1846_Gerstcker_144_172.txt

die Planke noch einmal, und Curtis tauchte daraus hervor. Zu gleicher Zeit kehrte aber auch Cotton zurück, die Mädchen zu holen, und die Gefahr des Freundes sehend, eilte er schnell entschlossen zu seiner hülfe herbei.

Ellen war indessen an die Tür gesprungen und hatte die Riegel zurückgeschoben, während der Indianer, kühn der neuen Gefahr trotzend, den Tomahawk aus dem Gürtel riss und diesen, ohne die Linke von der Gurgel seines Opfers zu entfernen, gegen den neu erschienenen Feind schwang.

Dieser aber überzeugte sich rasch, wie die Sachen standen. Auf der einen Seite warf sich ihm Curtis entgegen; von der andern stürmte Brown mit seinen Regulatoren durch die nun offene Tür, und Cotton ersah klug genug seinen Vorteil. Mit Blitzes Schnelle sprang er in den unterirdischen gang zurück und floh, von der Dunkelheit begünstigt, dem rettenden Boote zu. Curtis über, der den Flüchtling mir verschwinden sah, glaubte, er hätte sich auf die Erde geworfen, dem ersten Anprall zu entgehen und dann vielleicht das Freie zu erreichen. Mit einem Kernfluch auf den Lippen sprang er deshalb gegen ihn an und stürzte im nächsten Augenblick kopfüber in das offenstehende Loch.

"Wah!" schrie der Indianer, während seine Augen vor wilder Feude glänzten – "bin neugierig, wer zuerst wiederkommt."

"fackeln her!" schrie Husfield jetzt zur Tür hinaus, "fackeln her und umstellt das Hauseiner der Schufte hat sich unter den Dielen versteckt."

Schnell kamen mehrere der Männer mit schon bereit gehaltenen Kienspänen herbei, und Cook, dem ersten die Leuchte aus der Hand reissend, folgte dem Freunde. Brown sprang indessen zur Geliebten, und zitternd vor Siegesfreude und Liebeslust, war er kaum im stand, mit seinem Jagdmesser die festen Bande des armen Mädchens zu lösen. Marion aber, betäubt von dem raschen Wechsel ihres Schicksals von Angst, sorge und tödtlicher Gefahr zu Sicherheit und Glück, sank bebend und ohnmächtig in die arme des teuren Mannes.

Wilson und Ellen bildeten an der Tür eine besondere Gruppe.

"Hier ist ein unterirdischer gang," schrie Curtis von unten herauf – "die Anderen sind entflohen. – Nach dem Flusse zu, Ihr Männerschnell, und schiesst auf Alles, was sich regt."

Fort stürmten die Regulatoren, und gleich darauf krachten fünf bis sechs schnell aus einander folgende Schüsse.

"So haben die Canaillen doch ein Boot gehabt," sagte Husfield – "und ich und der Indianer glaubten wunder wie genau wir gesucht hätten."

"Seid Ihr verletzt, Curtis?" fragte diesen Cook, der hinuntergesprungen war und ihm im Eingang der Höhle wieder auf die Füsse half.

"Janeinich glaube nichtPest und Giftich bin Hals über Kopf in das verwünschte Loch hineingefahren und kann Gott danken, so davongekommen zu sein."

"Hallo," sagte Cook, indem er sich den Platz etwas näher betrachtete – "künstlich angelegter Spaziergang hier. Nun, jeder alte Fuchs gräbt sich Notröhren, um im schlimmsten Fall ausbrechen zu können. Das Ding war auch schlau genug angelegt, ich glaube aber, der Indianer kam ein wenig zu früh."

"Wo ist Rowson?" fragte Curtis, der sich jetzt wieder genug erholt hatte, um nach oben klettern zu können.

"Hier!" antwortete der Indianer, während er seine lederne Schnur aus der Kugeltasche nahm und dem Gefangenen damit die Füsse zusammenband – "wer hat ein Tuch?"

"Was willst Du mit einem Tuch?" fragte Cook, der sich ebenfalls wieder herausgearbeitet hatte.

"Der Metodist ist verwundet," sagte leise der Indianer. –

"Das junge Mädchen dort rettete das Leben des befiederten Pfeils und schoss dem blassen Mann in die SchulterInya!1 wie blass er aussieht!"

"Der Indianer hat wahrhaftig Mitleiden," sagte Stevenson, der eben in die Tür getreten war – "auch eine neue Eigenschaft, die ich an ihn: kennen lerne."

"Mitleiden?" fragte der Häuptling wild, indem er sich hoch emporrichtete und zornige Blicke aus den Sprecher warf. – "Wer sagt, dass Assowaum Mitleiden mit dem Mörder Alapaha's habe? Aber er darf nicht jetztnicht hiernicht an dieser Wunde sterben, die ihm die Hand eines Weibes schlug. Die Rache muss m e i n sein. Wer hat ein Tuch für die Schulter des blassen Mannes?"

"Hier ist mein Halstuch," sagte Stevenson, dem Indianer das verlangte darreichend – "aberwie ist mir denn," fuhr er, sich mit der Fackel über den bewusstlosen Körper des Predigers beugend, fort, "das Gesicht hab' ich schon irgendwo gesehendie Züge sind mir bekannt."

Rowson schlug die Augen auf und blickte scheu zu dem Sprecher empor.

"Himmel und Erdedas ist der Mörder des Viehhändlers!" rief jetzt der alte Farmer, indem er halb erschreckt, halb in wildem Zorn emporsprang. – "Beim ewigen Gott, das ist das Gesicht des Schurken, der ihn meuchlings niederschoss."

"Zur Hölle mit Euch!" rief der Verwundete und wandte zähneknirschend das Antlitz zur Seite.

"Wo ist Brown?" frugen mehrere Stimmen.

"Hier," sagte dieser leise – "kann Niemand etwas Essig schaffen? Miss Roberts ist ohnmächtig."

"Mein Kindmein liebes Kind!" rief Roberts, in Todesangst neben dem