ein Auge hervorgeleuchtet hätte."
"Wo? da oben?" lachte Bahrens- "da würde sich wohl schwerlich ein Gast einquartirt haben. Wer hier im haus wohnen wollte, fände beqemere Plätze – die Tür ist ja offen."
"Und was für eine Tür!" sagte Harper, der die Pforte jetzt öffnete und das Haus zuerst betrat, "merkwürdig stark, als wenn er wunder wie grosse Reichtümer hier aufbewahrte. Nun – ziemlich ordentlich sieht's aus," fuhr er dann fort, sich überall umschauend – "für eine Junggesellenwirtschaft nämlich, denn die Frauen möchten noch Manches daran auszusetzen haben. Das lässt sich aber nicht anders verlangen; bei uns unten bleibt ebenfalls viel zu wünschen übrig. Als freilich Alapaha noch lebte," seufzte er dann still vor sich hin, "da war es dort auch immer recht wohnlich und hübsch – und da –"
"Es wird schon wieder so werden, Harper," unterbrach ihn Bahrens freundlich – "vielleicht noch besser. – Brown muss heiraten, und dann braucht Ihr nachher nicht mehr über Junggesellenwirtschaft zu lamentiren; dann haben die Junggesellen ausgewirtschaftet."
"Nun herein da, Ihr Mädchen!" rief Roberts, der sich jetzt den beiden Männern angeschlossen hatte, "herein da mit Euch." – Hier beginnt Euer Reich, und Marion mag gleich Besitz nehmen.
"So –" fuhr er fort, als sie seinem Wunsche Folge geleistet, "so – das ist recht. – Nun kommt und wirtschaftet hier nach Herzenslust, und wir wollen indessen draussen ein Feuer anzünden und den eisernen Kessel darüber hängen. Eine Küche ist doch nicht beim haus, wie ich sehe, und meine Alte, die gar nicht mehr lange bleiben kann, denn in solchen Sachen –"
"Hei–ho," rief Bahrens lachend – "er geht wieder durch. – Hier ist Schwamm; wo aber machen wir das Feuer an? Ein unbequemer Platz für Holz das – wenigstens fünfzig schritt weit zu tragen. Da wollen wir lieber erst ein paar Aeste herbeiholen – ist denn keine Axt auf der Farm? Schöne Einrichtung das!"
"Dort in der Ecke lehnt eine," sagte Harper.
"Gut, dann bleibt Ihr nur indessen hier."
"Nein, ich will mit Holz tragen," meinte Roberts, "Harper mag Feuer anmachen – dürres Laub und Reisig hat ja der Wind genug hergeschafft."
Die Männer gingen nun lachend und erzählend an ihre Beschäftigungen, und die Mädchen blieben allein im haus zurück. Ihre Stellung aber veränderten sie nicht, und mit ineinander verschlungenen Händen sahen sie sich ernst und still in die Augen. Da endlich konnte Marion den inneren Gefühlen nicht länger gebieten, und sich an die Brust der Freundin werfend, machte ein lindernder Tränenstrom dem lange und arg bedrängten Herzen Luft.
"Marion, was fehlt Dir?" fragte Ellen erschreckt, "was um Gottes willen hast Du? – Dich quält irgend etwas Entsetzliches – ich habe es Dir lange angesehen – Du bist nicht glücklich."
"Nein," schluchzte das arme Mädchen und umschlang nur fester die Freundin, die ihre arme zu lösen suchte, um dem Auge der Weinenden zu begegnen. "Nein – Gott weiss es – ich bin nicht glücklich und – werde es nie werden."
"Aber was ist Dir? Um des Heilandes willen! so habe ich Dich noch nie gesehen – Du zitterst und bebst – Marion, was fehlt Dir?"
"Was mir fehlt?" fragte die Braut des Metodisten, sich wild und krampfhaft emporrichtend. – "was mir fehlt? – Alles – Alles auf der weiten Welt – Vertrauen – Liebe – Hoffnung – ja selbst die Hoffnung fehlt mir, und jetzt – jetzt ist es zu spät – zu spät – ich kann nicht mehr zurück."
"Marion, Du ängstigst mich!" flüsterte schüchtern die Freundin, die sie bebend umschlang – "was sollen all' die rätselhaften Worte? K a n n s t oder d a r f s t Du mir nicht vertrauen?"
"Noch k a n n und d a r f ich," sagte jetzt entschlossen Marion und strich sich die dunkeln Locken aus der Stirn zurück – "noch sind wenige Minuten mein eigen, noch bin ich Herrin meiner selbst; in einer Stunde vielleicht ist es spät. – So höre denn, Ellen, was mich bis zu diesem Augenblick elend gemacht hat, was mir von diesem Augenblick an mein ganzes zukünftiges Leben verbittern wird – was hast Du? was ist?"
"Sieh nur dort," sagte das Mädchen erstaunt – "ist das nicht Mr. Rowson? – grosser Gott, das Pferd muss mit ihm durchgehen. – Sieh nur, wie es jagt."
"Hallo, Rowson!" schrieen Bahrens und Roberts am Waldsaum, die ihn erst jetzt erblickten – "was zum Teufel ist vorgefallen?"
"Alle Wetter!" rief Harper und sprang auf die Seite, denn das keuchende, schäumende Tier hätte ihn fast über den Haufen gerannt – "Rowson, seid Ihr des Teufels? Was zum Henker habt Ihr?"
Dieser aber würdigte keinen der Männer einer Antwort, nicht einmal eines Blickes. Er sprang vom Pferde, stürzte durch die schmale Fenzpforte in das Haus – warf auch diese Tür, zum Entsetzen der beiden Mädchen, in's Schloss, schob zwei eiserne Riegel vor, riss die