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Feld, oder eigentlich urbar gemachte Land, denn noch war kein Mais hineingepflanzt und auch das umgeschlagene Holz noch nicht einmal alles aus dem Wege geschafft. Um aber die grossen Stämme am besten zu beseitigen, hatte Roberts unter einige Feuer gelegt, und Assowaum jetzt eine solche Stelle benutzt, dort mehrere Stücke des von Harper gefangenen Hirsches zu braten. Hier aber bemerkte ihn Alapaha und bereitete für ihn, der indianischen Sitte gemäss, das Mahl.

Nachlässig auf seine ausgebreitete Decke hingestreckt, aus einer kurzen selbstverfertigten Rohrpfeife den Tabaksrauch einziehend und langsam wieder ausstossend, lag ausgestreckt die kräftige Gestalt des roten Waldsohnes neben dem riesigen Stamm der Eiche, dem Sinnbild seiner eigenen Race. Noch vor kurzer Zeit überschaute er stolz und kühn das weite Land als Eigentum, und jetzt, gefällt am Boden, wusste der weisse Eindringling nicht einmal gleich, auf welche Art er sie am schnellsten und sichersten aus dem Weg schaffen könne. Wie am Stamm des Baumes die Glut, so wirkte am Stamm der Krieger das Feuerwasser, und langsam erst, dann aber immer weiter und reissender um sich greifend, vernichtete es die schönen, stattlichen Lebensfasern, das gesunde Mark des Baumes, und liess nur Asche und Kohlen zurück. Das Grab der Krieger düngte den Boden, den der Weisse mit seinem Pflug aufriss, und die Herdsteine ihrer Beratungsfeuer wurden zu eben so vielen Grabsteinen ihres gesunkenen, geschwundenen Ruhmes.

Es mochten wohl das Hirn des wackern Assowaum, der, unähnlich Tausenden seiner Race, den Sünden der Weissen keinen Eingang in sein Herz verstattet hatte, ähnliche Gedanken durchkreuzen, als er träumend in die zerfallenden Kohlen starrte; da stand sein Weib plötzlich von ihrer Arbeit auf und ging dem haus zu. Sie sah die sich nähernde Gestalt des Predigers und eilte ihm entgegen. Der aber reichte ihr die Hand und sprach ein langes, salbungsvolles Gebet über sie. Unterdessen zischte das Fleisch auf den Kohlen und verbrannte auf der einen Seite.

Alapaha war eine jener wenigen indianischen Schönheiten, denen die sonstigen, für das Auge des Weissen nicht angenehmen Unterscheidungszeichen ihrer Abstammung zur Zierde gereichten. Die vorstehenden Backenknochen verloren sich unter den vollen, von Gesundheit strotzenden Wangen, die reifen Lippen waren üppig geschwellt, die schwarzen Augen blitzten mit einem kaum zu unterdrückenden Feuer aus dem dunklen Teint der Waldschönheit hervor, der Elfenbeinglanz ihrer Zähne hätte eine Negerin beschämen können, und die schlanke, üppige Gestalt wurde keineswegs durch die anschliessenden Falten des feingegerbten ledernen Gewandes oder Ueberwurfs genug verhüllt, um nicht ihre schönen, fehlerfreien Formen wenigstens ahnen zu lassen. Die zierlichen Füsse staken in sorgfältig gearbeiteten Moccasins, das Haar wurde durch ein brennend rotes Tuch auf dem Scheitel zusammengehalten, und Glaskorallen schmückten ihre Ohren und ihren Nacken.

"Alapaha!" rief Assowaum jetzt in nicht unfreundlichem, aber ernstem Tone, "Alapahasagt Dir der grosse Geist der Christen, dass Du die Pflichten vernachlässigen musst, die Du deinem Mann und Häuptling schuldig bist?" Alapaha floh mit schnellen Schritten zu ihrer Arbeit zurück, und Rowson nahte sich dem roten Krieger, der, ihn nur leise mit dem kopf grüssend, ruhig liegen blieb.

"Zürnt Eurer Frau nicht, Bruder Assowaum," redete er den Indianer freundlich an, "zürnt ihr nicht, wenn sie den Worten des Herrn lauscht. Es ist ihr einziges Seelenheil, dem sie entgegeneilt, und Ihr solltet der Letzte sein, der ihr dabei hemmend in den Weg träte."

"Assowaum zürnt nicht und hindert sie in der Ausübung ihres Glaubens nicht," antwortete der Wilde; "aber er ist hungrig, und das Fleisch verbrennt. Alapaha ist das Weib des roten Mannes."

"Ich habe lange die gelegenheit wieder einmal herbeigewünscht," sagte Rowson mit freundlichem blick, "Euch den Segen des christentum recht anschaulich zu machen. Ihr wichet mir aber stets ausdarf ich die jetzige gelegenheit benutzen?"

Der Indianer erwiderte nichts, sondern nahm nur das Fleisch, das ihm Alapaha auf einem rohgearbeiteten hölzernen Teller darreichte, und begann seine Mahlzeit. Der ehrwürdige Priester rief ihm jetzt auf's Neue alle jene Kraftstellen der heiligen Schrift in's Gedächtniss zurück, die auf die Sünden der Menschen und die Gnade des dreieinigen Gottes aufmerksam machen, wobei er nicht vergass, ihm die vielen Wunder herzuerzählen, die Christus in seinem Lebenslauf getan, bis er zur Versöhnung alles Fleisches am Kreuze gestorben sei. Wahrscheinlich glaubte er durch diese bilderreichen Erzählungen am leichtesten auf die sinnliche natur des Waldsohnes einwirken zu können. Der Indianer ass ruhig fort; aber selbst als er sein Mahl beendet hatte, unterbrach er dennoch den Redner mit keiner Silbe, mit keinem blick, und lauschte aufmerksam dessen Worten, so dass Rowson, hierdurch ermutigt, immer eifriger fortfuhr, die christliche Religion stets nur durch solche Sachen hervorzuheben, die, wie er nicht ganz mit Unrecht glaubte, in den Augen seines Zuhörers den meisten Wert haben mussten.

"Hat der blasse Mann geendet?" fragte Assowaum endlich, als Jener erschöpft stillschwieg.

"Ich habe," antwortete der Priester; "und was sagt mein Bruder dazu?"

Assowaum warf die Decke von sich, die er halb um sich herumgeschlagen hatte, richtete sich auf und sprach, dicht vor den Christen hintretend:

"Vor alten zeiten hat der grosse Geistden Ihr G o t t nenntdie Welt erschaffen, und aus der Welt machte er MenschenIndianer. – Sie kamen nicht über die See. Er deckte etwas über die Erde