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Gesicht. Brrrrmich schaudert's, wenn ich mir die blutdürstigen Gefühle denke, die bei dem sanften blick dem Indianer durch Kopf und Herz zucken. Solche Wilde sind doch entsetzliches Volk."

"Ich möchte nicht in des Metodisten Haut stekken," murmelte Cook – "nicht für alle Schätze des Erdballs. Wenn den die Regulatoren frei gäben, biss ihm der Indianer, glaube' ich, die Kehle auf und söffe sein Blut."

"Die Wunde wird ihm nicht erlauben zu reiten," sagte Stevenson, der Rowson's Arm indessen untersucht hatte – "der Knochen ist zerschmettert."

"Glaubt Ihr, dass die Wunde gefährlich ist?" fragte der Indianer, wie aus einem Traum erwachend.

"Wenn er reiten muss und Erkältung dazu schlägt, ja," entgegnete Stevenson. – "Die Nacht ist feucht. Ein hinzutretendes Fieber könnte ihn tödten."

"Ich trage ihn," sagte der Indianer.

"Wen?" fragte Bahrens – "den ganzen Prediger?"

"Ja," erwiderte Assowaum und schlug seine wollene Decke um den Verwundeten.

"Gentlemen," redete jetzt der alte Roberts die übrigen Männer an – "Einige von Ihnen bleiben, wie ich gehört habe, heute Nacht hier. Diese erwarte ich morgen um die Frühstückszeit, die Anderen aber, welche jetzt mit uns aufbrechen, da der Gefangene doch ebenfalls transportirt werden muss, und mein Haus nicht so sehr weit aus dem Wege liegt, denn meine Frau wird sich bis diese Zeit wahrscheinlich schon schön geängstigt haben –"

"– So ersuche ich Sie Alle mit einander," fuhr Harper in Roberts' begonnener Rede fort – "heute Abend bei mir einzukehren. Wenn wir auch ein wenig mit Raum beschränkt sein werden, so lässt sich das Alles schon einrichtenwir sind ja in Arkansas."

"Bravo!" sagte Roberts gutmütig, "ganz mir aus der Seele gesprochen. Also, Gentlemen, da Sie sich so freundlich meiner annehmenBrown nämlich meiner Tochter und Harper meiner Rede, so wollen wir denn aufbrechen. Will der Indianer wirklich den Unglücklichen tragen?"

Assowaum beantwortete diese Frage mit der Tat. Er hob den schweren Körper des Priesters, trotz seiner eigenen doppelten Verwundung, mit der Leichtigkeit eines Federballs empor und schritt, ohne ein Wort weiter zu äussern, auf der schmalen Strasse voran. Rowson muhte aber ohnmächtig geworden sein, denn er lag regungslos in den Armen seines Feindes, und sein bleiches Antlitz ruhte, schauerlich von den langen, dunkeln, aneinander klebenden Haarbüscheln umflattert, an der Schulter des Rächers.

"Er wird ihn doch nicht ermorden?" flüsterte Marion ängstlich ihrem Führer zu, auf dessen Arm sie sich bis jetzt gestützt hatte und der ihr nun in den Sattel half.

"Nein, Marion, fürchten Sie kein weiteres Blutvergiessen heute Abend," erwiderte der junge Mann. "Das Gericht der Regulatoren wird aber morgen über den Elenden entscheiden, der dreifache schreckliche Blutschuld auf sich geladen hat. Das Mass seiner Sünden ist übervoll."

Marion schauderte zusammen. Sie gedachte der furchtbaren Gefahr, der sie kaum entgangen: diesem Ungeheuer zur Beute zu fallenaber sie sagte kein Wort.

"Und wo ist unsere kleine Heldin, unsere Amazone?" fragte Bahrens, sich überall nach Ellen umschauend – "Blitz und Hagel, wo steckt sie denn? Zu deren Ritter erklär' ich mich heute Abend."

"Zu spät," lachte Brown, "zu spät, Sirder Posten ist besetztMr. Wilson hatte die Güte, diese Pflicht zu übernehmen, da sich niemand Anderes dazu meldete."

"Zu spät? so?" sagte Bahrens – "ja, das geht mir manchmal so, und ich könnte darüber eine köstliche geschichte erzählen, gefröre mir nicht beim Anblick des Indianers da vorn das Blut vor lauter Grauen und Gutsetzen in den Adern. Trägt er nicht sein Opfer so zärtlich und sorgsam, wie eine liebende Mutter ihr Kind im arme, und hat er irgend einen andern Gedanken dabei, wie Blut?"

"Es ist wahr," sagte der neben ihm reitende Roberts – "es hat etwas Fürchterliches, wenn man die überlegene Ruhe des roten Mannes betrachtet, mit der er seiner Rache entgegengeht. Ihm wurde aber auch das Liebste genommen, was er auf der Welt hatte, und wenn er jetzt, wo er, um die Erfüllung seines Schwures, den er damals am grab seines Weibes leisteteIhr waret ja wohl auch dabei, Bahrens –?"

"Ja!" sagte dieser, aus tiefen Gedanken auffahrend – "ja soja. – Apropos, Roberts, habt Ihr (unter uns gesagt) nicht einen Tropfen Whisky in Eurem haus? Ich weiss, Eure Frau kann ihn nicht leidenaber heute Abend, glaube' ich, würde' ich krank, wenn ich nicht einen tüchtigen Schluck nehmen könnte. Zum Essen hab' ich den ganzen Appetit verloren."

"Erinnert mich wieder dran, wenn wir nach haus kommen," sagte Roberts leise – "aberlasst es Marion nicht merken. – Die Frauen stecken immer unter einer Decke, und wenn sie weiter nichts täten, sodrehten sie mir einmal die Flasche um und liessen sie auslaufen, und das wäre schade. – Es ist ächter Monongahela."

"Wisst Ihr, Roberts, wie mir der Metodist da vorn in den Armen seines