Harper. Roberts aber schritt aus das Haus zu, fest entschlossen, sein Kind den Händen des Verfolgten zu entreissen. Er wusste zwar noch nicht, wessen man den Metodisten beschuldigte, aber dessen rätselhaftes Betragen verriet zu deutlich, wie er sich irgend eines Vergehens bewusst sein musste.
"Zurück da!" rief ihm Rowson aus dem haus entgegen – "zurück, wenn Euch Euer Leben lieb ist."
"Mein Kind gebt mir heraus," rief Roberts, "die beiden Mädchen lasst aus dem haus. – Ich schwör' es Euch zu, ich habe nichts gegen Euch, ich begreife nicht einmal, was dies Alles bedeuten soll; aber Ihr habt auf den Indianer geschossen – es ist Blut geflossen, und ich will die Weiber von einem Orte nehmen, wohin sie nicht passen. Gebt mir mein Kind!"
"Zurück da!" schrie Rowson drohend und hob die Büchse. Marion warf sich ihm aber in die arme und rief flehend:
"Um Gottes willen – Mann – wollt Ihr meinen Vater morden?"
"Schafft mir die Dirnen vom Halse, Cotton!" rief der Prediger ärgerlich – "hört nur, wie der Narr draussen an der Tür rüttelt – ein Glück, dass sie den Sturm nicht zusammen versucht haben, sonst hätt' es uns bös bekommen können. Jetzt an's Werk – die Mädchen müssen gebunden werden – deren arme dürfen uns nicht mehr hinderlich sein – und schweigen sie nicht, auch geknebelt. Wir haben nur noch wenige Minuten freie Zeit, und die müssen wir benutzen!"
"hülfe! hülfe!" schrieen und flehten die beiden Jungfrauen, als sie sich von den rauhen Händen der Männer erfasst und gefesselt fühlten.
"Räuber! Schuft!" tobte der alte Roberts und riss mit der Kraft der Verzweiflung an der eichenen Tür. Auch Bahrens stürmte herbei, dem Freunde zu helfen, und Harper selbst, so sehr er sich auch durch die letzte Aufregung geschwächt fühlte, griff nach einem frisch abgehauenen Ast, um seinen schwachen Arm ebenfalls dem Vater zu leihen. Ehe aber die Männer die Fenz überklettert und die Tür erreicht hatten, waren auch die schwachen, zitternden Glieder der beiden Unglücklichen von starken Seilen umwunden, und Rowson rief drohend aus:
"Oeffnet Eure Lippen noch zu einem Hülfeschrei und ich schiesse den alten weissköpfigen Narren wie einen Hund nieder."
"Gnade! Gnade!" flüsterte Marion leise und zitternd – "Erbarmen!"
"Schiesst einmal hinaus, Cotton, verwundet aber Keinen," rief diesem der Metodist zu. – Er selber trat dabei mit der Büchse an eine der Hinteren Spalten und suchte den Indianer noch einmal zum Schuss zu bekommen. Assowaum hatte aber die Absicht des Priesters erraten und dachte nicht daran, sein Leben leichtsinnig preiszugeben. Deshalb war er, der Kriegführung seines Stammes getreu, hinter einen Baum geflohen, und von dort aus konnte er die Flucht seines Feindes verhindern, bis die ihm aus den Fersen folgenden Regulatoren eintreffen würden. Den Mörder Alapaha's lebendig und unverletzt zu fangen, war jetzt sein einziges Ziel.
Dass übrigens Brown, dem er sonst mit der ganzen Treue seines Volkes zugetan war, Marion liebe, wusste er nicht, wenn er es auch vielleicht geahnt hatte. Trotzdem hätte ihn aber auch das nicht von dem vorgesteckten Ziel abbringen können. Er wollte und musste sein Weib rächen, und wäre die ganze Welt darüber zu grund gegangen.
Eine Kugel, aus Cotton's sicherem Rohre gefeuert, die Bahrens den Hut vom kopf riss, machte übrigens die Männer auf die Gefahr aufmerksam, der sie sich, unter dem Feuer des zum Aeussersten getriebenen Feindes, aussetzten; Roberts selbst hielt jetzt die Freunde von dem Versuch zurück, die schwere, feste Tür mit Gewalt zu stürmen. Waren sie doch nicht einmal bewaffnet und durften also auf diese Art nie hoffen, den Panter mit Erfolg in seiner eigenen Höhle anzugreifen.
"Ich will ihm allein und unbewaffnet entgegentreten," sagte er, "er hat in meinem haus viel Gutes genossen und wird es jetzt nicht wagen, mir die Erfüllung der einzigen Bitte, die Zurückgabe meines Kindes, zu versagen – geht daher," bat er noch einmal, als er sah, dass Bahrens zögerte und wilde und trotzige Blicke nach dem haus hinüber warf – "geht – ich hoffe noch Alles im Guten beizulegen und das Rätsel gelöst zu bekommen!"
Mit diesen Worten wandte er sich, als Bahrens und Harper die innere Umzäunung verliessen, gegen die offene Spalte, hinter der er den Metodisten vermutete, und wollte eben seine Anrede beginnen, als dieser höhnisch daraus hervorrief:
"Haltet ein, gestrenger Herr? – Ich habe zu lange selbst gepredigt, um an derlei Salbadereien noch viel Behagen finden zu können. Um aber kurz und bündig zu einem Verständniss mit einander zu kommen, so hört meine Worte, die diesmal nichts weniger als eine Predigt sein sollen, wenn gleich heute Sabbat, der Tag des Herrn, ist."
"So hab' ich mich doch nicht in Dir geirrt – Bube!" knirschte der alte Mann in bitterem Groll, während er wild mit dem fuss stampfte, "spotte nur noch unserer Leichtgläubigkeit, mit der wir Deinen glatten Worten trauten. – Aber wehe Dir, wenn Du einem der Mädchen, die ein unglückseliges Geschick in Deine Hand gegeben, ein Haar krümmst; stückweis wird Dir dann das Fleisch von den Gliedern gerissen!"
"Was