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geben sie sich aber gutwillig und auf Gnade oder Ungnade gefangen, soso sollen sie bloss einfach gehangen werden. Hier sind die Stricke."

"Spart Eure schönen Reden," lachte Rowson, der die Worte gehört hatte. – "Wer sich auf zehn Schritt der wohnung naht, ist ein Mann des Todes. Wir sind hier unserer sechs und haben achtzehn Büchsen. – Solltet Ihr aber dennoch Euer Leben so gering achtengut, so schwör' ich's bei dem ewigen Gott, zu dem Ihr alle Sonntage heult und betet, dass die Mädchen vorher eines schmählichen Todes sterbenich spasse nicht!"

"Hol' der Teufel den prahlerischen Schuft," rief Husfield, indem er die Fenzstangen niederwarf; "mir nach, Kameraden, in fünf Minuten ist das Nest unser!"

"Halt!" schrieen dazwischen springend Brown, Wilson und Roberts – "haltdas wäre MordMord an den unschuldigen Mädchen. Die Buben, zur Verzweiflung getrieben, sind zu dem Schrecklichsten fähig, und noch müssen sich andere Mittel finden, sie zu zwingen, als das Leben Derer, die mir beschützen wollen, so leichtsinnig preiszugeben."

"Nennt Ihr das beschützen, wenn wir sie noch zwei Minuten in den Händen dieser Schufte lassen?"

"Es muss Rat geschafft werden;" schrie Brown – "nur nicht mit Gefahr ihres Lebenswo ist der Indianer?"

"Gestattet uns freien Abzuggebt uns wenigstens vierundzwanzig Stunden Vorsprung, und die Mädchen sind frei!"

"Gut! Es sei!" rief Brown schnell.

"Halt, Sir!" unterbrach ihn Husfield – "wir haben die Buben, die so Grässliches vollführten, wir haben den Mörder des armen Heatcott in unserer Gewalt, und dessen Blut heischt allein schon Rache, blutige Rache; so leichtsinnig dürfen wir die nicht verscherzen. Hierüber hat übrigens die Versammlung abzustimmen. Wollt Ihr also, Ihr Männer, den Schuft entschlüpfen lassen, bloss weil er damit droht, ein paar Mädchen, die er in seiner Gewalt hat, zu ermorden? oder –"

"Neinneinnein!" schrie die Menge, Harper, Wilson, Roberts und Brown ausgenommen.

"MännerIhr seid auch Väterdenkt an Eure Kinder!" flehte Roberts.

"Roberts!" sagte Stevenson, der bis jetzt geschwiegen hatte, vortretend – "seid ohne sorge, Eurem kind soll und darf nichts geschehen; aber leichtsinnig war' es, jenen Verbrechern auf eine solche Drohung hin die Freiheit zu geben –"

"Lasst uns die Höhle stürmen," riefen Viele, – "er weiss, was ihn erwartet, und wird seine Strafe nicht noch durch ein neues Verbrechen vergrössern wollen –"

"Nein, Ihr Männer von Arkansas!" hielt sie Stevenson auf – "ich bin zwar ein Fremder hier bei Euch, vergönnt aber auch mir ein Wort –"

"Redet, Stevenson!" sagte Husfield, "Ihr habt gehandelt, als ob Ihr zu uns gehörtet, und Euch dadurch alle Rechte erworben, die wir selbst besitzen."

"Gut denn!" sagte der alte Mann mit unterdrückter stimme, "so hört meinen Vorschlagaber vorher stellt Wachen aus, dass uns keiner der Buben entgeht, während wir hier debattiren."

"Der Indianer hält am Flusse Wache," sagte Brown – "und an jeder Seite nach dem wald zu stehen Zwei der Unseren; hier sind w i r – Flucht wäre für sie unmöglich."

"So hört meinen Plan," fuhr Stevenson fort: "die Gefangenen, so viel es auch immer sein mögen, wissen, dass sie auf keinen Fall den Wald erreichen können, so lange es hell ist, und haben also ihre ganze Hoffnung auf die einbrechende Dunkelheit gesetzt. Mit Gewalt können wir, wie die Sachen jetzt stehen, nichts ausrichten, denn ich glaube mit Roberts und Brown, dass sie, zum Aeussersten getrieben, auch das Aeusserste wagen werden. Deshalb müssen wir jetzt zur List unsere Zuflucht nehmen. Sobald es dunkelt, wollen wir also hier vorn unsere Lagerfeuer anzünden, bei denen sich besonders der Indianer zeigen muss, dass sie ihn vom haus aus sehen können."

"Er wird sich ihren Kugeln nicht zum dritten Mal preisgeben wollen," warf Cook ein.

"Hat keine Not," erwiderte der Alte – "in der Däm

merung ist unsicheres Schiessen, und dann wird es Jenen besonders daran liegen, u n s ruhig zu halten – s i e werden gewiss nicht den Frieden zuerst brechen. Ihre einzige Hoffnung ist dann der Fluss oder der umgrenzende Wald, da ich nicht weiss, ob ein Canoe hier liegt –"

"Nein, es ist keins zu sehen," sagte Wilson.

"Gut," fuhr der Alte fort, "dann werden sie um so

eher den kleinen Fluss durchschwimmen wollen, um uns von der Fährte abzubringen. Einzelne Wachen müssen deshalb (aber so vorsichtig, dass Niemand vom Haus aus sie sehen kann) an den Waldgrenzen versteckt werden, und ich möchte meinen Hals verwetten, dass wir sie erwischen, wenn sie sich mit Dunkelwerden leise zu dem Flussrande hinabstehlen."

"Und so viele Stunden noch soll ich mein Kind in

den Händen der Mörder und Diebe wissen?" jammerte Roberts.

"Das geht auf keinen Fall an," warf Husfield ein,

"es ist kaum elf Uhr