die zweite Höhle dieser Halunken aufzufinden. Wer kennt den Weg?"
"Ich!" sagte Assowaum; "aber glaubt mein Bruder, dass der Bär in sein Lager zurückkehrt, wenn er die Fährten des Jägers am Eingange wittert? Das Eulenzeichen galt den hier Wohnenden; wir wussten es nicht zu beantworten, und jene Schufte wurden gewarnt – die Höhle ist leer."
"Du magst in der Tat Recht haben, Assowaum," sagte Brown, "den Versuch müssen wir aber machen, und von dort an sei unsere nächste Aufgabe, den – den Zweiten zu finden, den Du für schuldig hältst. Noch ist es, dem Himmel sei Dank, Zeit, aber ich kann mir das Entsetzliche nicht denken."
"Wer ist denn der andere Mann, von dem der Indianer sprach?" fragte Stevenson jetzt.
"Sie sollen ihn morgen kennen lernen," erwiderte, finster vor sich niederstarrend, der junge Regulatorenführer – "aber – nicht wahr, Mr. Stevenson –" fuhr er dann, wie aus einem Traum aufschreckend, fort – "nicht wahr, Sie bleiben jetzt bei uns, bis wir die Sache zu Ende gebracht haben? Sie müssen doch sehen, wie wir hier in Arkansas Recht und Gerechtigkeit üben –"
"Ich bleibe da – versteht sich," beteuerte der alte Farmer, mit kräftigem Druck den dargebotenen Handschlag erwidernd.
"Dann werden aber Ihre Frauen auch meine wohnung wenigstens so lange als die ihrige betrachten," sagte Heinze, dem Alten ebenfalls die Hand reichend. "Wie mir Cook gesagt hat, so lagern sie kaum eine viertel Meile von meinem haus entfernt, und da ich doch morgen früh einmal hinauf muss, will ich sie selbst herüberholen. Wann ist unser Gericht?"
"Am Montag Morgen."
"Und wo?"
"Diesmal im freien wald, dort, wo unterhalb Wiswill's Mühle der steile Fels in den Fluss hineinragt. Oben auf dem Gipfel ist ein offener Platz und dortin wollen wir die bis dahin gemachten Gefangenen transportiren."
"Wen sucht ihr noch?" fragte Husfield.
"Cotton und – Rowson!"
"Rowson? Den Prediger? Den Metodisten?" riefen Alle erstaunt und überrascht durcheinander.
"Den Prediger und Metodisten," erwiderte Brown leise.
"Und wer ist sein Ankläger?" fragte Mullins bestürzt.
"Assowaum!" sagte der Regulatorenführer, auf den Indianer deutend, dessen dunkle Gestalt ruhig am Kamin lehnte, während er mit nicht zuckenden Wimpern den auf ihn gerichteten Blicken der Menge begegnete.
"Er hat Blut an seiner Hand," sagte er endlich leise nach kurzer Pause – "er hat Blut in seiner Fährte, und die wasser des Petite Jeanne – die wasser des Fourche la fave konnten es nicht verwischen."
"Und morgen will er des alten Roberts Tochter als sein Weib heimführen," rief Cook erstaunt – "es ist nicht möglich, der Indianer muss sich irren –"
"Der fromme Rowson," stöhnte Mullins, noch halb ungläubig, in stummem Entsetzen.
"Hier nützt kein Reden," sagte Brown schnell entschlossen – "hier muss gehandelt werden. Ist es ein blosser Verdacht, der auf dem Priester ruht, so verlangt es sein eigener guter Ruf, dass er so schnell gehoben werde, als möglich, denn auf seinem Stand darf kein Makel haften, wenn er nicht zehnfache Verdammung auf das schuldige Haupt herabrufen will. Jetzt aber gilt's vor allen Dingen, die Verbrecher einzufangen, die hier in der Nähe und also auch wahrscheinlich schon gewarnt sind. Assowaum mag uns nach Johnson's haus führen, und von dort brechen wir zusammen nach Roberts' wohnung auf, die wir noch früh am Morgen erreichen müssen."
"Das ist auf jeden Fall ein Irrtum," sagte Mullins, "der Indianer ist ja auch nur ein Mensch, und –"
"Wochenlang hat Assowaum den Fährten nachgespürt und sie gemessen und verglichen," erwiderte finster der Wilde; "so wahr jener Sturm die alten Bäume schüttelt – der blasse Mann ist ein Verräter."
"Was nützen die Worte!" erwiderte Brown – "er ist beschuldigt und –"
"Aber von wem?" unterbrach ihn ärgerlich Mullins – "der Indianer, der ihm nie grün war, weil er Alapaha zum Christentum bekehrte, klagt ihn an. – Sollen wir auf dessen Wort hin einen frommen, gottesfürchtigen Mann ergreifen und auf den Tod beleidigen? Das geht auf keinen Fall. – Bringt erst Beweise, eher gebe ich meine Zustimmung zu solch rascher Tat n i c h t ."
"Stellt ihn mir gegenüber," sagte der Indianer, indem er sich aus seiner ruhenden Stellung stolz emporrichtete – "stellt ihn mir gegenüber, und wenn sein Auge an dem meinigen haften kann – dann hängt mich. Sind die Männer zufrieden?"
"Ja!" sagte Husfield ernst. "Ich sehe nicht ein, warum wir auf das Zeugnis eines weissen Mannes mehr geben sollten, als auf das eines roten. Ich selbst habe den Metodisten nie leiden können und würde mich gar nicht wundern, wenn jetzt ein Wolf unter dem Lammfell steckte. Er ist so gut wie jeder Andere nur ein Mensch, und dass er predigt, erwirbt ihm, in meinen Augen wenigstens, kein besonderes Verdienst. R e i n i g t er sich vor Gericht von der Beschuldigung, desto besser für ihn. Ich