sie auch zulangen, als Rowson, der neben Mrs. Roberts am Feuer gestanden hatte, an die Tafel trat, die hände faltete und ein Tischgebet zu sprechen begann.

Die Farmer, die eines Teils selbst Metodisten waren, andern Teils die Sitte des Hauses ehrten, legten die schon ergriffenen Messer wieder nieder und sahen andächtig auf die leeren Teller hinunter, Heatcott hingegen blickte ärgerlich zu dem Prediger empor, der ihn übrigens gar nicht zu bemerken schien und ruhig in der Ausübung seiner P f l i c h t , wie er es nannte, fortfuhr.

Wären die Damen nicht gegenwärtig gewesen, so hätte sich der Zorn des rauhen Mannes wohl schon bei dieser gelegenheit Luft gemacht, so aber unterdrückte er ihn, oder versparte ihn wenigstens für eine passendere auf und begann sein Mahl, während der Betende noch das Amen sprach. Dass solches Betragen Mrs. Roberts auf das Tiefste verletzte, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Sie setzte sich höchst erbittert in ihren Schaukelstuhl nieder und murmelte etwas von "rohen sündhaften Menschen", was jedoch nur zu dem Ohr des Priesters gelangte, der wieder an ihre Seite getreten war und jetzt seufzend dazu mit dem kopf nickte.

"Mrs. RobertsSie führen wohl nicht einen Schluck Whisky im haus?" fragte Heatcott nach einer kleinen Pause, sich dabei mit dem Aermel seines ledernen Jagdhemdes den Mund wischend. – "Wir haben da drüben bei Bowitts so verdammt scharfes Zeug getrunken, dass es Einem die Eingeweide fast verbrennt."

"Ich halte keinen Whisky," erwiderte Mrs. Roberts, durch diese Frage auf's neue erregt. – "Mrs. Bowitt täte ebenfalls besser, solches Getränk nicht in ihrem haus zu dulden."

"Ja