Augen vortrat und den Neffen fest an's Herz drückte – "Mordschlingel – tut gar nicht, als ob er einen Onkel hätte."
"Ihre Güte kenn' ich, lieber Onkel," rief, ihn freudig umarmend, der junge Mann, "und auch für Sie soll hoffentlich jetzt ein freudigeres, fröhlicheres Leben erblühen."
"Ha," sagte Harper, indem er sich mit dem Rockärmel schnell über die Augen fuhr, den Neffen losliess und die künftige Nichte beim kopf nahm: "es tut auch not, dass d a s L eben einmal aufhört. Lange hätt' ich's übrigens so nicht mehr ausgehalten; hier Bahrens und ich, wir wollten schon im nächsten monat eine Wanderschaft antreten."
"Wohin?" fragte Madame Roberts erstaunt.
"Wohin?" sagte Harper – "nirgends hin, hier bleiben, aber heiraten. Jetzt feixt der Junge wieder, als ob ich zu alt zum Heiraten wäre. Höre, Bursche –"
"Dort kommen Reiter!" rief Bahrens, nach der Flussgegend zeigend, und gleich darauf sprengten auch Stevenson, Hook und Curtis auf den freien, die Farm umgebenden Platz.
Stevenson begrüsste die Frauen, die er als alte Freunde und Nachbarn kannte, herzlich, schüttelte aber lachend mit dem Kopf, als ihm Mrs. Roberts Vorwürfe machte, seine Frau und Töchter nicht einmal zu ihr geführt zu haben. Sie habe die, wie sie meinte, in so langer Zeit nicht gesehen und hätte sie so gern einmal wieder gesprochen.
"Wir können morgen hinaufreiten," sagte Roberts.
"Ist nicht nötig!" rief dagegen Stevenson, "Ihr werdet uns schon noch Alle satt und müde werden."
"Wie so? Ihr bleibt hier?" fragte Roberts schnell.
"Ich habe Atkins' Farm gekauft," sagte der alte Tennesseer. "Die Gegend hier gefällt mir – der arme Teufel wollte fort, und – da bin ich handelseinig mit ihm geworden."
"Ihr könnt ja aber den Platz noch nicht einmal besehen gaben, denn an jenem Abend –"
"Ist auch nicht nötig," lachte Stevenson. "Sagt er mir nicht zu, nun so läuft mir Crawford County immer nicht fort. Ost er aber so, wie ihn Mr. Curtis und Cook hier schildern, dann brauch' ich nicht weiter zu ziehen. Die Nachbarn gefallen mir ebenfalls, und da unter dem Pack der Pferdediebe ein wenig aufgeräumt ist, so fange ich an einzusehen, dass der Fourche la fave gar nicht so schlimm sei, als ihn die Leute machen."
"Brav, Stevenson, brav!" rief Roberts, ihm voller Freude beide hände schüttelnd. "Heute ist ein Glückstag. Mord – ja so – der Teu – oh – Füchse und Wölfe – höre. Alte, heute musst Du mir einmal einen Fluch zu Gute halten, es kommt sonst nicht so herzlich heraus, wie ich's meine. Aber verdammt will ich sein, wenn ich die Zeit weiss, wo ich so vergnügt gewesen bin. Kinder – wo ist denn Ellen? das brave Mädchen darf nicht fehlen –"
"Im haus," sagte Brown.
"Allein im haus? ei, weshalb kommt sie denn nicht zu uns? Die gehört von jetzt an mit zur Familie."
"Dass sie nicht a l l e i n ist," erwiderte ihm lächelnd Brown, "dafür hat, glaube' ich, Mr. Wilson sorge getragen."
"Pu – uh!" sagte Roberts – "dort sitzt der Trutahn? Nun so kommt Kinder, da sie nichts von uns wissen will, müssen wir s i e aufsuchen. Ihr seid aber Alle meine Gäste, und Stevenson, alle Wetter, wo ist denn Euer Junge?"
"Den hab' ich den Frauen geschickt, um sie zu beruhigen," sagte der Alte.
"Recht so; also Stevenson muss seine Familie morgen ebenfalls herunterholen; wir schlagen hier ein Lager aus, und in nächster Woche – oder sobald es den jungen Leuten gefällig ist – denn die haben doch wohl dabei die Hauptstimme – oder nehmen sie sich wenigstens, was, wenn man es bei Tage –"
"Betrachtet, vollkommen recht ist," unterbrach ihn lachend Harper – "halten wir also Hochzeit, und nachher" fuhr er mit einem komischen Seitenblick auf Brown fort, "lässt ein gewisser junger Mann seinen alten Onkel hier allein auf dem Trocknen sitzen, besteigt einen zu diesem Zweck besonders angeschafften Fuchs und reitet nach –"
"Little Rock – Onkelchen," fiel Brown, ihm die Hand hinüber reichend, ein – "um dort das Land zu kaufen, auf dem er von nun an am Fourche la fave mit eben diesem alten Onkel und seinem jungen Weibchen leben will."
"Und wird Euch Regulatoren der Gouverneur nicht zürnen, dass Ihr seine gesetz gebrochen?" fragte Marion schüchtern den Geliebten, indem sie sich fester und inniger an seine Brust schmiegte.
"Mag er," sagte lächelnd der junge Mann, die Stirn der holden Jungfrau mit leisem Kusse berührend. "Wir haben unsere Rechte verteidigt und die Brut vernichtet, die giftgeschwollen diese herrlichen Wälder durchkroch. Seine Machtlosigkeit gerade war es, die jene Verbrecher glauben machte, dass sie, wenn auch nicht unentdeckt, doch ungestraft Untat nach Untat begehen könnten. Unser Regulatorenbund hat ihnen aber die Gewalt gezeigt, die der einfache