1846_Gerstcker_144_156.txt

fürchte aber fast, der Indianer hat zu sichere Beweise, denn sein Auftreten ist nicht gerade wie das eines Mannes, der auf blossen Verdacht hin handelt. Führt uns an, Brownjeder Augenblick, den wir noch versäumen, ist nie wieder einzubringen. Führt uns an, und so möge Verdammniss und Strafe den Schuldigen treffen, wie wir jetzt unser gutes Recht sichern und bewahren wollen."

"Und was soll mit diesen Gefangenen geschehen?" fragte Cook, auf Atkins, Weston und Johnson deutend.

"Am besten ist's, wir schaffen sie heute Nacht noch fort," sagte Brown – "das ganze Hans ist voller Frauen, Mrs. Atkins hat also hülfe und Unterstützung. Wo aber hin mit ihnen?"

"Zu mir," sagte Wilson – "Curneales wird sich, dess bin ich überzeugt, nicht weigern, die Regulatoren mit ihren Gefangenen aufzunehmen und wir brauchen dann nur für sichere Wacht zu sorgen."

"Die will i c h halten!" rief Curtis, "ich werde Wohl noch Kameraden dazu finden, und dass sie nicht entkommen sollen, dafür bürgt meine Büchse. Aber dann brecht auch aufes kann nicht mehr so weit bis zum Morgen sein, und ist Cotton wirklich gewarnt, so möchte' es eine schwierige Aufgabe werden, ihn einzufangen. Der ist mit allen Hunden gehetzt. Jetzt also vor allen Dingen eine Abteilung mit den Gefangenen fort und die andere auf die Suche."

Schnell und geräuschlos wurden nun die hierzu nötigen Schritte getan, um die Frauen nicht unnützer Weise noch mehr zu beunruhigen. Die drei Gefangenen sahen sich in der nächsten Viertelstunde, von sechs schwerbewaffneten Männern geleitet, auf dem Wege nach ihrem einstweiligen gefängnis. Pelter und Hostler blieben als Wachen in Atkins' haus zurück, und die Uebrigen, von Assowaum geführt, brachen nach der einsamen Hütte der Verbündeten auf, um dort noch wo möglich den schon so lange Gesuchten zu erfassen, oder doch neue Beweise der Schuld aller bis jetzt Eingebrachten und Gefangenen zu erhalten.

Mitternacht lagerte über den Wäldern. Noch rauschten und brausten die mächtigen Wipfel und schüttelten sich die kalten Schauer aus den grünen, wehenden Locken; noch zuckten am fernen östlichen Horizont matte Blitze, und leiseleise grollte und murmelte der ferne Donner hinterher. Da huschte schnell und vorsichtig eine dunkle Gestalt über die Fenz, welche Johnson's niedere Hütte umschloss. Es war Cottoner glitt durch die offene Tür in den inneren Raum der Hütte, raffte dort, was er an Waffen und Kleidern besass, zusammen, barg mehrere andere Sachen, die er dem Auge der Feinde wahrscheinlich zu entziehen wünschte, in einen hohlen Baum unfern der Hütte, schleppte dann das im Kamin durch ihn schnell wieder angefachte Feuer in eine Ecke der stube unter das Bett, warf einen flüchtigen, Abschied nehmenden blick auf den Raum, der ihm so lange Schutz gegen seine Verfolger gewährt hatte, murmelte noch einen bittern Fluch zwischen den dünnen, bleichen Lippen hindurch und verschwand dann, schnell und geräuschlos, wie er gekommen, im dichten, undurchdringlichen Schatten des Waldes.

32.

Die Kreuzeiche.

Die Kreuzeiche war ein bei den Jägern des Fourche la fave allgemein gekannter Platz. Sie stand unfern vom Ufer eines kleinen Sees, am rand einer der vielen Slews oder Sumpfbäche, die die Niederung durchkreuzen, und nahe bei einem dichten Rohrbruch, der im vorigen Jahre durch die Nachlässigkeit einiger Jäger entzündet worden. Nur verdorrtes und halbverbranntes Schilf umgab jetzt noch den Platz, zwischen dem das junge, maigrüne Rohr kaum erst wieder an einzelnen und sehr zerstreut liegenden Stellen anfing sich Bahn zu brechen.

Ein gewaltiger, hochstämmiger Persimonbaum aber, dessen Wipfel der Blitz gespalten, hatte einen seiner Aeste in die auszweigende Hauptgabel des Nachbarstammes, eben dieser Eiche, gelegt und auf solche Art ein rohes, aber leicht erkennbares Kreuz gebildet.

Cotton wie Rowson kannten den Platz genau, und besonders hatte der Letztere an dieser Stelle oft Betversammlungen oder sogenannte Camp Meetings gehalten. Cotton war übrigens heute der Erste am Platz und wohl schon eine Stunde vor der ihm von Rowson bestimmten Zeit am steilen Ufer der Slew auf- und abgegangen. So ungeduldige Blicke er aber nach der Seite hin warf, von welcher er den Freund erwartete, so scheu und vorsichtig lauschte er bald nach dieser, bald nach jener Himmelsrichtung hin, als ob er irgend eine Ueberraschung oder Gefahr befürchte, und jedes fallende Blatt machte, dass er rasch und ängstlich den Kopf dortin wandte.

Da krachte ein dürrer Zweig, und schlangenartig glitt der Jäger hinter einen umgestürzten Baumstamm, wo er, still und regungslos wie das Holz, das ihn verbarg, liegen blieb. Es war aber der so ungeduldig Erwartete, und schnell brach der Flüchtling wieder aus seinem Versteck hervor.

"Endlich kommt Ihr," rief er mürrisch – "seit einer Stunde stehe ich hier Todesqualen aus, und –"

"Ihr dürft Euch nicht beklagen, ich bin noch etwas vor der Zeit da. – Es kann kaum halb nenn Uhr sein, und Ihr wisst, dass wir hier erst um neun Uhr zusammentreffen wollten."

"Ja, um einander vielleicht nie wieder zu finden."

"Was ist vorgefallen?" fragte Rowson erschrocken, denn erst jetzt fiel ihm das bleiche, verstörte Antlitz des verbündeten Freundes auf. "Ihr seht aus, als ob Ihr eine Todesnachricht brächtet. – Sind die Regulatoren –"

"Ich wollte, beim Teufel, es wäre