Farmer im stand ist auszuüben, sobald es die Not und seine eigene Sicherheit erheischt. Die Gefahr ist vorüber, und gern vertauschen wir wieder das Richtschwert mit dem freundlicheren Ackergerät des Landmanns."
Das Uebrige ist bald erzählt:
Was Wilson und Ellen betraf, so hatte diesmal der
alte Roberts, nach einem arkansischen Sprüchwort, keineswegs "unter dem falschen Baum gebellt". Noch in derselben Woche legte der nicht fern wohnende Friedensrichter die hände beider Paare in einander, und während Brown nach Little Rock ritt, den Kauf seines Landes zu besorgen, schrieb Wilson an seine alte Mutter in Memphis, um diese zu sich einzuladen, damit sie an seinem Herde ihre letzten Tage in Ruhe und Frieden verleben könne.
Atkins verliess schon am nächsten Morgen den Fourche la fave, lagerte jedoch noch eine kurze Zeit in der Nähe, um seinen Handel mit Stevenson in Ordnung zu bringen. Dies geschah jedoch durch Curneales' Vermittelung, da er sich nicht entschliessen konnte, wieder freundlich mit dem Mann zu verkehren, durch dessen hülfe er seiner, wenn auch gerechten, Strafe oder Beschimpfung überliefert worden. Mit Wilson hatte er jedoch noch eine Unterredung, und auch Ellen nahm Abschied von ihren Pflegeeltern, ehe sie den Staat auf immer verliessen.
über Cotton konnte man nichts Näheres erfahren; ein Canoe war umgeworfen und mit einem Kugelloch in der Seite unterhalb Harper's haus angetrieben gefunden worden; es lieh sich daher nichts Anderes vermuten, als dass dies dasselbe sei, in welchem die Verbündeten hatten entfliehen wollen; doch blieb Cotton selbst spurlos verschwunden, und da man auch an keinem der Ufer eine weitere Fährte entdeckte, so gewann das Gerücht bald allgemeinen Glauben, der Verfolgte sei, wenn nicht von einer der nachgeschickten Kugeln getroffen, doch mit dem Boote umgeschlagen und durch die Kleider und vielleicht noch sonstiges mitgenommenes Gepäck am Schwimmen verhindert worden und ertrunken. Eben so wenig war von dem Mulatten zu erfahren, obgleich die Männer, die einige Tage darauf Johnson's Leichnam abschnitten und begruben, behaupten wollten, den Schatten seiner dunkeln Gestalt am rand jenes Schiffbruchs gesehen zu haben, der sich vom Uferrande des Fourche la fave aus nach dem Hügel zu erstreckte.
Der advokat von Little Rock hatte sich, gleich nach Beendigung der Versammlung, auf sein Pferd geworfen und war im gestreckten Galopp davongesprengt, doch, nie man später erfuhr, nicht in der Richtung nach Little Rock zu, wo Niemand einen "Wharton" kannte.
Der Indianer lagerte dagegen noch neun Tage nach dem tod des Metodisten neben dem grab seines Weibes, unterhielt dort ein Feuer und brachte ihr nächtlich seine Spenden an Speise und Trank. Am Morgen des zehnten jedoch trat er, mit Decke und Büchse auf der Schulter, marschfertig gerüstet in Harper's Hütte, die, bis ihr eigenes Haus errichtet worden, von den jungen Eheleuten einstweilen bezogen war. Dort reichte er dem Freunde ernst und schweigend die Hand zum Abschied.
"Und will der 'befiederte Pfeil' sein Leben nicht bei seinen Freunden beschliessen?" fragte ihn Brown herzlich; "Assowaum hat Niemanden, der für ihn kochen und seine Moccasins nähen wird. Will er das Dach meiner Hütte mit mir teilen?"
"Du bist brav!" sagte der Indianer, indem er freundlich mit dem kopf nickte; "Dein Herz hat denselben Sinn wie Deine Worte, aber Assowaum muss jagen. Die weissen Männer haben das wild am Fourche la fave getödtet; die Fährten der Hirsche sind selten geworden, und Bären kommen nur noch als Wanderer in die Niederungen dieser Täler. Die Heerden der Weissen haben die Rohrdickichte der Sümpfe gelichtet, und der Bär sieht sich in ihnen umsonst nach einem Lager um. Assowaum ist krank; Büffelfleisch wird ihn gesund machen. Er zieht nach Westen."
"Dann gehe wenigstens nicht so weit, und wenn Du des Umherwanderns müde bist, kehre zurück zu uns; Du hast hier eine Heimat."
"Mein Bruder ist gut – Assowaum wird daran denken."
"Und Ellen? – Hast Du von ihr schon Abschied genommen?" fragte ihn Brown.
"Assowaum vergisst nimmer Die, die ihm Gutes erwiesen," sagte der Indianer. "Das junge Mädchen rettete sein Leben, aber mehr noch – es rettete seine Rache. – Mein Pfad führt an ihrem haus vorbei – Good bye!"
Noch einmal schüttelte der Häuptling warm und innig des weissen Freundes Hand – ebenso die "seiner jungen Gattin – noch einmal winkte er den letzten Gruss zurück, und im nächsten Augenblick schloss sich das volle Laub der Büsche hinter ihm, als er, die Fenz überspringend, im Wald, im grünen, blühenden, duftigen Wald verschwand.
Friedrich Gerstäcker
Die Flusspiraten des Mississippi
Aus dem Waldleben Amerikas