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haltet unterdessen gute Wacht, und kehr' ich zurück, so schaffen wir erst die Waffen hinunter undknebeln dann die Mädchendas muss unsere letzte Ladung sein. Zeigen sie sich zu widerspenstignunso habt Ihr gute Knochenein Faustschlag mag sie betäuben; schlagt sie mir aber nicht tot."

"Nur keine Angst," lachte Cotton – "so ein bischen Ohnmacht kann überhaupt nichts schaden, wenigstens bis wir erst einmal fünf Meilen hinter uns habennachher –"

"Sprecht leiserdas naseweise Ding, Euer Liebchenspitzt gewaltig die Ohren. Machen sie zu früh Lärm, so könnte es uns den Spass verderben. Schreien sie aber nachher beim Knebeln ein bischen, nun so schadet's nichts, dann stürmen die Narren vielleicht, und während sie sich die Schädel an der eichenen Tür zerstossen, sind wir durch den gang und haben indessen an unserem Ladungsplatz Luft bekommen."

"Wir müssen dann auf jeden Fall gleich über den Fluss hinüber," sagte Cotton – "im Schatten des dichten Schilfes an der andern Seite werden wir unbemerkt hingleiten könnendie Dirnen tragen ja glücklicher Weise ebenfalls dunkle Röcke. Was aber fangen wir später mit ihnen an?"

"Mit den Mädchen?" fragte Rowson – "Unsinn, zerbrecht Euch jetzt den Kopf nicht darüber; im schlimmsten Fall ist Platz genug auf der Insel, oderunten im Mississippi. Doch ich will meine Bahn antretenalso habt wohl Acht, Cotton, noch ist es hell genug und Ihr könnt bemerken, wenn die Regulatoren etwas Besonderes unternehmen sollten."

"Sorgt nicht um mich und kommt bald wieder. Mir fängt der Boden an unter den Füssen heiss zu werden; ich wollte, ich hätte erst das Ruder in der Hand. Dort schleicht der rote Schuft wieder vom Flusse fortsoll ich schiessen?"

"Neinjetzt ist's zu spät," sagte Rowson, während er die Dielen aufhob, die den gang verbargen – "Ihr könnt ihn doch nicht mehr treffen. Zu solcher Tageszeit schiesst sich's mit der Büchse am schlechtesten; aber habt Acht aus ihnseht, wo er bleibt; ich bin bald wieder zurück."

Er verschwand bei diesen Worten in der künstlichen Höhle, und Cotton wanderte schnellen Schrittes von einer Oeffnung zur andern, um sich keine Bewegung des Feindes entgehen zu lassen und vielleicht noch in den letzten Augenblicken überrascht zu werden.

"Marion," flüsterte unterdessen Ellen der Freundin zu – "Marionfasse Mutich habe meine Hand befreitals Rowson sie lockerte, rief ihn die Warnung jenes Buben fort, ehe er den Knoten wieder so fest wie früher schürzen konnteich bin frei."

"Oh, löse auch meine Bande!" flehte die Freundin leise – "ich vergehe fast vor Angst und Schmerz."

"Ruhiger kommt," flüsterte die besonnene Ellen zurück, als sich Cotton ihnen, ohne jedoch Acht auf sie zu geben, näherte, damit er auch diese Seite nicht unbewacht liesse. Ellen veränderte übrigens, um keinen Verdacht zu erregen, ihre Stellung nicht im Mindesten, warf aber ängstlich die Blicke umher, wo die nächste Waffe liege, um im Notfall Messer oder Büchse, oder was es sei, ergreifen und sich und die Freundin verteidigen zu können.

Auf einem Stuhl, kaum zwei Schritt von ihr entfernt, lag eine lange Pistole, und an jeder Wanddie nächste konnte sie fast erreichen, lehnte eine geladene Büchse, um nach den verschiedenen Richtungen hin augenblicklich in Bereitschaft zu sein.

"Löse meine Bande," bat stehend Marion – "ich muss verzweifeln, wenn Du mich noch länger –"

"Warte nur noch wenige Secunden," bat Ellen – "siehsobald Cotton wieder in jener Ecke ist, darf ich mich bewegen und Dich befreien; dann nimmst Du die Büchse, die neben Dir steht. Weisst Du damit umzugehen?"

"Ja," flüsterte die Jungfrau – "mein Vater lehrte es mich."

"Desto besserwir schieben nachher die Riegel zurück und verteidigen den Eingang, bis uns hülfe wird –"

"Sie werden uns aber überwältigenRowson hat uns doch Sicherheit versprochen, wenn wir still und ruhig sind," sagte Marion.

"Ich traue ihm nicht," erwiderte eben so leise die Freundin. – "Ich vernahm einzelne Worte, die mich Verrat ahnen lassen. – Jetztjetzt hab' Achtsobald er jene Ecke betritt, kann ich Dir helfen."

Cotton war mit dem Auge an den offen gelassenen Spalten langsam im Kreise umhergegangen und näherte sich nun dem Bett, an welchem die Mädchen standen und dessen Vorhänge sie, wenn er dahintertrat, seinen Blicken entziehen mussten.

Auf diesen Augenblick hatte Ellen gewartetjetzt verbarg ihn das dichte, dunkelfarbige Mosquitonetzschon setzte sie den Fuss vor, die Waffe zu ergreifenda stieg Rowson's Kopf wieder aus der Höhlung herauf, und den blick fest auf die Mädchen geheftet, stand er in der nächsten Minute, ein Bild der gespanntesten Aufmerksamkeit, in der Mitte der stube.

"Cottonhörtet Ihr nichts?" fragte er leise, als dieser wieder aus der Ecke vortrat.

"hören? Wo?"

"Mir kam es vor, als ob Jemand irgendwo ein Stück Brett losbrächees kann sich doch Niemand an das Haus geschlichen haben?"

"