wir gesorgt."
Der Sprecher war, soweit es seine behagliche, auf dem Laub ausgestreckte Gestalt erkennen liess, ein Mann von über sechs Fuss, mit muskulösem Körperbau und freien, offenen Zügen; die Augen hatten aber etwas unheimlich Wildes und flogen unstät von einem Ort zum andern, und sein ganzes Aeussere verriet überhaupt einen hohen Grad von Nachlässigkeit. Der alte, zerstücke Filzhut war ihm vom Kopf gefallen, und das Haar stand struppig und ungekämmt empor; der borstige Bart schien eine Woche lang vernachlässigt zu sein, und ein sehr abgetragenes blauwollenes Jagdhemd, an dem einzelne einst gelb gewesene Franzen wild herabhingen, war mit alten wie neuen Blutflecken überdeckt. Diese wurden übrigens durch ein frisch abgestreiftes Hirschfell an seiner Seite erklärt. Ueberhaupt schien der Bursch den Wald zum Hauptaufentalt zu haben. Die Büchse lag neben ihm am Boden; die Beine staken in vielfach ausgebesserten ledernen Leggins oder Gamaschen, und ein Paar Mokassins von Rindshaut vollendeten den keineswegs kleidsamen Anzug.
Sein Gefährte, der neben ihm, mit dem rücken gegen den Baumstamm gelehnt, sass und mit einem langen Messer (in der Landessprache gewöhnlich "Arkansas-Zahnstocher" genannt) Holzspähne schnitzelte, unterschied sich etwas, und zwar zu seinem Vorteil, von dem rauhen Nachbar. Seine Kleidung war sauberer, sein ledernes Jagdhemd, das, wenn auch alt und viel gebraucht, doch mit besonderem Fleiss gearbeitet schien, etwas besser gehalten, als das des Ersteren, und sein ganzes Aussehen bewies, dass er eine bessere Erziehung erhalten, als der wilde Waldbewohner, oder doch wenigstens erst kürzlich aus dem elterlichen Haus gekommen sei. Das letztere wurde noch durch seine Jugend so viel wahrscheinlicher, da er kaum mehr als siebzehn Jahre zählen konnte.
Der Dritte war den beiden Beschriebenen total unähnlich, und was jene an Wildheit und Lebensmut zu viel besassen, schien dieser durch Sanftmut und Leutseligkeit wieder ausgleichen zu wollen. Seiner Kleidung nach gehörte er der Klasse wohlhabener Farmer an. Der blaue, vom besten wollenen Stoff gefertigte Frack – die gewöhnliche Tracht der amerikanischen Landleute –, die saubere gelbe Weste, die sorgfältig geschwärzten Schuhe, der neue breiträndige Hut, Alles bewies, dass er etwas auf sein Aeusseres halte und, wenn auch in manchen anderen Stücken, doch keineswegs in jener Missachtung jeder anständigen, reinlichen Kleidung mit der Gesellschaft, in der er sich gerade befand und zu der er offenbar zu gehören schien, harmoniere. Er lehnte, ein Bein über das andere geschlagen, an einer kleinen Eiche und sah sinnend zu dem Sprecher hinüber, der, nach der oben geäusserten Bemerkung, seinen Kopf wieder faul auf das die Wurzeln des Baumes bedeckende Moos zurücksinken liess.
"Oder sorgt vielmehr jetzt noch dafür, Cotton," fuhr er, mit etwas näselnder stimme des Jägers Aeusserung beantwortend, fort; "wenn's auch nicht in Ordnung ist, dass Ihr selbst am heiligen Sabbat ohne dringende Not umhergeht und die friedlichen Tiere des Waldes erlegt."
"Oh geht zum Teufel mit Eurer Predigt, Rowson!" fuhr der Jäger halb ärgerlich, halb lachend auf, während der junge Bursch einen spöttischen blick auf die ernstafte Gestalt des Mahners warf – "spart die Moral, bis Ihr in die Ansiedlung kommt, und verschont uns hier mit dem Unsinn. – Wo aber nur Rusch stecken mag – verdammt will ich sein, wenn ich mir das erklären kann. Er versprach, mit Sonnenaufgang hier zu sein, und jetzt ist die Sonne bald drei Stunden hoch – die Pest in seinen Hals!"
"Ihr werdet ihn mit Eurem gotteslästerlichen Fluchen nicht herbeirufen," erwiderte kopfschüttelnd der Andere – "aber," fuhr er dann, etwas lebhafter werdend, fort, "auch mir dauert die Zeit zu lang'. Ich muss um zehn Uhr in der Betversammlung sein und habe noch sechs Meilen bis dahin zu reiten."
"Die beiden Geschäfte scheinen sich bei Euch sehr gut zu vertragen!" lächelte verächtlich der Jäger. – "Predigen und Pferde stehlen – hm, passt wirklich recht gut zusammen, kann auch recht gut neben einander bestehen, denn der 'Sabbat', wie Ihr ihn nennt, ist doch ein schlechter Tag für unser Geschäft. Aber lasst die Faxen hier im Wald, wo wir unter uns sind; 's ist – das Wenigste zu sagen – langweilig."
"Nun, habt keine Angst, Ihr sollt nicht lange mehr damit belästigt werden," lächelte der Farmer, während er mit Wohlbedacht eine Prise aus einer Muscheldose nahm. – "Doch seht," fuhr er dann schneller und lebhafter fort – "Euer Hund spitzt die Ohren – er muss etwas wittern."
Ein grau und schwarzgestreifter Schweisshund hatte sich, einige Schritte von den Männern entfernt, auf dem einzigen kleinen sonnigen Fleck zusammengeknäult, wo ein umgestürzter Baum in das dichte Laubdach eine Lücke gerissen. Vorsichtig windend hob dieser jetzt die Nase einen Augenblick in die Höhe, knurrte dann leise, wobei er einen schwachen Versuch machte, mit dem Schwanz zu wedeln, und fiel wieder in seine alte Lage zurück. Sein Herr, der ihn indessen aufmerksam beobachtet hatte, sprang mit zufriedenem blick auf und rief:
"Nun endlich – Zeit ist's, dass er kommt. Deik kennt ihn auch gut genug, mag aber seinen warmen Fleck dort nicht verlassen. Hallo – da ist er schon! – Nun, Rusch, Ihr glaubt wohl, man hält sich hier der Annehmlichkeit wegen zwischen den Mosquitos und Holzböcken auf! Was,