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Mörder."

"Johnson und Rowson," wiederholte Assowaum eben so leise, aber eben so bestimmt. "Der blasse Mann hatte ebenfalls teil an dem Pferdediebstahl."

"Mensch, bist Du dessen gewiss?" stöhnte Brown, noch immer nicht im stand, den schrecklichen Gedanken zu fassen, Marion in den Händen eines Verräters zu wissen, "hast Du wirklich Beweise für solch' entsetzliche Anklage?"

"Der blasse Mann war bei dem Pferdediebstahl, ich weiss es, und neben dem Blute des weissen Mannes stand sein Fuss."

"Gerechter GottAssowaumweisst Du, w e n Du beschuldigst?"

"Den Metodisten," sagte der Indianer finster. "Vielleicht zertrat er auch die Blume der Prairien; doch umkreiste Assowaum bis jetzt umsonst das Lager. Aber er erschlug den weissen Mann; seit vier Tagen weiss ich es."

"Und weshalb schwiegst Du?"

"Wenn die weissen Männer den Verbrecher des einen Mordes für schuldig fanden," lächelte Assowaum mit wildem, fast geisterhaftem blick, "dann kehrten sie sich nicht an den andernsie hingen ihn, und Assowaum hätte seine eigene Rache in den Händen Anderer gesehen. Assowaum aber ist ein Manner will sich selbst rächen!"

"Wo aber hast Du Deinen Gefangenen?"

"Draussen im wald; er glaubte einen Häuptling schlafend zu finden. Hat mein Bruder schon einen Panter gesehen, der die Augen schloss?"

"So wollen wir ihnwas ist das? Schon zum dritten Mal tönte der Eulenruf von da herüber, und immer in einer andern Richtungsollte das ein Zeichen sein?"

Der Indianer horchtewiederum klang der monotone Ruf des menschen- und lichtscheuen Nachtvogels zu ihnen herüberdreimalin langsam abgemessenen Pausen, und dreimal, in demselben Zeitmass, antwortete ihm der rote Sohn der Wälder. Aber drüben im Dickicht verstummte von jetzt an der Ruf und wurde nicht weiter gehört.

"Es war eine Eule," sagte Brown, noch hinaushorchend in die stille Nacht.

"Vielleicht," erwiderte sinnend der Indianer – "vielleicht auch nicht. – Der Mann da wird das Zeichen wohl kennen."

Atkins, dem diese Bezeichnung galt, hatte ängstlich verstohlene Blicke nach der Tür geworfen und war, als Assowaum dem Ruf antwortete, wie erschrocken emporgefahren. Jetzt aber, als Alles schwieg und der falsche Lockton nicht weiter beantwortet wurde, durchzuckte ein trotzig höhnisches Lächeln seine dunkeln Züge, und ohne weiter ein Zeichen von Teilnahme zu verraten, kauerte er wieder an der wärmenden Glut nieder. Er beantwortete aber auch keine einzige der von Brown an ihn gerichteten fragen und wandte diesem sowohl, als dem mann, der ihn zuerst verraten und jetzt sein Wächter war, in zorniger Verachtung den rücken.

Der Indianer hatte indessen in Begleitung mehrerer Regulatoren die Hütte wieder verlassen, und tiefes Schweigen herrschte wohl eine halbe Stunde lang, als auf einmal ein wilder Angstschrei an dem hintern teil der Fenz, da, wo diese an den Wald stiess, gehört wurde. Gleich darauf brachten Wilson und Bowitt den gefangenen Weston, der in die Falle gegangen war und seine Flucht versucht hatte, herein.

Nicht viel später erschien auch Assowaum mit zweien der Regulatoren, die den bleichen und scheu die Augen niederschlagenden Johnson in die stube stiessen, wo er sich plötzlich seinem grimmigsten Feinde, dem wilden Husfield gegenüber sah.

"Also dochSir?" fragte dieser, ihn erstaunt von Kopf bis zu Füssen betrachtend – "doch mit bei der Bande, und wie es scheint in gar verzweifelter Situation? Wer hat den Menschen gefangen?"

"Der Indianer," sagte Cook, auf ihn deutend.

"Ha, Assowaum!" rief Husfield, diesen erst jetzt erkennend – "das ist brav, dass Du wieder da bist und noch dazu solche Beweise Deines guten Willens mitgebracht hast. Verdamm' michAssowaum, wenn ich weiss, was ich Dir dafür liebes und Gutes erweisen sollPestfünfhundert Dollar wären mir nicht so lieb. Da, da hast Du meine silberbeschlagene Büchseich weiss, die Deinige taugt nichts mehrsie versagt immer und Du hast Dir schon lange ein gutes Gewehr gewünscht. – Nimm sie, und möge sie Dir so gute Dienste leisten, wie sie mir geleistet hat. Und Du, Geselle –" wandte er sich dann an den zitternden Verbrecher – "Du sollst diesmal Deiner Strafe nicht entgehen. Als wir uns zum letzten Mal sahen, warst Du verdammt trotzig; jetzt möchte sich das Blatt gewendet haben. Seht nur, wie der Schuft zittert und bebt; die Knie können ihn kaum noch tragen."

"Gift und Tod über Euch!" fluchte der Gefesselte, sich jetzt zum ersten Mal trotzig emporraffend. "Ihr könnt mich hier fesseln undlynchenzum Teufel, aber Ihr braucht mich nicht zu verhöhnen. Hunde Ihrdie Ihr Alle über Einen herfallt."

Husfield wollte auffahren, Brown wehrte ihm aber und sagte:

"Lasst ihn reden. – Er mag prahlen und schimpfen; dass wir aber ein Recht haben, ihn gefangen zu halten, dafür ist uns der Indianer Bürge, den er heimlich hat überfallen und morden wollen. Das ist die erste Anklage; das Uebrige kommt nach. Sobald wir seine Genossen haben, wird das Gericht, u n s e r Gericht nämlichdas Weitere bestimmen. Jetzt gilt es vor allen Dingen,