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hülfe!"

Assowaum umschlang, ohne weiter eine Antwort der Regulatoren abzuwarten, die arme seines Opfers mit der ledernen Fangschnur und nahm den sich wütend, aber machtlos Sträubenden wie ein Kind in seine arme.

"Gentlemendas ist entsetzlich!" sagte der advokat schaudernd – "Sie wollen doch nicht zugeben, dass der Wilde den Mann in den Wald schleppe und dort zu tod martere?"

Keiner der Regulatoren antwortete eine SilbeAlle starrten schweigend den Indianer an, dessen Züge aber, unverändert und ruhig, nicht das Mindeste von dem verrieten, was in seiner Seele vorging. Selbst Johnson schien für den Augenblick die Gefahr seiner eigenen Lage vergessen zu haben.

"Erbarmen!" schrie Rowson – "ich bin dem Lynchgesetz verfallenErbarmenrettet mich vor dem Teufel, der mich gefasst hat."

Der Indianer trat mit ihm aus dem Kreis und schritt den schmalen Fusspfad, der in die Niederung und von da an den Fluss führte, hinab.

"Neindas darf ich nicht dulden!" rief der Fremde und eilte dem Häuptling nach, entschlossen, den Unglücklichen wenigstens aus dieser Gefahr zu retten. Als aber Assowaum die Schritte hinter sich hörte, wandte er sein Antlitz dem Advocaten zu und rief drohend:

"Folge mir auf meiner dunkeln Bahn, und Du kehrst nie wieder zu den Deinen zurück – i c h k e n n e D i c h !"

"Rettet mich!" flehte Rowson – "rettet michbei Eurer Seele Seligkeit!"

Assowaum wandte sich und war im nächsten Augenblick mit seinem Opfer im Dickicht verschwunden. Wharton aber blieb wie in den Boden gewurzelt stehen und starrte träumend und fast bewusstlos der langsam fortschreitenden Gestalt des roten Kriegers nach.

Aber auch auf dem Hügel wagte Keiner die feierliche Stille zu unterbrechen. Jeder verharrte mit tiefgefühltem Entsetzen in seiner Stellungkaum zu atmen wagten die Männer und nur Brown schritt leise und geräuschlos an den Rand des Felsens, der den Fluss überragte, und schaute, den Arm um eine junge Eiche geschlungen, hinab auf das Flussbett. Dort aber glitt in seinem Canoe der Indianer mit langsamen, ruhigen Ruderschlägen dahin, und vorn im Boot lag die gebundene Gestalt des Metodisten.

Jones' Wehegeschrei weckte die Männer zuerst wieder aus ihrer Betäubung; der Kanadienser, der in dem Rachewerk des Häuptlings weiter nichts Ausserordentliches gesehen, hatte die ruhige Zeit indessen dazu benutzt, den kleinen schwächlichen Mann an einen jungen Dogwoodstamm zu binden und liess nun mit dem besten Willen von der Welt das schwanke Holz auf seinem rücken herumtanzen. Er kümmerte sich auch wenig darum, dass dieser, sich unter den schmerzhaften Schlägen windend, schrie und jammerte, er habe schon sechzigeinundsechzigzweiundsechzigdreiundsechzig Schläge bekommen.

Brown legte sich endlich in's Mittel und befreite den Gezüchtigten von seinem Executor, der keineswegs gesonnen schien, sich an die einmal zugeteilte Anzahl Streiche zu kehren. "Da er doch einmal dabei sei," wie er aufrichtig genug sagte, "wolle er dem Burschen den Appetit für Pferdefleisch gleich für immer benehmen."

Eine andere Abteilung hatte indessen Johnson unter den zu seiner Hinrichtung bestimmten Baum geführt. Bowitt ermahnte ihn, noch einmal zu beten. Als Antwort aber spie ihn der Verurteilte an und wandte ihm verächtlich den rücken. Kein Wort, weder Bitte noch Klage, kam über seine Lippen; die Regulatoren aber, durch diesen letzten Beweis von Frechheit empört, warfen ihm ohne weitere Umstände die Schlinge um den Hals, hoben ihn auf ein Pferdder Neger musste an dem Baum hinauf und das Seil an einem vorragenden Ast befestigen, und Curtis nahm dem Pony, das ruhig unter der ihm aufgebürdeten Last stand, den Zügel ab.

Johnson's Ellbogen waren ihm auf den rücken zusammengebunden, und er sass hoch aufgerichtet im Sattel; das Seil richte gerade hinauf. – Sobald das Pferd aber nur einen Schriet vorwärts tat, das Gras abzupflücken, das im Ueberfluss auf dem Kamm des Hügels wuchs, war es um ihn geschehen.

Das Pony rührte und regte sich jedoch nicht und schaute mit seinen grossen dunkeln Augen von einem zum andern der Männer, als ob es wisse und verstehe, wie alle Blicke, erwartungsvoll an ihm hingen.

"Was sollen die Faxen?" rief Johnson jetzt halb ärgerlichhalb ängstlich, während ihm der kalte Angstschweiss auf die Stirn trat – "nehmt das Pferd fort und macht ein Ende!"

Es hätte nur eines Schenkeldrucks von ihm bedurft, und das Pony wäre vorgesprungenaber er bewegte kein Glieddas Tier, das ihn trug, eben so wenig.

Brown schwang sich in den Sattel und sprengte den Hügel hinunter. – Ihm folgten die Uebrigen, von denen einige jedoch Wharton im Auge behielten. Jones war ebenfalls zurückgeblieben, aber der Kanadienser hütete den schon, dass er das gesprochene Urteil nicht vereitelte.

Das Pferd des Verurteilten stand noch immer unbeweglich, und Johnson schaute halb trotzig, halb verzagt nach Jones hinüber.

"kommt," sagte der Halbindianer jetzt zu diesem – "was Ihr im Sinne habt, weiss ich wohldem Mann sollt Ihr aber den Spass nicht verderbenfort mit Euch!"

"Aber so lasst doch –"

"Fort mit Euch, sag' ich, oderwir sind jetzt allein –" er schwang bei diesen Worten einen der noch vorrätig abgeschnittenen Stöcke. Im nächsten Augenblick verliessen die Männer den Platz, und Johnson sass allein auf dem