1846_Gerstcker_144_176.txt

Brown, als zwei Männer vom Petite-Jeanne, Stevenson, Curtis, der Kanadienser und Cook als Kläger gegen die Angeschuldigten aufgetreten waren.

"Mit Ihrer Erlaubnis will i c h das übernehmen," sagte da vortretend der fremde Advokat – "mein Name ist Wharton, ich bin advokat in Little Rock und glaube nicht, dass Sie jenen Unglücklichen einen Fürsprecher verweigern werden."

Einige der Regulatoren wollten hiergegen etwas einwenden, doch Brown nahm das Wort und erklärte dem Fremden, dass sie bereit wären, ihm die Verteidigung der Verbrecher zu gestatten. Er solle aber bedenken, dass sie hier, unabhängig von der Macht des Staates, ein freies Lynchgesetz gebildet hätten und ihren grundsätzen dabei, was auch immer die Folgen sein möchten, getreu bleiben wollten.

"Verteidigen Sie aber diese Leute!" fuhr er dann, Mr. Wharton freundlich die Hand reichend, fort. "gibt es etwas, das zu ihrem Vorteil sprichtdesto besser. Fern sei es von uns, Unrecht tun zu wollen; aber wehe auch den Schuldigen. Die gesetz des Staates waren zu schwach und ohnmächtig, uns zu beschützenhier stehen wir jetzt, die Bewohner dieser herrlichen Wälder, und schützen uns selber. – Doch die Zeit vergeht und wir haben einen schweren Tag vor uns. Wir wollen beginnen."

Die Anklagen begannen jetzt; zuerst gegen Atkins und Weston als die Hehler, und gegen Jones als den Stehler oder Zuführer von geraubten Pferden. Da es aber an Zeugen für früher verübte Diebstähle fehlte, beschränkte man sich hier ganz allein auf den zuletzt vorgekommenen und entdeckten Fall.

Das geheime Versteck für entwendete Pferde war genau untersucht worden und die Schuld des angeklagten Atkins dabei ausser allen Zweifel gesetzt. Hatten sie doch nicht allein die Pferde des Kanadiensers, sondern auch noch zwei andere, vor kurzer Zeit einem Ansiedler am Fourche la fave entführte Tiere bei ihm gefunden, so dass er sich zuletzt zu seiner Schuld selbst bekennen musste.

Weston wurde dann vorgeführt, leugnete aber standhaft Alles, bis einer der Männer vom Petite-Jeanne darauf drang, ihn zum geständnis zu zwingen und so lange zu peitschen, bis er bekenne.

Hiergegen protestirte nun freilich Mr. Wharton vollkommen und nannte das "grausam" und "inquisitionsartig". Es half ihm aber nichtsdie Mehrzahl stimmte für "Dogwood". Der Unglückliche ward denn auch ohne Weiteres an einen dieser Bäume angeschnürt und mit den schwanken Schösslingen eines Hickorybusches gepeitscht, bis ihm das Blut von den Schultern rann und lange schwarze Striemen ihm über die Seiten bis auf die Brust liefen, da die Spitzen des elastischen Holzes sich wie Fischbein herumgelegt hatten.

Der Schmerz presste ihm endlich das Bekenntniss seiner eigenen Schuld aus. Aber keine Qual der Hölle war im stand, einen einzigen Namen der Mitschuldigen über seine Lippen zu bringen, und ohnmächtig brach er zuletzt unter den Streichen zusammen.

Die Regulatorenaufgeregt durch das Blut und entrüstet über das stöckische Schweigen des Verbrechers, wie sie es nannten, dürsteten nach seinem Leben und riefen wild durcheinander:

"Hängt ihnan die Eiche mit ihm! – Er hat gestanden, dass er Pferde gestohlen hat, was sollen wir uns länger mit ihm aufhalten!"

Brown aber schlug sich hier in's Mittel und erklärte, dass dies gegen das ausgemachte Gerichtsverfahren sei. – Es sollten nämlich erst Alle gehört werden, und die Jury hatte nachher über Leben und Tod der Gefangenen zu entscheiden.

Jones' Schuld lag klar und deutlich vor, und es herrschte darüber nur e i n e Meinung; selbst Wharton vermochte wenig zu seinen Gunsten zu sagen. Jetzt aber galt es, das schwerere Verbrechen, den Mord Heatcott's, zu prüfen, und als Ankläger gegen Johnson und Rowson traten hierbei Curtis und der Krämer Hartford auf, nach dem auf Verlangen des Indianers gesandt war.

Hartford hatte nämlich erst vor wenigen Tagen eine jener Banknoten durch zweite Hand von Rowson empfangen, die er früher bei Heatcott selbst gesehen. Sie war von der Louisiana-Staat-Bank und trug noch als besonderes Kennzeichen den Namen eines früheren Eigentümers auf der Rückseite.

Johnson's und Rowson's Fährten hatte der Indianer später mit den an seinem Tomahawk bemerkten Zeichen verglichen und übereinstimmend gefunden.

"Johnson hat ferner noch versucht, den Indianer zu ermorden," sagte Brown, "wir Alle –"

"Wozu die schöne Zeit mit weiteren Anklagen versäumen," unterbrach ihn Einer aus der Mitte. "Der Schuft hat wegen des einen Mordes das Hängen verdientspräche ihn aber die Jury wirklich davon frei, was ich sehr bezweifle, so ist's immer noch Zeit zu dem andern."

Wharton wollte jetzt auftreten und den Angeschuldigten verteidigen; ehe er aber nur seine Rede beginnen konnte, fuhr dieser, trotz den zusammengebundenen Armen, empor und rief trotzig:

"Schweigt mit Euren Salbadereien. Die Schurken sind einmal entschlossen, mich zu hängen, und werden es tundie Pest in ihren Hals; ich will ihnen aber wenigstens nicht den Gefallen tun, zu zittern und zu kriechen. Ja, M e m m e n Ihr –, die Ihr zu zwanzig über einen einzelnen Mann herfallt; ich h a b e den Regulator erschossen, und Gott soll mich verdammen, wenn ich nicht Eurer ganzen Bande mit Wollust die Kehle durchschneiden könnte."

"Fort mit ihm an die Eicheforthängt die Canaille!" schrieen die Meisten, und Einige sprangen sagar schon auf