wer wird Dir je für jene fürchterliche Täuschung Ersatz geben können?"
"B r o w n ! wahrhaftig – dort kommt er angesprengt," rief der alte Roberts, während Marion erst erschreckt zu ihm aufschaute und jetzt zitternd und errötend ihr Antlitz an der Brust der Mutter barg.
"Und dort ist auch Wilson," rief Harper – "nun, jetzt werden wir erfahren, wie Alles abgelaufen ist."
"Sie sehen ernst und feierlich aus," sagte Bahrens.
"Ein ernstes und feierliches Geschäft war es auch, das sie beendet," erwiderte Roberts; "aber ein schönes und herrliches Recht haben sie zugleich dabei ausgeübt, das Recht des Selbstschutzes – der Selbstverteidigung, und das wollen wir uns in Arkansas bewahren, so lange wir noch Mark in den Knochen und Blut in den Adern haben."
In diesem Augenblick sprengten die beiden Männer heran, warfen sich von den Pferden, übersprangen die Fenz und begrüssten mit herzlichem Wort und Händedruck die Freunde.
Fussnoten
1 Eine Benennung der obersten, durch besondere Stützen hoch gestellten Fenzstangen.
38.
Die Rache des "befiederten Pfeiles".
Leise und geräuschlos glitt unter dem überhängenden, schwankenden Rohr, unter den wehenden, schaukelnden Weiden, die sich weit hineinbeugten in das grüne Bett des fröhlich plätschernden Stromes, ein kleines, schmales Canoe, von sicherer Hand geführt, dahin. Kein laut wurde gehört, als sich nach jedesmaligem Schlage das Ruder blitzesschnell aus dem wasser hob; kein laut wurde gehört, wenn es eben so rasch wieder eintauchte in die Flut. Der Hirsch, der zum wasser heruntergekommen war, trank ruhig weiter; kaum fünfzig Schritt von ihm glitt der dunkle Schatten vorüber, still und geisterhaft – er sah ihn nicht, und erst als er schon in weiter Ferne, mit Rohr und Busch, unter dem er hinschoss, verschwamm, stutzte das scheue wild, warf den schönen Kopf in die Höhe, schnaubte, stampfte das kiesige Ufer, auf dem es stand, mit dem Vorderlauf und trabte dann langsam und stolz in sein kaum verlassenes Dickicht zurück. Die verräterische Luft hatte den Hauch seines Feindes zu ihm herübergetragen.
Leise und geräuschlos glitt das Canoe dahin, und nur die wirbelnden Luftblasen, die sprudelnd und kochend, von dem kräftigen Ruderschlag gelockt, an die Oberfläche kamen, kündeten die Bahn, die es genommen, wie sie in kleinen, einzelnen Strudeln schnell entstanden und von der Strömung, die sie erzeugt, wieder aufgelöst und vernichtet wurden.
Der Indianer steuerte das Canoe, und im Vorderteil desselben lag, gebunden und ohnmächtig vor Angst und Erschöpfung, der Metodist.
Jetzt richtete sich der Schnabel des kleinen schlanken Fahrzeugs über den Fluss hinüber; wenige Minuten darauf trieb er vorn auf die glatten Kieselsteine der seichten Uferbank und hielt. Rowson schlug die Augen auf und sah umher, aber schaudernd erkannte er die Stelle, wo er in jener Nacht das Weib des Mannes ermordet hatte, dessen Gefangener er jetzt war, und vor dessen Rache ihn keine Macht der Erde mehr schützen konnte.
Das Boot landete und Assowaum sprang an das Ufer, schlang die Weinrebe, die ihm zum Ankertau diente, um eine dort stehende kleine Birke, trat dann zurück neben sein Fahrzeug und hob leise und vorsichtig seinen Gefangenen heraus.
"Was willst Du tun, Assowaum?" flehte dieser mit heiserer, zitternder stimme. – Keine Antwort ward ihm. – "Rede nur, um aller Heiligen willen, rede!" rief der meineidige Priester in Verzweiflung – "sprich, und lass mich das Schrecklichste wissen." Schweigend trug ihn sein Henker das Ufer hinauf und in die Hütte, den Schauplatz seines Verbrechens, hinein.
Entsetzt wandte Rowson sein Antlitz von der nur zu wohl bekannten Stätte und schloss die Augen. Ruhig aber legte ihn Assowaum in der Mitte der Hütte, dicht neben einem der kleinen dort emporgewucherten Hickory-Schösslinge nieder, und kein laut unterbrach dann weiter das grabesähnliche Schweigen des Platzes, als das schwere Atmen des Unglücklichen selbst. Es war dieselbe Stelle, auf der Alapaha's Leiche gelegen hatte. Da ertrug der Metodist nicht länger die peinigende Ungewissheit seiner Lage; er blickte empor und sah dicht neben sich den Indianer, niedergekauert wie zum Sprung, und die kleinste seiner Bewegungen aufmerksam und sorgfältig bewachend, sonst aber untätig und, wie es schien, ganz in dem Anschauen seines Opfers verloren. Ein triumphirendes Lächeln durchzuckte jedoch seine dunkeln Züge, als er den Ausdruck der Angst und des Entsetzens in dem Antlitz seines Opfers gewahrte, und leise hob er sich jetzt empor, nahm von seinem Gürtel das lederne Fangseil und fesselte die schon überdies gebundene Gestalt des Gefangenen sorgsam und unlösbar an den jungen, zähen Stamm, neben dem sein Körper lag.
Vergebens bot ihm der Unglückliche Schätze und Reichtümer; vergebens erzählte er ihm von Gold, das er vergraben, und das er Alles ihm, dem Feinde, geben wolle, wenn er ihn frei liesse, oder wenigstens seiner Qual mit einem Streich des Tomahawks ein Ende mache. Schweigend, als ob er die Worte nicht verstände, die Jener in leidenschaftlicher Rede in sein Ohr hauchte, vollendete der "befiederte Pfeil" das Werk der Rache, und machtlos, hände und Füsse gebunden, durch den jungen Baum aber an den Boden gefesselt, verliess ihn der Indianer auf wenige Augenblicke und kehrte dann mit etwas trockenem Laub und dürrem Reisigholz zurück.
Jetzt durchschoss zum erstenmal eine dunkle Ahnung das Hirn des Unglücklichen. – Er kannte die Sitte