so kurz nachdem Du Deinem Gott gedient, mit irdischen, profanen Gegenständen zu beschäftigen? Es würde Deiner Mutter sehr leid tun, wenn sie das hören müsste."
"Mr. Rowson," sagte Brown, in dem unangenehmen Gefühl, Zeuge eines Tadels zu sein, der das Blut stärker als je in die Wangen des Mädchens trieb, "Sie sind der Bräutigam von Miss Roberts und der Prediger dieses County, haben also ein doppeltes Recht über die junge Dame. Ich sollte aber doch denken, ein unschuldiger Scherz, ein heiteres Wort könnte dem lieben Gott nicht missfällig sein. Alles zu seiner Zeit – fromm beim Gebet und froh beim Mahl."
Rowson würde sicher etwas darauf erwidert haben, aber in diesem Augenblick trat der alte Roberts selbst zu ihnen und dem jungen Brown herzlich die Hand schüttelnd, rief er aus:
"Das ist brav, mein Junge, dass Ihr auch einmal herüberkommt – hol's der –" Es ist möglich, dass er seine Rede auf eine keineswegs sabbatmässige Art beendet hätte, wäre er nicht noch zur rechten Zeit dem blick des Predigers begegnet, der ernst und streng auf ihm haftete, und einlenkend fuhr er fort: "Seit vier Wochen – wie lange seid Ihr eigentlich jetzt in Arkansas?"
"Sieben Wochen," antwortete Brown.
"Nun ja, seit ungefähr vier Wochen habt Ihr Euch kaum zweimal blicken lassen, und in der ersten Zeit waret Ihr alle Tage hier – 's ist doch meiner Seel gar nicht so sehr amüsant hier, auf dem einsamen Fleck Landes, dass man gute Gesellschaft so leicht entbehren könnte. Da kommt Harper noch öfter – wo steckt denn d e r heute?"
"Er wird gleich hier sein."
"Apropos, Brown, dass ich's nicht vergesse – heute über vier Wochen lade ich Euch zur meiner Tochter Hochzeit ein – Euch und Euren Onkel – Ihr müsst dabei sein, sonst geht's nicht, und da –"
"Verzeiht," erwiderte Brown schnell, indem er sich halb von ihm wandte, "in – vier Wochen werde ich – schwerlich mehr in Arkansas sein."
"Nicht mehr in Arkansas – was? Ich dachte, Euer Onkel hätte sich Land gekauft und wollte ganz hier bleiben?"
"Ja, mein Onkel wird das auch, aber ich – ich werde mich den Freiwilligen anschliessen, die nach Texas ziehen. Wie ich vor einigen Tagen in Little Rock gehört habe, will es sich von Mexiko frei machen und – braucht amerikanische arme."
"Torheiten," rief Roberts, freundlich dabei des jungen Mannes Hand ergreifend, "lasst die in Texas ihre eigenen Kriege kämpfen und bleibt Ihr hier bei uns. Wir brauchen am Fourche la fave auch tüchtige, brave Kerle, die den vielen Schuften in hiesiger Gegend die Wage halten, und – zur Hochzeit kommt die ganze Mädchenwelt zusammen, da müsst's ja mit dem T – müsst's ja ganz sonderbar zugehen, wenn sich nicht etwas für Euch darunter finden sollte. – Oh – habt keine Angst" – fuhr er lachend fort, als er sah, dass Brown leise dem Kopf schüttelte – "es gibt wakkere Mädchen hier, sie wohnen nur so zerstreut. Ein Mensch wie Ihr freilich, der nirgends hingeht und keinen einzigen Besuch macht, bekommt sie nicht zu sehen. Aber wahrhaftig, da kommt Harper; Blitz und – hm, wie rot er aussieht!"
Es war wirklich dieser würdige Gentleman, der in scharfem Trabe ankam. Wahrscheinlich hatte er befürchtet, Bill würde plaudern, und schon von Weitem rief er diesem zu: "He, Junge, reinen Mund gehalten?"
"Keine Silbe erwähnt, Onkel."
"Nun, das ist brav! – Kinder, heute Morgen habe ich einen Spass erlebt – eine Jagd gemacht –"
"Eine Jagd, Mr. Harper?" rief vorwurfsvoll Madame Roberts aus, die hinzugetreten war und die beiden Männer freundlich begrüsste, "eine Jagd am heiligen Sabbat?"
"Ohne Büchse, Mrs. Roberts, ohne Büchse, ganz unschuldig. Aber das muss ich von vorne an erzählen, denn so 'was erlebt man nicht alle Tage. – Bill – halt – hiergeblieben, Junge, Du bist mein Zeuge – wo ist Assowaum?"
"Er ging dort in's Feld zu dem brennenden Baumstamm, wahrscheinlich um sich ein Stück Fleisch zu braten."
"Gut, der muss später auch her – Zeugen muss ich haben, sonst glaubt's das Volk nicht – Alles wollen sie selbst sehen, selbst mitmachen – da hättet Ihr einmal sollen meinen Bruder erzählen hören."
"Oder den alten Bahrens!" lachte Roberts.
"Puh – wer ist der alte Bahrens? Höre in einem fort von dem alten Bahrens; ich muss ihn doch einmal besuchen. Das ist wohl ein Wundertier?"
"Wir wollen Dienstag in jene Gegend, um nach wild gewordenen Schweinen zu sehen," sagte Roberts; "wenn Ihr Lust habt, Harper, so könnt Ihr mitkommen. Wir bleiben dann bei Bahrens über Nacht."
"Topp!" rief Harper – "jetzt aber meine geschichte."
Während der Kleine nun mit vielem Wohlbehagen den aufmerksam Zuhörenden sein wunderbares Abenteuer vortrug, ging Rowson, der es seiner Würde nicht für angemessen hielt, nach kaum beendigter Predigt in die allgemeine Fröhlichkeit mit einzustimmen, durch die Hintertür des Hauses in das