Der müsste schlau gewesen sein," brummte Cotton – "die hohe Fenz steht noch, und so dunkel ist es doch wahrhaftig nicht, dass man einen darüber Kletternden übersehen sollte. Was würde es aber auch dem, dem es wirklich glücken sollte, helfen? Unsere Schiessscharten sind sehr zweckmässig angebracht, und wenn –"
"Schon gut," unterbrach ihn Rowson, "seitdem es dunkel geworden, wird es mir ganz unheimlich hier – ich wollte, wir wären auf dem wasser."
"Ist das Boot in Ordnung?"
"Fix und fertig – also jetzt fort – die Regulatoren sind grösstenteils da vorn gelagert, und wenn sie auch wirklich ihre heimlichen Wachen zwischen hier und dein Flusse haben, wie ich keineswegs bezweifle, so können wir doch leise über den Fourche la fave hinübergleiten und drüben die dunkeln Schatten zu schleuniger Flucht benutzen."
"Aber die Mädchen –"
"Müssen zur Ruhe gebracht werden; jetzt fürt in's Boot!"
"Und wie schaffen wir unsere Waffen und den Koffer hinab? Wenn wir die Dirnen zu tragen haben, so –"
"Kriecht Ihr voran und nehmt den kleinen Koffer und zwei Büchsen mit – Ihr könnt nicht fehlen – die Höhle ist schnurgerade, und dicht davor liegt das Canoe. – Stellt den Koffer so geräuschlos als möglich hinein – die Büchsen auch, und kommt dann schnell zurück. In zehn Minuten muss Alles abgemacht sein."
"Was für Provisionen nehmen wir mit?"
"Die hab' ich eben hineingetragen. Sie standen in der Höhle und liegen jetzt im Canoe," sagte Rowson.
"Sehr brav! – Haltet indessen gute Wacht – ich bin gleich wieder da."
Rowson schritt unruhig im Zimmer auf und ab. Draussen regte sich kein Lüftchen – kein laut wurde gehört – Todesschweigen lagerte über der Landschaft, und nur um die Lagerfeuer, wohl hundertfünfzig Schritt vom haus entfernt und nach den Bergen zu, bewegten sich langsam einige dunkle Gestalten.
"Was zum Henker treiben die Schufte? Brüten sie irgendwo Unheil?" murmelte er vor sich hin, während er mit verschränkten Armen an einer der Spalten stehen blieb und hindurchschaute.
Er drehte den beiden Mädchen den rücken zu.
Ellen trat geräuschlos vor und nahm die Pistole vom Stuhl, glitt aber augenblicklich in ihre frühere Stellung zurück, denn Rowson wandte sich und schritt an die andere Wand der wohnung.
"Wo nur Cotton bleibt – hol' ihn der Teufel!" fluchte er jetzt ärgerlich, seinen früheren Marsch erneuend, "sollte er falsch –"
Er sprang in die Höhle hinunter und lauschte.
"Hätte ich nur ein Messer, Deine Bande zu lösen," flüsterte Ellen dem zitternden Mädchen in's Ohr –
"Die Planke, auf der ich stehe, bewegt sich –" sagte diese eben so leise und erschreckt – "was ist das?"
"Das müssen Freunde sein," rief Ellen mit vor Freude kaum unterdrückter stimme.
"Was?" fragte Rowson, sich wieder aufrichtend, dass sein Kopf eben über dem Fussboden sichtbar ward.
"Wir beten," sagte Ellen.
"Hol' Euch der Henker," zürnte der Metodist, sich wieder niederbeugend.
"Ich wollte auf ihn schiessen," sagte Ellen bebend, "aber die Hand zittert mir so entsetzlich – ich würde nicht treffen."
"Es muss Jemand unter der Planke hier sein," flüsterte Marion – "ich fühle es deutlich –"
"So hebe den Fuss – das sind Freunde," sagte Ellen – "der Fluss liegt auf der andern Seite, und dortin muss der geheime gang führen."
"Allmächtiger Gott – hätte ich nur meine hände frei!" klagte die Jungfrau.
"Die Pest über den Buben – ich höre und sehe nichts," zürnte Rowson, wieder herausspringend. "Soll mich der Teufel holen, wenn ich nicht glaube, dass der Bursche falsch spielt. Aber dann gnade ihm Gott – ich muss ihm nach –"
Die Planke hob sich jetzt in die Höhe, und des Indianers finster drohende Augen blitzten aus der Oeffnung hervor.
Rowson hatte eine Büchse ergriffen und wollte eben wieder in den gang hinabsteigen, da gab das schwere Brett, unter dem sich der "befiederte Pfeil" hervordrängte, etwas nach und schurrte bei Seite – der Metodist wandte schnell den Kopf und begegnete hier, in dem ungewissen Dämmerlicht der Hütte, dem Blicke seines Todfeindes, der die erste Ueberraschung des Priesters benutzen und schnell aus seiner unbequemen Lage emporspringen wollte.
So erstarrt und erschreckt nun aber auch der Prediger im ersten Augenblick der Ueberraschung gewesen war, so sammelte er sich doch immer schnell genug, um dem noch mit halbem leib unter der Planke stekkenden Indianer gefährlich zu werden. Dieser konnte nämlich weder schnell genug hinauf noch wieder zurück, und schon war der schwere Kolben gehoben, der ihn wohl sicher genug seinem weib nachgesandt haben würde, als Ellen mit einem Mute, der eines Häuptlings würdig gewesen wäre, vorsprang und die Waffe aus den zum Todesschlag ausholenden Priester abfeuerte.
"Hölle und Teufel!" rief dieser und stürzte zurück; längerer Zeit bedurfte aber auch Assowaum nicht, dem engen Raum, der ihm fast so gefährlich geworden wäre, zu entsteigen. Wie der Panter seiner Wälder glitt er daraus empor und sprang im nächsten Augenblick mit wildem Satz nach der Brust des Mörders, der mit einem Schrei der Angst und Verzweiflung machtlos zusammenbrach.
In derselben Minute hob sich