gern Alles selbst tun, Alles selbst besorgen wollte, und aus dem Stuhl, in dem sie gesessen, aufstehend, wandte sie sich an Marion und Ellen, und sagte, Marion's Bonnet dabei vom Nagel nehmend:
"kommt, Kinder – zieht Euch an und macht, dass Ihr fortkommt; das Gelaufe wird mir hier zu arg. Ich habe noch eine Masse von Kleinigkeiten zusammen zu räumen und mitzunehmen, die in einer neuen Haushaltung unumgänglich notwendig sind, in einer Junggesellenwirtschaft aber selten gefunden werden. Unterdessen kommt dann Mr. Rowson zurück, Sam muss die beiden Körbe auf sein Pferd nehmen, und wir drei folgen Euch so schnell als möglich. Dort mögt Ihr Euch nachher unterhalten, so gut Ihr könnt. Ohnedies lassen wir Euch nicht lange warten."
Hiergegen hatte Niemand etwas einzuwenden, selbst Harper sträubte sich nur noch schwach, und bald darauf setzte sich die kleine Karawane, von Roberts und Bahrens angeführt, in Bewegung, während Mrs. Roberts, geschäftiger als je, zwischen allen möglichen Krügen und Kästchen und Kisten und Schachteln umherfuhr. Eine ganze Menge von Sachen stellte sie heraus, die sie nachher als gar nicht transportabel wieder wegtun musste, und hatte schon zum dritten Mal die beiden Körbe ausgepackt, um sie immer wieder auf's Neue zu füllen. Da plötzlich, wie sie noch in bester Arbeit war, erschien die Gestalt des Indianers in der Tür, und so ernst und düster schaute der rote Krieger unter seinen wild die Stirn umflatternden Haaren hervor, dass die Matrone wirklich einen leisen Schrei des Schrecks oder vielmehr der Ueberraschung ausstiess. Sie hätte beinahe das irdene Gefäss mit getrockneten Pfirsichen, das sie in der Hand trug, fallen lassen.
"Ach, Assowaum," rief sie endlich lächelnd – "bin ich doch beinahe erschrocken, als ich Euch so unerwartet dastehen sah – es war fast wie ein Gespenst. Ihr habt Euch recht lange nicht sehen lassen. Wie ist es Euch gegangen?"
"Hat der blasse Mann das braunäugige Mädchen schon heimgeführt?" sagte der Indianer, ohne ihre freundliche Anrede zu beachten und nur ängstlich forschend im Zimmer umherschauend – "ist Assowaum zu spät gekommen?"
"Was habt Ihr, Mann?" rief die Matrone, jetzt in der Tat vor den rollenden Augen des Wilden entsetzt; "was wollt Ihr mit Mr. Rowson, den Ihr ja doch wohl immer den blassen Mann genannt habt?"
"Ich will noch nichts von ihm," flüsterte Assowaum, "noch nicht; aber die Regulatoren verlangen nach ihm!"
"Was geht er die Regulatoren an, er gehört ja nicht zu ihnen – billigt ihre Versammlungen nicht einmal –"
"Das glaube' ich," lächelte der Wilde, aber so schauerlich durchzuckte selbst dieses Lächeln seine dunkeln Züge, dass die Matrone ernstlich fürchtete, er sei über den Verlust seiner Squaw wahnsinnig geworden. Vorsichtig schaute sie sich auch nach dem Negerknaben um, der eben ihr eigenes Pferd draussen vor der Tür sattelte.
Assowaum mochte lesen, was in ihrer Seele vorging, denn er fuhr mit der Hand über die Stirn, strich sich die herübergefallenen Haare glatt und sagte leise: "Assowaum ist nicht krank – aber er kam hierher, Eure Tochter zu retten. Ist es zu spät?"
"Meine Tochter? Allmächtiger Gott, was ist mit ihr? was sollen Eure rätselhaften Reden? Sprecht das Schreckliche aus – was ist mit meinem kind?"
"Ist Marion schon des blassen Mannes Weib?"
"Nein – aber was hat Mr. Rowson –?"
"Die Regulatoren sind auf seiner Fährte – er ist der Mörder Heatcott's –"
"grosser Gott!" rief die Matrone entsetzt und wankte zu dem Sessel zurück, während der Indianer ruhig und ernst in der Tür stehen blieb.
"Das ist Verleumdung," sagte sie endlich, sich ermannend – "schändliche, niederträchtige Verleumdung. Wer ist der Bube, der ihn dessen angeklagt?"
"Ich selbst," sagte Assowaum leise – "ich selbst," wiederholte er nach kurzer – atemloser Pause. – "Er mag sich verteidigen, aber ich fürchte – an seinen Händen klebt auch das Blut Alapaha's – meines Weibes –"
"Entsetzlich – fürchterlich," stöhnte die unglückliche Frau, "und mein Kind – Aber nein, es ist nicht möglich – es ist ein Irrtum – ein schrecklicher, wahnsinnig machender Irrtum, der sich bald aufklären wird und muss. Er wird rein und unschuldig vor jedem Gericht hervorgehen."
"Onishin," sagte der Indianer – "wo aber sind die Eurigen? – wo ist der alte Mann, wo das Mädchen? wo der blasse Mann selbst?"
"Er muss augenblicklich zurückkehren – Marion und Roberts sind vorausgeritten nach seinem haus; heute Nachmittag soll in des Richters wohnung die Trauung stattfinden. Mensch – es ist ja nicht möglich – Rowson – der fromme, gottesfürchtige Mann k a n n kein Verbrecher sein. – Er müsste denn den Regulator, der ihn stets beleidigte und kränkte, in der Hitze erschlagen haben –"
"Und wen beschuldigte er der Tat?" fragte der Indianer ernst; "der blasse Mann hatte zwei Zungen in seinem mund, die eine sprach mit seinem Gott und die andere zürnte dem Verbrecher. Tat er recht, wenn er das Blut an seiner eigenen Hand wusste?"
"Ich kann es nicht glauben – ich kann es nicht begreifen