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hinauf in den oberen teil des Hauses. Dort steht auch der kleine Koffer, der, für solchen Fall gerüstet, Alles entält, was wir unterwegs gebrauchen werden."

"Und das Zeichen?"

"Ihr seht mich schon kommen. Das Haus beherrscht mehrere hundert Schritt weit die es umgebende kleine Waldwiese, auf der ich gebaut habe."

"Aber unrecht ist's doch, die Kameraden jetzt so im Stiche zu lassen," sagte Cotton nachsinnend. "Wer weiss denn, ob wir ihnen nicht von Nutzen sein könnten, wenn wir die Nacht noch hier blieben! Es sind manche unter den hier wohnenden Farmern, die es im Stillen recht gut mit uns meinen und uns gern Vorschub leisteten; aber freilich werden sich d i e nicht rühren, wenn wir selbst beim ersten Schreckschuss die Flucht ergreifen."

"Oh zum Henker mit Euren Vernunftschlüssen!" rief ungeduldig Rowson aus. "Glaubt Ihr, ich soll jetzt zwischen sie treten, wo vielleicht Johnson oder Weston gestanden haben, um augenblicklich ebenfalls ergriffen und gebunden zu werden? Nein, verdammt will ich sein, wenn ich meinen eigenen Hals in eine Schlinge stecke, bloss um zu sehen, wie sich ein paar Andere, denen ich doch nicht mehr helfen kann, darin befinden. – Ich gehe – I h r mögt's jetzt machen, wie Ihr wollt."

"Ihr wisst ja aber gar nicht, ob E u e r Name überhaupt erwähnt wird. Ihr kennt doch unsern Schwur."

"Ja wohlAlles recht gut, der Teufel aber traue auf den Schwur, ich nicht. Das wäre nicht der erste, den ein schwarzer Hikorystock gebrochen hätte; – und sagtet Ihr nicht selbst, Johnson habe gefürchtet, von dem roten, hündischen Wilden verraten zu werden? Dasselbe droht mir, nur noch in einem viel ärgeren Grade. Hätte sich der Indianer nicht wieder in unserer Gegend gezeigt, vielleicht wagt' ich's dann und bliebe. Der heimlichen Rache eines solchen Burschen mag ich aber nicht ausgesetzt sein, und darum such' ich das Weite. kommt Ihr also mit oder nicht?"

"Nun natürlich werde' ich die Finger nicht allein im Brei stecken lassen, das könnt Ihr Euch denken," entgegnete mürrisch der Jäger. "Ich darf ja meine Physiognomie nicht einmal in Little Rock zeigen. – Nein, m i r ist's gerade bequem genug auf Gottes Erdboden, und ich habe nicht das Mindeste mit meinem Hals zwischen den Eichenästen zu suchen. Also fort dennaber wohin wollen wir?"

"Ich gehe auf die Insel," sagte Rowson entschlossen – "wohin Ihr?"

"Zum Ueberlegen haben wir später Zeit genug unterwegs," erwiderte ausweichend der Jäger; "jetzt vor allen Dingen hier fort, denn jeder andere Platz, selbst das Zuchtaus von Arkansas, ist in diesem Augenblick sicherer für uns als der Fourche la fave. Also kommt bald nach und lasst mich nicht lange warten. – Mir ist's unheimlich, wenn ich da vielleicht eine Stunde allein sitzen sollte; ich würde jeden Augenblick fürchten, das Haus von Regulatoren umzingelt zu sehen."

"Habt keine Angstich werde schnell genug da sein. Roberts sind hoffentlich noch nicht aufgebrochen, denn deren Gegenwart könnte uns jetzt allerdings gewaltig stören. So rasch mich also mein Pferd trägt, bin ich bei Euch. Uebrigens will ich verdammt sein, wenn ich nicht froh bin, die erbärmliche Predigermaske abwerfen zu dürfen. Sie ist mir, besonders in den letzten vierzehn Tagen, schauderhaft lästig geworden."

"Ich will nur wünschen, dass Euch die Luft in Arkansas u n m a s k i r t besser zusagt, als mit der Maske," erwiderte Cotton, indem er unter einem dichten Gewirr von Gründornen und Schlingpflanzen sein in eine wollene Decke eingeschlagenes Kleiderbündel hervorholte und es sich aus den rücken warf – "sonun bin ich reisefertig," fuhr er, einen scheuen blick nach allen Seiten werfend, fort – "folgt also baldGood bye!"

"Good bye!" antwortete der Priester und schaute ihm sinnend noch eine kurze Zeit nach, bis er ganz hinter den dichten Papao- und Sassafrasbüschen verschwunden war. Dann aber schritt er schnell zu seinem Pferde, das ihn ruhig grasend erwartete, schwang sich in den Sattel, setzte dem Tiere die Hacken in die Seite und galoppirte, so rasch es ihm das dichte Unterholz erlaubte, waldeinwärts, der wohnung Roberts' wieder zu.

33.

Der entlarvte Verbrecher.

Harper und Bahrens hatten sich ungern der Einladung gefügt. Sie war aber so herzlich gestellt gewesen, dass Beide nicht umhin konnten sie anzunehmen, und nun ihre Tiere sattelten und aufzäumten, um später die Gesellschaft nicht auf sich warten zu lassen.

Marion betrieb mit einer gewissen unruhigen Angst alle Vorbereitungen zu dem Schritt, der sie von nun an für immer aus dem elterlichen haus entfernen sollte, und so auffallend stark war eben dieses Gefühl in ihren Zügen ausgeprägt, dass selbst der rauhe, in solchen Sachen höchst unbekümmerte und sorglose Bahrens es bemerkte und Harper darauf aufmerksam machte. Dieser versuchte jedoch, es ihm auszureden, und schweigend besorgte Jeder das, was er noch zu besorgen wünschte.

Mrs. Roberts hatte aber gar Manches vorzurichten und einzupacken und eine Zeit lang mit augenscheinlicher Ungeduld dem Hin- und Herlaufen der verschiedenen Menschen zugesehen. Endlich aber siegte ihre gewöhnliche Unruhe, mit der sie