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," jammerte die Frau händeringend.

"Denkt Ihr an den Tag nach Alapaha's Ermordung?" sagte Assowaum mit unterdrückter stimme, indem er den kleinen Tomahawk seiner Squaw aus dem Gürtel nahm und auf den Tisch legte. "Mit dieser Waffe," fuhr er dann, fast noch leiser, aber mit deutlicher, nur hohl und geisterhaft klingender stimme fort, "mit dieser Waffe wehrte sich die Blume der Prairien gegen den feigen Mörder, und Rowson's Arm war an jenem Tage verletzt. Diesen Knopf" – flüsterte er weiter, die Reliquie dabei aus seiner Kugeltasche nehmend, "wand ich aus den im tod krampfhaft geschlossenen Fingern Alapaha's. Er muss Rowson's seinAssowaum hat Leute gesprochen, die da sagten, das sei Rowson's Knopf."

"Das sind Alles nur noch unsichere, schwankende Vermutungen," rief die Matrone, sich erhebend und dem roten Sohn der Wildniss fest in's Auge schauend – "das ist noch kein Beweis, Mann. – Ich sage Euch, es ist nicht möglichRowson ist unschuldig!"

"Onishin! dann fragt ihn selber, denn dort kommt er," erwiderte Assowaum ruhig. – "Wird der blasse Mann noch blässer werden, wenn ihm die gute Frau sagt, dass er ein Mörder sei?"

Ehe die Matrone einer Antwort fähig war, hatte der Wilde den kleinen Tomahawk wieder an sich genommen und mit geräuschlosem Schritt ein Versteck, das in der Ecke stehende, mit weissem Fliegennetz überhangene Bett, erreicht. Fast in demselben Augenblick hielt auch das Pony des Predigers, ganz mit Schaum bedeckt, an der Fenz. Der Reiter schwang sich aus dem Sattel und betrat gleich darauf die Schwelle, wo er allerdings das bleiche Aussehen der Matrone hätte bemerken sollen. Zu sehr aber mit seiner eigenen Gefahr beschäftigt, fragte er nur mit heiserer, fast tonloser stimme, wo seine Braut, wo die Männer wären; ja, ein Fluch schwebte ihm auf den Lippen, als Mrs. Roberts, zwar noch zitternd, aber doch schon wieder gesammelt, antwortete, sie wären vorausgeritten und erwarteten ihn und sie selbst bald nach. Die alte gewohnte Scheu hielt jedoch noch jedes rauhe Wort zurück, und er wollte sich schon wenden, um Jene noch möglicher Weise zu überholen. Erst einmal das eigene Haus zeitig genug erreicht, durfte er ja doch hoffen, seine Flucht zu wasser zu ermöglichen, die ihm zu Land vielleicht schon abgeschnitten war. Da rief ihn Mrs. Roberts zurück und bat ihn, zu ihr zu treten.

Wohl fühlte er, dass jetzt weitere Verstellung nur unnötige Zeit vergeude und er vielleicht gar den günstigen Moment versäumen könne. Dann gewann aber auch sein besseres Gefühl, der Frau gegenüber, die er so fürchterlich getäuscht hatte, die Oberhand, und er beschloss, wenigstens in Frieden von ihr Abschied zu nehmen. Schnell schritt er in dieser Absicht zu dem Tisch zurück, an dem sie lehnte, und hier fiel ihm zum ersten Mal ihr ganz verändertes, bleiches Aussehen auf. Ehe er jedoch hierüber eine Frage tun konnte, sagte die Matrone sehr ernst, aber immer noch freundlich:

"Mr. Rowson, wollen Sie versprechen, mir auf Etwas, das ich Sie fragen werde, frei und offen zu antworten?"

"Ja," sagte der Prediger halb bestürzt und halb verlegen – "doch muss ich Sie bitten, sich zu beeilen, denn ichich muss wirklich noch einmal fortSie wissen, dass so viele Geschäfte –"

Er hatte nicht das Herz, sein Auge zu ihr zu erheben; ein ihm selbst unerklärbares Gefühl beängstigte ihn, – es war ihm, als ob er vor seinem Richter stände.

"Mr. Rowson," sagte die alte Dame jetzt mit leisem, aber deutlichem Ton – "Es sind mir heute Morgen wunderbare Sachen von Ihnen erzählt worden!"

"Von mir? von wem?" fragte der Prediger erschrokken, "wer war hier?"

"Es sind immer noch blosse Vermutungen," fuhr Mrs. Roberts ruhig fort – "und ich hoffe zu Gott, dass es auch nur Vermutungen bleiben sollen. Aber notwendig ist es, dass Sie selbst erfahren, was man von Ihnen sagt, um sich dann kräftig und vollständig dagegen verteidigen zu können."

"Ich weiss in der Tat nichtdiese rätselhaften Wortewas ist nur vorgefallen?" stotterte Rowson, immer verlegener werdend, und schon warf er einen scheuen Seitenblick nach der Tür, als sei er entschlossen, den Faden kurz abzuschneiden und sich durch die Flucht jeder weiteren Frage zu entziehen. Unwillkürlich hatte er indessen mit einer Blume gespielt, die auf dem Tische lag, an dem er lehnte, und ebenso nahm er jetzt den Knopf auf, den der Indianer dort zurückgelassen hatte.

"Rühren Sie den Knopf nicht an, Sirum Gottes willen," rief die Matrone, die es bemerkte, in einem plötzlichen Gefühl des Schreckes und der Angst – "er ist –"

"Was fehlt Ihnen, Madame Roberts?" fragte aber Rowson, der sich rasch gesammelt hatte und entschlossen schien, diesem Gespräch ein Ende zu machen. "Sie scheinen ausser sich. Was ist mit dem Knopf? es ist einer der meinigen, der wahrscheinlich –"

"Der Ihrige?" schrie entsetzt die Matrone und hielt sich an der Lehne ihres Stuhles – "der Ihrige?"

"Was ist