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Ihnen?"

"Den Knopf fand Assowaum in der Hand seines schändlich gemordeten Weibes," rief jetzt die bis dahin ängstliche und schwache Frau, sich hoch und fast krampfhaft aufrichtend. "Nur der Mörder Alapaha's kann den Knopf verloren haben –"

Des Priesters Hand fuhr wie unbewusst an seine Seite, wo er die versteckten Waffen trug. Als er aber den scheuen blick im Zimmer umherwarf, begegnete sein Auge dem des Indianers, der, die Büchse erhoben, fest im Anschlag auf ihn lag und ihm donnernd zurief:

"Ein Schritt, und Du bist eine Leiche!"

Rowson hielt sich für verloren. Da bemerkte Madame Roberts die drohende Stellung des Wilden und nicht anders glaubend, als dass dieser hier gleich an Ort und Stelle Rache für das unschuldig vergossene Blut seines Weibes nehmen wolle, warf sie sich von der Seite auf ihndrückte den todbringenden Lauf in die Höhe und rief entsetzt aus:

"Oh, nur nicht hiernur nicht hier vor meinen Augen!"

Rowson sah diese Bewegung und wusste, dass dies vielleicht der letzte günstige Augenblick sei, der sich ihm zur Flucht böte. Mit der Gewandteit eines Panters sprang er daher, ehe der Indianer die Frau von sich abschütteln konnte, aus der Tür, schwang sich in den Sattel seines Ponys und war in der nächsten Secunde in dem Dickicht, das beide Seiten des schmalen Weges begrenzte, verschwunden.

Ihm nach stürmte in wilder Eile der rote Krieger. Ehe er jedoch die fliehende Gestalt des Feindes wieder auf's Korn nehmen konnte, entzogen diesen schon die dichtbelaubten Büsche seinen Blicken wie seiner Kugel, und der Verbrecher war wenigstens für den Augenblick gerettet. – Aber so rasch entging er dem Verfolger nicht. Mit zwei Sätzen war Assowaum neben dem Reitpferd der Mrs. Roberts, das fertig gesattelt und aufgezäumt, von dem Neger gehalten, vor der Fenz hielt. Im Nu warf er den Damensattel ab, riss den Zügel aus der Hand des ganz verblüfften Schwarzen, schwang sich selbst auf den nackten rücken des Tieres und folgte, diesem die Hacken wütend in die Seiten schlagend, den Fährten seines Opfers.

34.

Die Belagerung.

"Seht Ihr wohl, ich hatte doch Rechtdas ist das Haus!" sagte Roberts, als die kleine Karawane den Rand der Waldlichtung betrat und nun vor dem einfachen, von hoher Fenz umgebenen Gebäude stand, das mit dem heutigen Tage Marion's ganze Welt in sich fassen sollte.

"Wahrhaftig!" rief Harper verwundert, "aber die Bäume waren nach ganz anderer Richtung hin angezeichnet. Ich glaubte nicht anders, als dass er irgendwo in dem hohen land, weiter hinauf, wohnen müsste. Jetzt werden wir ja fast halbe Nachbarn, denn mein Haus liegt gar nicht so sehr weit von hier entfernt, den Fluss hinunter."

"Nun, Marion, wie gefällt Dir der Platz?" fragte der alte Roberts, sich zu seiner Tochter wendend – "heh? ein bischen still und schaurig, nicht wahr? Ja, das macht die Nähe des Flusses mit den dichten Sykomoren, den dunkeln Weiden und den einzelnen Baumwollenholzbäumen, die sich hier noch finden; weiter hinauf stehen sie übrigens sehr selten, und Smeirs hat mir neulich versichert –"

"Es ist auch hier recht still und einsam," flüsterte Marion, Ellen's Hand ergreifend, als ob sie sich selber scheue, die lautlose Ruhe durch ihre stimme zu stören – "ich weiss nicht, was den Platz so öde, soschauerlich macht."

"Weil das Vieh fehlt," sagte Bahrens. – "Das ist ganz natürlich. Wo keine Kuhglocken läuten und die Hühner und Ferkel nicht auf dem hof herumjagen, wo Einem nicht ein paar Hunde entgegenspringen und einen Spectakel machen, dass man sein eigenes Wort nicht hören kann, und eine Herde Gänse immer gerade zu derselben Zeit zu schnattern anfängt, wo man Dem, der uns erwartend im haus steht, etwas zurufen will, da ist's auch nicht wohnlich und gemütlich und es würde m i r wenigstens stets unbehaglich vorkommen."

"Wozu sollte sich aber Mr. Rowson Vieh anschaffen," warf Harper ein, "wenn er vielleicht schon in acht Tagen wieder auszieht."

"Ach was da," erwiderte Bahrens. "Wenn ich nur drei Tage auf einem Flecke wohnte, müsste ich wenigstens ein paar Hühner oder Ferkel um mich herum haben, die das liebe Getreide aufläsen, was sonst verwüstet wird. Seht nur, wie's da drin im hof aussieht, der Mais liegt dicht gestreut am Boden! ach, wenn das meine Alte sähe!"

"Wird jetzt schon anders werden." lachte Roberts – "die Frau wird ihm den Kopf schon zurechtsetzen, und es ist nun auch ein möglicher Fall, dass nicht mehr a l l e Sonntage zweimal, und manchmal Mittwochs einmal gepredigt wird. Für die Bequemlichkeit der Pferde ist übrigens gesorgt, das muss wahr seinTröge genug."

"Was hast Du, Ellen?" fragte Marion, selbst beunruhigt, als die Freundin einen leisen, halb unterdrückten Schrei ausstiess – "was war da?"

"Oh nichts," lächelte das Mädchen verlegen und warf dabei einen flüchtigen, aber immer noch scheuen Seitenblick nach dem haus hinauf – "nichtses war blosse Täuschung. Mir kam es aber auf einmal vor, als ob da oben, zwischen den beiden offenen Spalten,