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Büchse von dem Haken herunter und blickte jetzt erst im Zimmer umher, als sei er fest entschlossen, den ersten, der sich ihm in den Weg stellen würde, niederzuschiessen.

"Allmächtiger GottMr. Rowson," rief Ellen zu tod erschrocken – "was wollen Sie tun? Ihre Braut ermorden?"

"Cotton!" schrie Rowson mit heiserer stimme, als er sich überzeugt hatte, dass keiner der Männer in der Hütte weile, und ohne die Mädchen weiter eines Blikkes zu würdigen – "Cotton!"

"Ja," antwortete dieser mürrisch von oben herab – "ich bin hier, aberhabt Acht da untender Indianer kommt. Höll' und Teufelwar Euch der nicht auf den Fersen?"

"kommt herunterschnell!" befahl der Prediger, indem er mehrere kleine Pflöcke aus den Zwischenspalten der Klötze herausnahm und so zu gleicher Zeit Schiessscharten und Ausschaulöcher bildete. – "kommt herunteres wird gleich Arbeit geben. – Wir haben Einquartierung."

Wie eine Katze glitt jetzt der Jäger an den rauhen Stämmen der Hütte nieder, und Ellen bedurfte nun Marion's Arm, sich aufrecht zu halten, als sie d e n Mann erblickte, den sie von allen Menschen der Erde am meisten fürchtete, und der jetzt unter so sonderbaren, geheimnissvollen Verhältnissen auf dem Schauplatz erschien.

"Was soll das heissen? – um Gottes willen, Mr. Rowson, lassen Sie uns hinaus," bat Marion, in diesem Augenblick zum ersten Mal befürchtend, dass sie gefangen und in der Gewalt voll Verbrechern wäre. – "Lassen Sie mich zu meinem Vaterwas bedeutet dies Alles?"

"Wirst es bald erfahren, Täubchen," lachte höhnisch der Jäger, indem er die zweite Büchse über dem Kamin wegnahm – "wirst es bald erfahren. – Aber Gift und Klapperschlangen," fuhr er dann, sich zu Rowson wendend, zornig fort – "Ihr habt mich hier schön mit in die Falle gelocktTor, der ich war, in das Nest hinauf zu kriechen. Jetzt könnt' ich ruhig im Canoe sitzen und eine fünf Meilen sichere Distanz zwischen mir und den Schuften da draussen haben."

"Zurück da," schrie Rowson durch die Spalte, ohne etwas auf die Vorwürfe des gefährten zu erwidern – "zurück, oder Ihr seid des Todes!" und in demselben Augenblick krachte auch sein Schuss durch die Spalte der Hütte, und das entladene Gewehr niederwerfend, war er mit einem Satz am Bett, riss die Matratze herunter und brachte noch vier andere geladene Büchsen zum Vorschein.

"Warte, rote Bestie!" murmelte er dann vor sich hin – "Dir hoff' ich das Spioniren gelegt zu haben. – Zurück von der Tür da!" donnerte er jetzt die Mädchen barsch an: "es ist bitterer Ernstzurück, wenn Euch Euer Leben lieb ist!"

"Was sollen wir aber mit den Dirnen hier?" fragte Cotton ärgerlich.

"Sie als Geisseln behalten," sagte der Metodist, "i h r Leben bürge uns für das unsrige. – Halten wir uns nur bis zum Dunkelwerden, so sind wir gerettet!"

"Das sehe' ich auch noch nicht ein," antwortete murrend der Jäger, indem er erst vorsichtig nach allen Richtungen umherschaute und dann die abgeschossene Büchse aus der ihm bezeichneten Kugeltasche wieder lud – "Abends werden sie Feuer um das Haus herum anzünden, oder es gar in Brand stecken."

"dafür stehen uns die Mädchen," lachte Rowson, "aber halloda kommt der alte Roberts, allein, ohne Büchseer will sein Kind wieder haben. Kann nicht geschehen, Alter." –

Die drei Männer, eher des himmels Einsturz als dem Aehnliches, was sich hier vor ihren Augen zutrug, vermutend, hatten mit Staunen das Heransprengen des Metodisten bemerkt und im ersten Augenblick wie Ellen geglaubt, das Pferd ginge mit ihm durch. Kaum war aber der sonst so ruhige Prediger im inneren seines Hauses verschwunden, und noch hatten Bahrens und Roberts, der Eine mit der Axt, der Andere mit einem abgehauenen Ast auf der Schulter, die Fenz nicht erreicht, als schon wieder donnernde Hufschläge hinter ihnen laut wurden. Wie sie aber überrascht den Kopf danach wandten, sprengte der Indianer heran, die langen schwarzen Haare im Winde flatternd, die Büchse in der Rechten, den Zügel lose in der Linken, und hinunter gebogen fast bis auf das rechte Knie, um die Fährten, denen er folgte, deutlicher erkennen zu können.

"Assowaum!" riefen Jene erschrocken und überrascht – "was ist vorgefallen? Was willst Du mit dem Prediger? Was hat er getan?"

"Sein Blut will ich!" knirschte der Wilde – "sein rotes Blutdas Herz aus seinem leib!" und sich von dem rücken des mit Schaum bedeckten Tieres werfend, stürmte er gegen die Fenz und kletterte daran empor. In demselben Augenblick ertönte die stimme des Metodisten, der Schuss krachte aus dem inneren hervor, und Assowaum stürzte von der Fenz, deren oberste Stange er eben erreicht, hinunter. Ehe sich aber die Männer von ihrem Schreck erholen konnten, sprang er wieder empor, floh um die hohe Einzäunung herum und trat dort hinter einen starken Baumstamm, von wo aus er die Rückseite der Hütte beschiessen und jede Flucht nach dem Flusse zu abschneiden konnte.

Hierhin folgten ihm Bahrens und