er dieses, wie teuer er das gekauft, was für Wetten jenes gewonnen, in wie viel Minuten ein anderes die Bahn durchlaufen. Er befand sich auch hier so recht in seinem Element, noch dazu, da ihm Brown nicht undeutlich zu verstehen gab, er gedenke in diesen Tagen selbst ein Pferd von ihm zu kaufen, und zwar ein starkes, kräftiges, das für den texanischen Freiheitskampf tauglich sei.
"Das könnt Sie bei mir bekommen, Brown, das können Sie bekommen!" rief der Alte freudig, in dem Augenblick ganz vergessend, dass er dadurch den jungen Mann aus der Nachbarschaft verlieren würde. "Dort der Fuchs ist ein Mordpferd – nicht tot zu machen – Abends so munter wie Morgens und erst vier Jahre alt – aber – wie ist mir denn? Ihr wollt nach Texas? Ih zum Henker, das leiden wir nicht – ich verkaufe gern ein Pferd, doch soll mich –" Er sah sich unwillkürlich um, ob seine Frau nicht zufällig in der Nähe wäre und sein Fluchen hören könnte. "Nein, Brown, das ist nichts. Texas ist ein Land, wo es keinem Christenmenschen gut geht; – nur die Indianer allein – und was für Bande ist das! Ich weiss noch recht gut, wie die von der Creek-Nation hier durchkamen; Mais kostete damals zwei Dollar der Bushel, und wir konnten nicht genug für sie anschaffen. Jetzt ist der Mais freilich billiger, nur wer ihn nach Little Rock –"
"Dieses ruhige Leben hier sagt mir nicht zu; ich muss mich ein wenig in der Welt umsehen," unterbrach ihn Brown – "später komm' ich wieder zurück."
"Von Texas? eh? Von dort kommt niemand mehr zurück – kein o r d e n t l i c h e r Kerl wenigstens –, alle Schufte und Spitzbuben gehen ja jetzt dortin, und das Sprichwort 'Geh in die Hölle' ist ganz abgekommen, man wird noch boshafter und wünscht den Leuten eine Reise nach Texas. Der Boden dort ist auch nicht besser als der unsere; ich habe unten im Canebottom Land, das ich nicht für zehn Dollar den Acker verkaufen möchte, und d i e Mast – Sie sollen einmal im nächsten Winter meine Schweine sehen; ich habe mir auch von Atkins eine neue Art gekauft – die mit ungespalteten Hufen. Atkins liess mir zwei ab, und ich hätte noch mehr genommen, sein Bruder aber – der Advokat in Poinsett County, der sich erst neulich dort niedergelassen hat – denn das wissen Sie doch, dass jetzt eine Menge Menschen dort in den Sumpf gezogen sind?"
"Bei Ihnen wird es jetzt auch recht still im haus werden!" sagte Brown, der einen Augenblick in tiefen Gedanken vor sich hingestarrt hatte – "Ihr Sohn ist nach Tennessee, und wenn – Marion heiratet –"
"Ja, das ist wahr; wird mir sonderbar vorkommen. Nun, ich bin auch nicht schuld daran, habe genug dagegen geschimpft. Ich weiss nicht, ich kann den Prediger nicht leiden."
"Er scheint sonst ein ordentlicher, stiller Mann zu sein!"
"Still? Ja – sehr still; aber – unter uns – er kommt mir gar nicht wie ein Mann vor. Neulich hat ihm Heatcott Sachen gesagt, nach denen ich ihm ein Messer durch den Leib gerannt hätte, e r erwiderte aber nichts. Der Heatcott ist zwar ein wilder Bursche, sein Vater war noch einer von den alten Virginiern, die damals –"
"Wie Sie mir sagten, ist die Hochzeit in vier Wochen, nicht wahr?"
"In vier Wochen – ja – ich hab' ihm gesagt, dass er meine Tochter nicht eher bekommen kann, bis er das Land gekauft, auf dem er wohnt, und sich überhaupt so eingerichtet hat, dass er eine Frau anständig ernähren kann. Man braucht hier im wald gerade nicht viel, aber ein kleines Kapital ist doch nötig; baar Geld ist überhaupt etwas sehr Seltenes, und die Bänke –"
"Wovon ernährt sich Rowson eigentlich? Für sein Predigen empfängt er doch kein baares Geld –"
"Nein – bewahre, er hat aber noch ein kleines Vermögen in Tennessee, acht- oder neunhundert Dollar, wie er mir gesagt hat. Einen teil von dem erwartet er in drei Wochen, und dann hab' ich meine Einwilligung zugesagt – die Mutter ist ganz versessen auf die Verbindung. Ich hätte auch nichts dagegen, aber – der blick von dem Menschen gefällt mir nicht. Es ist sonderbar, was der erste blick manchmal für einen Eindruck macht. In Tennessee, wo ich doch früher wohnte, und wo mein Vater am Wolfriver achtzig Acker Land hatte – Sie kennen doch den Wolfriver? – herrliches Land, und in Memphis, kaum eine halbe Meile davon, ist auch ein vorzüglicher Markt für alle Produkte. – Wie lange ist's nun her, dass ich nicht in Memphis war? Lieber Gott, wie die Zeit vergeht, das war damals, als das erste Dampfboot vorbeikam – die 'New Orleans'. Ja, ja, das muss 1811 gewesen sein – 1811. nachher kam der Krieg wieder und wir marschierten hinunter nach Louisiana, kamen aber zu spät; Old Hickery hatte die Britischen schon geklopft. Dann später, 1815, war der starke Frost, der uns damals die ganze Frucht verdarb – so ein Frost ist mir auch im Leben noch nicht