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leblosen Körper des bleichen Mädchens knieend.

"Marionliebste, beste Marion," flüsterte ihr Ellen in's Ohr, die sich, als die erste Ueberraschung und Aufregung vorüber war, errötend den Armen Wilson's entzogen hatte.

"Hier ist etwas wasser und Whisky," sagte der junge Stevenson, einen Blechbecher mit dem ersten und eine Korbflasche, mit dem letzten Getränk gefüllt, dem Regulatorenführer hinüberreichend. Brown bewies sich auch gar nicht ungeschickt und rieb Stirn, Schläfe und Puls der Geliebten mit einem Eifer, der den dabeistehenden Bahrens in Erstaunen setzte.

"Harper!" flüsterte er dem Freunde leise zu – "ist denn Brown ein Doctor?"

"Nein," erwiderte dieser lächelnd – "warum?"

"Nun, weil er das Reiben so weg hat; mir wären die arme lange eingeschlafen. Das geht ja wie mit Dampf!"

"Vater!" flüsterte das Mädchen jetzt, die grossen klaren Augen aufschlagend – "Vater!" aber ihr blick begegnete nicht dem des Vaters, obgleich dieser eine ihrer hände fest in den seinigen hielt, sondern dem Geliebten, der über sie hingebeugt mit zärtlicher Sorgfalt und seliger Freude in den Zügen das Erwachen des teuren Wesens beobachtete.

"Vater!" hauchte die Jungfrau und schloss die Augen wieder, aber mit so stillem, zufriedenem Lächeln, dass es fast schien, als hielte sie das eben Gesehene für einen schönen Traum und fürchte, ihn im wirklichen Erwachen zu verlieren.

"Habt Ihr keinen der Flüchtigen mehr einholen können?" fragte Husfield endlich, der es für seine Pflicht hielt, die Führerpflichten zu übernehmen, wo Brown's chirurgisches Talent so sehr in Anspruch genommen wurde.

"Nein," erwiderte Hostler – "einholen nicht, aber ich glaube fast, dass unsere Kugeln gewirkt haben. Als wir an den Fluss kamen, sahen wir den dunkeln Schatten eines Bootes am gegenüberliegenden Ufer hingleiten und feuerten unsere Büchsen darauf ab. Gleich darauf hörten wir etwas in's wasser schlagen und drinnen plätschern; die Dunkelheit war zu gross, mehr erkennen zu können. Ich hoffe übrigens zu Gott, dass unsere bleiernen Botschaften ihre Pflicht getan und wenigstens Einen umgelegt haben."

"Es war nur noch Einer mit diesem da," sagte Ellen schüchtern – "Cotton ist sein Name, Ihr kennt ihn wohl Alle."

"Cotton! DiePest," rief Wilson – "ob ich es mir nicht gedacht habe, dass die Bestie hier zu Bau gekrochen wäre. Dass der uns entgangen ist!"

"Und was soll mit dem Prediger geschehen?"

"Morgen ist Regulatorengericht," sagte Brown – "und dort muss er verhört werden. – Noch vier seiner Mitschuldigen erwarten ihr Urteil zu derselben Zeit. – Ihr kennt den Platz. Es wäre mir auch lieb, wenn Sie sich ebenfalls dort einfinden wollten, Mr. Roberts. – Wir brauchen alte und erfahrene Leute zu solch' ernsten Verhören. – Wer ist noch draussen auf der Wache?"

"Nur Wenige," erwiderte Cook – "der Kanadienser mit ein paar der Unseren. drei oder Vier sind fort, dem Flüchtling wo möglich den Weg abzuschneiden. Im Nest staken bloss die Beiden, und weiter wird sich wohl Niemand hier versteckt gehalten haben."

"Von dem Mulatten hat man also keine Spur entdecken können?"

"Neinnichts Erheblichesder Indianer meinte freilich, heute Morgen –"

"Er ist in die Gebirge," sagte Assowaum – "ich sah seine Fährte."

"Nach dem Regen?"

"Er muss nach dem Regen wieder am haus gewesen sein; – der Vogel, dessen Nest zerstört ist, umflattert noch eine Zeit lang den Baum. Den Gelben schmerzte der Verlust seines Bettes."

"Wo ist Wilson?" fragte Brown, sich nach diesem umsehend.

"Er besorgt wohl die Pferde draussen," sagte Husfield – "es wird auch das Beste für die Damen sein, aufzubrechen. Einige von uns müssen aber hier bleiben und den Platz morgen bei Tageslicht genau untersuchen."

"Husfieldwollt Ihr mir den Gefallen tun?" fragte Brown zögernd und, wie es Jenem vorkam, etwas errötend. – "Es könnte doch sein, dass ich –"

"Herzlich gern," unterbrach ihn lachend der Regulator – "Ihr dürft überhaupt Eure Kranke nicht verlassen, und da will ich indessen Euren Rückzug decken. Morgen früh um Elf bin ich am bestimmten Platz. Ihr braucht aber mit dem Verhör nicht auf mich zu wartenfangt nur immer an."

"Wir nehmen Atkins und Jones zuerst vor," erwiderte Brown – "werden auch wohl früh beginnen müssen. kommt also dann, so schnell es Euch möglich ist, nach."

"Ach, da sind die Pferde," rief Harper – "nun, JungeDu Schlingel, hast ja nicht einen einzigen Gruss für Deinen alten Onkel heute Abend. Der ist Dir wohl bei den jungen Damen ganz aus dem Gedächtnis; entschwunden, eh?"

"Onkel!" rief Brown und ergriff des freundlichen alten Mannes Hand – "Onkelich bin recht glücklich."

"Wie transportiren wir denn den Gefangenen?" fragte Curtis jetzt – "ein Boot haben wir nicht."

"dafür wird der Indianer schon sorgen," sagte Bahrens – "der sitzt ja neben ihm und schaut ihm wie ein verliebtes Mädchen in's