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der wilden westlichen Stämme, kannte ihre erbarmungslose Grausamkeit, und in wildem, gellendem Schmerz und Angstschrei machte sich seine Brust Luft, während er umsonst gegen seine Banden anwütete. Der Indianer wehrte ihm nichtein Knebel würde jedem weiteren Schmerzensruf ein Ende gemacht haben, aber nein, jener Ton war Musik für sein Ohr, und lächelnd bog er sich nieder und blies mit seinem Hauch das qualmende Laub zur Flamme an. Das geschehen, trug er eine Menge schnell gespaltene Kienspäne herbei, und bald loderte im feurigen Kreise, rings an den Wänden der Hütte entzündet, ein Flammenstreifen empor und leckte züngelnd und gierig an den trockenen Stämmen.

Lauter und dröhnender scholl der gellende Hülferuf durch den stillen Wald, aber sorgsamer nur nährte der Indianer die Flamme, dass sie auf keiner Seite verlöschte und bald wie mit einem Feuermeer in weitem Zirkel das Opfer umgab.

Jetzt erst, als die Hitze unerträglich wurde und ihm selbst an mehreren Stellen die Haut in Blasen zog, verliess er das gluterfüllte Gemach und begann draussen mit geschwungenem Tomahawk und in lauten, jubelnden Tönen seinen Sieges- und Triumphgesang.

Schauerlich gellte dazu das Wehgeheul des Priestersschauerlich knisterten und sprühten dazu die qualmenden, flackernden Stämme, deren Rauch sich schwerfällig in das grüne Laubdach hinaufdrängte und sich dort Bahn brach, in die klare, helle Frühlingsluft hinein. Dort aber blieb er liegen; wie ein düsterer, unheimlicher Schleier lagerte sich der gelblichgraue Qualm auf dem Blättermeer, dem er kaum entstiegen.

Wilder und entsetzlicher wurden die Hülferufe des Gepeinigten, und lauter und jubelnder schallte dazu der Festgesang der Odjibewas, dass ein Wolf, der unfern von dort sein still verstecktes Lager gehabt, scheu emporsprang und entfloh, ein ruhigeres, heimlicheres Bett zu suchen.

Da krachte endlich das Sparrwerk des morschen Dacheshochauf spritzten und sprühten die Funken – e i n wilder Schmerzensschrei brach noch aus der emporzüngelnden Glutschwarzer Qualm wälzte sich rollend daraus hervor, undAlles war vorüber.

Blutrot sank hinter dem fernen Bergrücken die Sonne hinab; aber neben der Brandstätte stand mit geschwungener Waffe der rote Krieger und sang in einförmiger, wilder Weise sein Rache- und Siegeslied:

Alapaha!

Aus dem grab, aus dem finstern

grab steige,

Eile, eile wie in frühern zeiten

Zu mir, Liebchen,

Denn Dein Blut, es ist gesühnet;

In der Flamme

Zuckt und stirbt Dein MörderAlapaha!

Untenunten,

fest am Buden lag ich lauschend

Hier im Tale,

Und ich hörte Deine Stimm' im grab

Untenunten,

Deine leisen, leisen Klagen,

Und sie riefen

Mahnend mich zur Rache. – Sieh, ich folgte.

Aus den Gluten

Schrill und laut ertönt sein Wehschrei,

Alapaha,

Heulend reisst er an den Banden,

Doch vergebens,

Schwach und schwächer wird sein machtlos Toben,

Und gesühnt ist

Endlich meine Rache! – endlich! endlich!

39.

Schluss.

"Also ernstlich gut seid Ihr dem Mädchen die ganze Zeit über gewesen, Brown, und habt mir nicht ein einziges Wort davon gesagt?" fragte diesen der alte Roberts, während er die Hand des jungen Mannes fest in der seinigen hielt.

Brown drückte sie schweigend; dann erwiderte er herzlich:

"Was hätt' es geholfen, Sir? Ich war zu spät gekommen und durfte mich nicht beklagen."

"Und jener Schurke hätte Euch beinahe –"

"Er ist bestraft," fiel ihm Brown in die Rede. "Nun aber sagt auch Ihr mir gerad' und frei heraus, wollt Ihr mir das Glück Eurer Tochter anvertrauen?"

"JaBlitz und Hagel," lachte der Alte ganz erstaunt – "Ihr fragt mich da, als ob ich überhaupt bei der ganzen Verhandlung ein Wort zu sagen hätte. Bin ich denn bei Rowson –"

"Roberts," unterbrach ihn bittend die Mutter.

"Aber das Mädchen," rief dieser kopfschüttelnd – "das ist doch hierbei immer die Hauptperson."

"Vater," bat Marion, die bis jetzt ihr Köpfchen am Herzen der Mutter geborgen hatte und nun liebend den Hals des alten Mannes umschlang.

"Ah!" sagte dieser, halb lachend, halb verwundert – "so stehen die Sachen? Ja, wenn das wild gleich aufbäumt, hat der Jäger leichte Jagd. Uebrigens –" rief er, nach Brown mit dem Finger hinüberdrohend, während er die Stirn seines lieblichen Kindes küsste – "scheint mir der Herr nicht erst seit heute auf der Fährte zu sein."

"Und die Mutter?" fragte Brown, dieser das holde Mädchen entgegenführend.

"Nehmt sie hin, Sir," sagte die alte Frau zitternd – "sie scheint Euch gut zu sein, und ichich habe mir leider das Recht vergeben, für sie eine Wahl zu treffen."

"Mutter," bat Marion, "rede nicht so; Du glaubtest ja doch nur für mein Glück zu sorgen."

"Ja, das glaubte ich, Kind; der Allmächtige ist mein Zeuge. Das glaubte ich mit fester, inniger überzeugung; aber der Herr allein kennt die Herzen der Menschen; wir armen Sterblichen sind schwach und blind."

"DankDankherzlichen Dank, Ihr Guten," rief Brown, indem er die holde Jungfrau an sein Herz schloss. "Sie sollen hoffentlich nie bereuen, mir Ihr einziges Kind anvertraut zu haben."

"Und mich fragt der Junge gar nicht," sagte jetzt Harper, der mit nassen