den Gefesselten zu. Brown warf sich aber dazwischen und rief:
"Halt! Zur Ordnung, Ihr Männer von Arkansas. Wir müssen vorher den Prediger verhören; die Geschworenen sprechen dann das Urteil."
"Gut denn – Rowson vor – den Metodisten her!" schrie die Menge und zog sich wieder, den Raum in der Mitte frei lassend, zurück.
Rowson war, als er seinen Namen auf den Lippen der tobenden Menge hörte, erschrocken und leichenblass emporgefahren. Vergebens bemühte er sich aber aufzustehen, die Banden hielten ihn nieder, und Assowaum musste diese erst lösen und dann den durch Blutverlust und Angst Geschwächten auch noch unterstützen, ehe er im stand war, sich in die Höhe zu richten. Doch versagten ihm seine Glieder den Dienst; zitternd und bebend schlugen ihm die Kniee aneinander, und er wäre wieder zu Boden gesunken, hätte ihn nicht sein sorgsamer Wächter gefasst und aufrecht gehalten. Erst als er sich einen Augenblick gesammelt, führte ihn Assowaum vor die auf dem grünen Rasen gelagerten Männer des Geschwornengerichts.
"Jonatan Rowson," redete ihn hier ernst und streng der Regulatorenführer an, "Ihr steht vor Euren Richtern. Man hat Euch angeklagt –"
"Halt – halt – nicht weiter," sagte mit leisem, flüsterndem Ton und wild und ängstlich umherschleifenden Augen der Priester – "nicht weiter. – Ihr sollt mich nicht anklagen – ich will Alles gestehen – Alles verraten – als 'State's Evidence' dürft Ihr mich nicht verletzen. Ich werde dadurch selbst – ich gehöre mit zum Gericht – ich will –"
"Die Pest über Deine feige, erbärmliche Seele," schrie Johnson entrüstet – "sehe Einer, wie die Memme zittert."
"Wenn Ihr die Zähne noch einmal von einander bringt, ohne dass Ihr gefragt werdet," rief Hostler, der hier Sheriffs-Dienste versah, "so klopf' ich Euch mit dem kleinen Stück Hickory hier den Schädel ein – verstanden?"
Johnson schwieg zähneknirschend still.
"Ihr dürft mich nicht morden!" rief Rowson, dem der klare Angstschweiss in grossen Perlen auf Stirn und Schläfen stand – "oder – Ihr müsst mich wenigstens vor dem Teufel hier schützen, der über meinen Körper wacht, als ob er der Seele habhaft zu werden hoffe. Ich will Alles gestehen – ich erkläre mich hiermit für S t a t e ' s E v i d e n c e ."
Ein Murmeln der Verachtung durchlief die Reihen der Regulatoren, Brown aber nahm das Wort und sagte, sich zu dem Unglücklichen wendend, der flehend die gefesselten hände gegen ihn emporhob:
"Zu spät kommt diese Reue, Rowson, selbst d a s kann Euch nicht retten. Dreimal des Mordes angeklagt, des schändlichen Verrates gar nicht zu gedenken, mit dem Ihr Euch in die Familien dieser friedlichen Gegend schlichet, seid Ihr dem Gericht verfallen. Habt Ihr noch etwas zu Eurer Verteidigung zu sagen?"
"Da kommt Husfield mit den Uebrigen," rief Cook, "von den beiden Entflohenen bringen sie aber keinen zurück."
Husfield ritt in diesem Augenblick bis ziemlich dicht an die Gefangenen hinan, warf ein Bündel, das er vor sich getragen hatte, zur Erde nieder, sprang aus dem Sattel und überliess das Tier sich selbst.
"Etwas Neues noch, Husfield, was Licht auf die verschiedenen Anklagen werfen könnte?" fragte Brown.
"Nichts Erhebliches," erwiderte der Regulator, "hier den alten Rock, der mir übrigens verdächtig vorkam, weil er so sorgfältig gewaschen schien und versteckt lag."
"W a h !" sagte der Indianer, der hinzugetreten war und auf die Stelle zeigte, an der einer der hörnernen Knöpfe fehlte – "diesen Knopf erfasste Alapaha im Todeskampfe – und hier – hier war die Wunde."
Ohne weiter eine Antwort abzuwarten, schritt er zu dem laut- und regungslos dastehenden Priester, nahm sein Scalpirmesser aus dem Gürtel und schlitzte den linken Aermel bis an die Achsel auf, wo die rote, kaum geheilte Narbe von dem Tomahawk der Indianerin sichtbar wurde. Ruhig deutete Assowaum darauf hin und sagte leise:
"Er ist der Mörder!"
Alles schwieg – es war, als ob sich Jeder scheue, die schauerliche Stille zu unterbrechen, und Rowson's Blicke flogen ängstlich von Antlitz zu Antlitz, nur ein einziges zu finden, aus dessen Zügen Mitleiden und Erbarmen spräche. – Sie standen Alle – Alle starr und kalt, und der finstere Ernst, die zusammengezogenen Brauen verkündeten sein nahes Schicksal.
"Diese Brieftasche," sagte Brown endlich, "fand man ebenfalls bei dem unglücklichen Mann hier, der, wie es scheint, Verbrechen auf Verbrechen häufte, um seine dunkeln Zwecke zu erreichen. Die Summe, die hierin entalten ist – elfhundert Dollar –, entspricht etwa der, die jener am Ufer des Arkansas erschlagene Viehhändler bei sich getragen haben soll. Mr. Stevenson hat Rowson als denselben Mann erkannt, den er an jenem Tage, wenige Minuten vor der verübten Tat, mit dem Ermordeten gesehen."
"Kennt Ihr dieses Federmesser – Rowson?" fragte er dann mit leiser stimme den bleichen Mörder – "kennt Ihr diese Blutspuren daran?"
Rowson wandte sich schaudernd ab und stöhnte, auf Johnson deutend:
"Der da gab den Rat – warum m i r das Alles – warum jedes Verbrechen auf m e i n e Schultern?"
"Und Ihr gesteht ein, dass Ihr schuldig